Alcordanza
Asche zu Diamant: Wie eine Schweizer Firma Menschen unsterblich macht

Die Schweizer Firma Algordanza stellt in Chur aus Menschenasche Diamanten für die Angehörigen her. Das Geschäftsmodell ist lukrativ und vor allem bei Japanern hoch im Kurs.

Vasilije Mustur
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Wie aus Asche Diamanten
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Diamant in Box
Firmengründer Rinaldo Willy
Diamant
Firmengründer Veit Briner

Wie aus Asche Diamanten

Unglaublich aber wahr: Eine Schweizer Firma verwandelt Menschenasche in Diamanten. Die Idee kam Firmeninhaber Rinaldo Willy während seinem Wirtschaftsstudium an der HTW in Chur. «Eines Tages fiel mir ein Artikel über einen russischen Wissenschaftler in die Hände.» Diesem war es gelungen, Diamanten aus verbrannten Pflanzenstoffen herzustellen. Der inzwischen 30-jährige Engadiner aus Zuoz faszinierte dieser Vorgang so sehr, dass er sich fragte, ob der Prozess auch mit Tierasche funktionieren würde.

Wie aus der Asche ein Diamant wird

Die Angehörigen bringen die Urne des Verstorbenen zu Algordanza nach Chur. Dort wird der Kohlenstoffgehalt der Überreste analysiert. Darauf hin löst der Chemiker alle nicht kohlenstoffhaltigen Bestandteile der Asche mit verschiedenen Säuren und Basen auf. Danach wird der Kohlenstoff mit einer Maschine zu Graphit zusammengepresst und anschliessend in der selben Maschine in einer Wachstumszelle zum Diamanten herangezüchtet.

Zusammen mit seinem Dozenten Veit Briner und einigen Wissenschaftlern mietete er sich in ein ETH-Labor ein und versuchten den wissenschaftlichen Durchbruch weiterzuentwickeln - mit Erfolg. Im Frühling 2004 gelangen es ihnen, Asche in Diamanten zu verwandeln.

204 legten die Schweizer los

Darauf hin gründete Willy mit seinem ehemaligen Dozenten 2004 die Firma Algordanza - allerdings mit einem Unterschied zum Ursprungsprojekt: Das KMU bearbeitet jetzt Asche von Menschen. Zu Beginn erhielten die beiden einen bis fünf Aufträge im Monate. Heute verarbeitet die Firma pro Monat 80 Urnen in einem komplizierten chemischen Vorgang zu Diamanten (siehe Box). Inzwischen ist die Firma unangefochtener Marktführer und beschäftigt weltweit 85 Mitarbeiter - davon 12 in Chur.

Kostenpunkt eines Diamanten: Zwischen 4000 und 20000 Franken. Einmal gefertigt hält der Diamant ewig. «Ein Diamant ist unvergänglich, solange er nicht mit brachialer Gewalt zerschmettert wird oder verbrannt wird», sagt Willy.

Der Diamant kommt meist per Post

Derweil stellt Willy eine grosse Bandbreite seiner Klientel fest. «Sie kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Vom Lastwagenfahrer bis zum Philosophieprofessor ist alles dabei.» Gründe, dass sich die Kunden für eine Diamantenbestattung entscheiden würden, gebe es viele. «Meist ist der Begräbnisort für den Entscheidungsfindungsprozess ausschlaggebend. Die meisten Angehörigen leben von den Verstorbenen weit weg. Dies würde die Grabpflege erschweren».
Der Schweizer Markt fristet heute ein Mauerblümchen-Dasein. Nur sieben Prozent der gesamten Asche stammt aus der Schweiz - die übrige Kundschaft kommt vor allem aus Japan und Deutschland. Einen Vorteil hat der kleine Schweizer Markt allerdings. Willy könne die gefertigten Diamanten den Angehörigen persönlich überbringen. Im Ausland kommt sie per Post, Kurier oder wird auf Wunsch auch persönlich überbracht.

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