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Atempause für Tidjane Thiam — der Credit-Suisse-Chef äusserte sich erstmals zur Beschattungsaffäre

CS-Konzernchef Tidjane Thiam hat sich erstmals öffentlich zur Beschattungsaffäre geäussert: Er habe niemanden autorisiert, den früheren Leiter der internationalen Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, zu beschatten und habe auch nichts von dieser Beschattung gewusst. (Archiv)

CS-Konzernchef Tidjane Thiam hat sich erstmals öffentlich zur Beschattungsaffäre geäussert: Er habe niemanden autorisiert, den früheren Leiter der internationalen Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, zu beschatten und habe auch nichts von dieser Beschattung gewusst. (Archiv)

Die Khan-Affäre hat den Konzernchef arg mitgenommen, ein gutes Quartalsergebnis verschafft ihm jedoch etwas Luft.

Der im September aufgeflogene Beschattungsversuch des Spitzenmanagers Iqbal Khan hat der Reputation der Credit Suisse vor allem in der Schweiz mächtig geschadet. Aus Mitarbeiterkreisen ist zu vernehmen, dass sich die Angestellten in den 120 Filialen im Land über Wochen hinweg den bissigen Kommentaren und besorgten Fragen vieler aufgebrachter Kunden ausgesetzt sahen. Die CS liess ihren Ex-Topmanager Khan wegen seines Wechsels zur Konkurrentin UBS während zweier Wochen von einer Detektivfirma überwachen.

Anlässlich der Publikation der Quartalszahlen zog Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam am Mittwoch ein erstes Fazit aus der Affäre: Es sei vielleicht schwer zu glauben, aber die «Medienkampagne» habe keinen Einfluss auf die Kunden gezeigt, sagte der Ivorer unter Verweis auf die täglichen Rückmeldungen von der Verkaufsfront.

Auf die Frage, was er mit dem Begriff «Medienkampagne» meine, sagte Thiam, die «Fütterung» der Journalisten mit Einzelheiten der Khan-Affäre sei in einer «organisierten Weise gezielt und mit strategischem Kalkül» durchgeführt worden.

Die naheliegende Nachfrage, welchen Zweck diese mutmassliche Kampagne denn gehabt haben könnte, wurde in der Medienkonferenz aber leider nicht angesprochen. Klar ist, dass Thiam durch die Affäre persönlich stark in die Kritik geraten war. Dennoch habe er einen Rücktritt nie in Betracht gezogen. Er wiederholte seine schon früher geäusserte Beteuerung, Khans Beschattung weder selber in Auftrag gegeben zu haben noch über diese informiert gewesen zu sein.

Khans Beschattung sei in der besten Absicht geschehen, die Interessen des Unternehmens zu schützen, betonte Thiam. Weil das Vorgehen der Verantwortlichen aber «unangemessen» gewesen sei, hätten Chief Operating Officer Pierre Olivier Bouée und dessen Sicherheitschef Remo Boccali den Hut genommen. Die Aufarbeitung der Affäre ist noch nicht beendet. Bei der Zürcher Bezirksanwaltschaft liegt eine Strafanzeige Khans gegen seine Beschatter.

Gewinnanstieg täuscht über einzelne Schwächen hinweg

Angesichts der Khan-Affäre gingen die Fragen zum Geschäftsverlauf fast gänzlich unter. Hier konnte Thiam Positives vermelden. Die Bank steigerte im dritten Quartal den Ertrag um 9 Prozent, der Gewinn verdoppelte sich gar – auf 881 Millionen Franken. Dies war allerdings nur dank eines Sondergewinns in Höhe von 327 Millionen Franken aus dem Verkauf der Fondsplattform Investlab möglich.

Ohne diesen Zustupf wären die Ergebnisse im dritten Quartal sowohl im Schweizer Geschäft als auch in Asien rückläufig gewesen. Einen starken Einbruch erlebte auch das Geschäft mit Fusionen, Übernahmen und Kapitalmarktfinanzierungen. In dieser Division schrieb die Credit Suisse im Berichtsquartal sogar rote Zahlen. Ein hervorragendes Quartal glückte indessen der vielgescholtenen Handelsdivision, die diesmal einen wesentlichen Beitrag zum Dreimonatsergebnis beisteuern konnte.

Doch weil die Ergebnisse im Handel notorisch unberechenbar sind, werden sie von den Anlegern wenig beachtet. Das erklärt mitunter, weshalb die Credit-Suisse-Aktien trotz der guten Zahlen fast 3 Prozent an Wert einbüssten.

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