So weist das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) darauf hin, dass die geringere Zahl der Arbeitslosen ausschliesslich der saisonal höheren Beschäftigung im Bau- und Gastgewerbe sowie einem grösseren Angebot an Temporärstellen zu verdanken sei.

So waren bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im Juni 3093 Personen weniger Stellensuchende gemeldet als im Mai, nämlich 133'256. Die Arbeitslosenquote sank von 3,2 auf 3,1 Prozent.

Der positive saisonale Effekt überstrahle derzeit die Auswirkungen der schwierigen konjunkturellen Lage, fasste Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, die Situation an einer Telefonkonferenz am Dienstag zusammen.

Mit anderen Worten: Ohne Frankenschock wäre die Arbeitslosigkeit im Juni wohl noch stärker zurückgegangen. Immerhin deuteten die jüngsten Zahlen darauf hin, dass sich die negative Dynamik etwas abgeschwächt habe, sagte Zürcher. So verharrte die saisonbereinigte Quote der gemeldeten Arbeitslosen unverändert bei 3,3 Prozent.

Verschlechterung im Jahresvergleich

Dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt, vor allem in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe, aber nach wie vor angespannt ist, zeigt sich insbesondere in der starken Zunahme der Arbeitslosigkeit von 5,2 Prozent im Jahresvergleich.

Auch die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit und den Stellensuchenden lassen erahnen, dass die Aufwertung des Frankens nicht spurlos am Schweizer Arbeitsmarkt vorbeizieht. So waren zwar im Juni weniger Personen auf der Suche nach einer Stelle als noch im Mai. Und auch die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen war rückläufig.

Allerdings wird auch diese Statistik vom saisonalen Effekt geschönt. Verglichen mit Juni 2014 waren nämlich 10'487 Personen mehr auf Stellensuche (+5,8 Prozent). Und auch die Jugendarbeitslosigkeit hat binnen Jahresfrist mit einem Plus von 6,0 Prozent stark zugenommen.

Über 150'000 Arbeitslose Ende Jahr

Laut Zürcher markiert der Juni traditionell den Tiefpunkt bei der Arbeitslosigkeit. Ab Juli rechnet er denn auch wieder mit einer Zunahme, da in der zweiten Jahreshälfte der saisonale Effekt negativ wirkt. Es sei gut möglich, dass die Quote bis im Dezember auf bis zu 3,6 Prozent steigen werde, was deutlich über 150'000 Arbeitslosen entspräche.

Über das ganze Jahr gesehen, rechnet das Seco unverändert mit einer Quote von durchschnittlich 3,3 Prozent. Auch an der leicht nach oben revidierten Prognose von 3,5 Prozent im kommenden Jahr hält die Behörde fest.

Seitwärtsbewegung bei der Kurzarbeit

Als insgesamt stabil kann die Lage bei der Kurzarbeit bezeichnet werden. Gemäss Seco setzten im April 510 Betriebe auf Kurzarbeit, gegenüber 519 im März. Gleichzeitig nahm die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmern leicht zu, von 5066 auf 5116 Personen (+1,0 Prozent).

Die Seitwärtsbewegung zeigt sich laut Zürcher auch bei den Voranmeldungen in den Folgemonaten. So beantragten im Mai 391 Unternehmen Kurzarbeit. Im Juni waren es 345 Unternehmen. Auch der Zufluss der von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmern verlangsamte sich im Juni gegenüber dem Mai.