Basel
Auch bei Roche wachsen die Bäume nicht in den Himmel

Der Pharmakonzern Roche hat so viele neue Produkte in Vorbereitung wie noch nie. Aber die Roche-Aktie rutschte.

Stefan Schuppli
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Das Unternehmen Roche in Basel

Das Unternehmen Roche in Basel

René Ruis / Keystone

An der Medienkonferenz in Basel schwärmte Roche-Chef Severin Schwan weniger von den grundsoliden Zahlen, die der Pharmakonzern gestern vorlegte, sondern von den kommenden Medikamenten.

Im vergangenen Jahr erhielten fünf Medikamente die Zulassung, weitere neun Wirkstoffe sind in der letzten Phase der klinischen Tests.

«Ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns bei Roche jemals in einer solchen Situation befanden», sagte Schwan.

Vier «Durchbruchtherapien»

Vier Medikamente, die meisten von ihnen gegen Krebs, erhielten von der US-Zulassungsbehörde neu den Status eines «Durchbruchsmedikamentes».

Damit liege Roche weltweit an der Spitze, verkündete Schwan nicht ohne Stolz. Dieser Status soll die Entwicklung und Prüfung von Medikamenten, welche für die Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen vorgesehen sind, beschleunigt werden. Dies, damit die Patienten so schnell wie möglich zu ihren Medikamenten kommen.

Schwan wies darauf hin, dass das ganze «Medikamentenportfolio» von Roche innerhalb von 10 Jahren - so lange dauert der Patentschutz ab der Einführung im Schnitt – einmal komplett erneuert werde.

Das heisst: jedes Jahr fallen Umsätze in Milliardenhöhe weg. Damit steht Roche unter einer Daueranspannung.

Die Börse und die Analysten zeigten sich aber trotz ansprechenden Gewinnzahlen etwas enttäuscht.

Hintergrund war, dass das letzte Quartal 2015 etwas schwächer ausgefallen war und das die gestern bekannt gegebenen Aussichten für 2016 etwas bescheidener ausfielen als erwartet.

Die Roche-Aktie schloss in der Folge bei 258.10 Franken (-3,8%). Die Dividende wird ein weiteres Mal erhöht.

Nicht überraschend hatte der hohe Franken einen negativen Einfluss auf die Konzernrechnung.

Der Konzerngewinn ging in Franken um fünf Prozent auf 9,05 Milliarden Franken zurück, wogegen er zu konstanten Wechselkursen um vier Prozent zunahm.

Managerlöhne: Roche-CEO verdiente 2015 mehr als Novartis-CEO

Severin Schwan, CEO von Roche, verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr 11,95 Millionen Franken. Im Jahr davor waren es 11,99 Millionen. Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz bezog für 2015 insgesamt 5,7 Millionen Franken. Im Vorjahr hatte er 4,0 Millionen bekommen, war jedoch nur ab März dabei. Das Gremium der Roche-Geschäftsleitung wurde 2015 insgesamt mit 41,2 Millionen Franken vergütet, wie im Geschäftsbericht mitgeteilt wird. Im Vorjahr waren es 42,9 Millionen Franken gewesen. Bei Novartis, das am Mittwoch seinen Zahlen publiziert hatte, bezog der CEO Joseph Jimenez mit 11,6 Millionen Franken etwas weniger als der Roche-Chef. Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt bezog 3,8 Millionen Franken und damit markant weniger als sein Kollege von Roche. (sda)

Milliardenschwere Medikamente

Zur guten Entwicklung beigetragen haben beide Geschäftsbereiche: Bei Pharma resultierte mit einem Umsatz von 37,3 Milliarden zu konstanten Wechselkursen eine Zunahme um 5 Prozent.

Die Diagnostika-Division legte gar um 6 Prozent auf 10,8 Milliarden zu und wuchs damit stärker als der Markt.

Kombinationstherapien mit verschiedenen Medikamenten gewinnen an Bedeutung. So hat beispielsweise der «Renner» Herceptin nochmals Schub bekommen durch die Kombination mit Perjeta (gegen Brustkrebs).

Die umsatzstärksten Medikamente sind Mabthera (Blutkrebs, Leukämie etc.) mit 7,05 Milliarden Umsatz, Avastin (gegen verschiedene Krebsarten) mit 6,68 Milliarden und Herceptin 6,53 Milliarden.

Preisdruck – (k)ein Problem

Bei Novartis hiess es am Vortag, der Preisdruck in den USA werde mit Sicherheit anhalten oder zunehmen.

Roche sieht das etwas anders. Die Medikamente hätten einen derart hohen Nutzen, dass man die Medikamente sehr gerne einsetze und man auch den entsprechenden Preis bekomme.

Für die Immuntherapie hat Roche neun völlig neue Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung.

Durch einen Kniff werden Krebszellen zum Bersten gebracht und damit für das Krebsmittel erkennbar eliminierbar gemacht.

Für ein neues solches Medikament gegen Blasenkrebs hat der Konzern die Daten für die Zulassung bereits eingereicht. Hoffnung gibt es auch für eine neues Medikament gegen die schubweise und fortschreitende Multiple Sklerose.

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