Coronavirus

Auch Schweizer Unternehmen haben in Amerika staatliche Notkredite beantragt

Auch eine Tochterfirma von Bernina ist auf einer Liste von Kreditempfängern.

Auch eine Tochterfirma von Bernina ist auf einer Liste von Kreditempfängern.

In der Corona-Krise suchten amerikanische Tochtergesellschaften von Schweizer Unternehmen um staatliche Überbrückungskredite nach. Auf einer Liste des Finanzministeriums sind Namen wie Feintool, Stadler Rail, Bernina und Victorinox zu finden.

Unter den Zehntausenden von Firmen, die in der Corona-Krise in Amerika um staatliche Zuschüssen nachfragten, befinden sich auch einige prominente Schweizer Unternehmen. So suchte die amerikanische Tochter des Industrieunternehmens Feintool aus Lyss (Bern) um einen Kredit von 5 Millionen bis 10 Millionen Dollar nach, um gegen 500 Angestellte weiterzubeschäftigen.

Einen jeweiligen Kredit in der Spannweite von 2 Millionen bis 5 Millionen Dollar beantragten der Maschinenbauer United Grinding (167 Angestellte), der Schienenfahrzeug-Produzent Stadler Rail (307 Angestellte), der Nähmaschinenhersteller Bernina of America (283 Angestellte) sowie Victorinox Swiss Army Inc. Der Maschinenbauer Bruderer (47 Angestellte) suchte um einen Kredit von 1 Million bis 2 Millionen Dollar nach. Und die Waffenschmiede RUAG Ammotec USA, die in Tampa (Florida) 23 Angestellte beschäftigt, beantragte einen Zuschuss von bis zu 1 Million Dollar. In welcher Höhe die Kredite ausbezahlt wurden, war am Dienstag nicht in Erfahrung zu bringen. (Am Mittwoch sagte Feintool-Sprecherin Karin Labhart: «Wir gehen davon aus, dass wir den grössten Teil des Kredites zurückzahlen werden müssen. Konkrete Zahlen können wir hierzu noch nicht liefern.»)

Zuschüsse müssen nicht in jedem Fall zurückbezahlt werden

Das Geld war Teil des Paycheck Protection Program (PPP), das der Kongress in Washington im Frühjahr genehmigte, um die Folgen der Corona-Krise zu mindern. In einer ersten Tranche wurden dafür 521 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt, die vornehmlich an Unternehmen gehen sollten, die 500 oder weniger Angestellte haben. Die Small Business Administration (SBA) – eine Dienststelle, die sich um die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen kümmert – erlässt den unterstützten Firmen das Geld, wenn sie während acht Wochen mindestens 75 Prozent des Geldes für Lohnzahlungen verwenden.

Die SBA und das Finanzministerium hatten sich anfänglich geweigert, Auskunft über die Begünstigten zu geben, die mehr als 150'000 Dollar aus der Staatskasse beantragten. Die Liste der betroffenen Firmen, die 661'218 Einträge umfasst, wurde am Montag erst auf Druck des nationalen Parlaments und Klagedrohungen veröffentlicht. Und obwohl das Geld, das Repräsentantenhaus und Senat im Frühjahr bewilligt hatten, eigentlich vornehmlich Kleinunternehmen zugute kommen sollten, stiessen findige Journalisten rasch auf ethisch fragwürdige Kreditvergaben.

Milliardäre kassieren Millionen

So bekamen Unternehmen, die zum Imperium von Jim Justice gehören, einen Zustupf von bis zu 24 Millionen Dollar – obwohl der Republikaner, der im November für eine zweite Amtszeit als Gouverneur von West Virginia wiedergewählt werden will, als der einzige Milliardär in seinem Bundesstaat gilt. Geld aus der Bundeskasse erhielt auch Kanye West, der Musiker, der am vergangenen Wochenende auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verkündet hatte, dass er ins Rennen um das Weisse Haus steige. Seine Holding-Firma Yeezy, die angeblich 106 Angestellte zählt, erhielt einen Kredit von 2 Millionen bis 5 Millionen Dollar. Das persönliche Vermögen des 43 Jahre alten Künstlers wird von «Forbes» auf 1,3 Milliarden Dollar geschätzt.

Ein gefundenes Fressen für viele Kommentatoren waren aber vor allem die Darlehen an Firmen, die gemeinhin als staatskritisch gelten. So erhielt die Stiftung «Americans for Tax Reform» des umtriebigen Operateurs Grover Norquist 150'000 bis 350'000 Dollar. Eines der erklärten Ziele der Stiftung ist es, die amerikanische Bevölkerung über die «wahren Kosten» aufzuklären, die eine spendierfreudige Exekutive verursache.

Einen Kredit von bis 1 Million Dollar erhielt auch das «Ayn Rand Institute». Die Vereinigung hält das Andenken an die 1982 verstorbene Autorin hoch, die in ihren Werken den radikalen Egoismus predigte und deshalb am rechten Rand der Republikanischen Partei immer noch verehrt wird. (Angeblich habe man keine andere Wahl gehabt, als das Geld anzunehmen, sagte ein Vertreter der staatskritischen Denkfabrik vor einigen Wochen: Wenn die Regierung alle Bürger beraube, um einige zu beschenken, dann müsse man zugreifen, um wenigstens teilweise entschädigt zu werden.)

SBA-Liste ist fehlerbehaftet

Andere Reporter wiesen umgehend darauf hin, dass die Datenbank alles andere als zuverlässig sei. So ist zum Beispiel die Silicon Valley Community Foundation als Empfänger eines Kredites von bis zu 5 Millionen Dollar verzeichnet – obwohl die Stiftung, zu deren Geldgeber einige der reichsten Amerikanerinnen und Amerikaner aus der Technologiebranche gehören, gemäss eigenen Angaben nie Staatsgelder bekommen hatte.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1