Coronakrise

Arbeitslosenzahlen explodieren: In den USA verloren 10 Millionen ihren Job – und das in nur zwei Wochen

US-Präsident Donald Trump versucht mit gigantischen Rettungspaketen die US-Wirtschaft zu stützen.

US-Präsident Donald Trump versucht mit gigantischen Rettungspaketen die US-Wirtschaft zu stützen.

Die Corona-Krise trifft die grösste Volkswirtschaft mit besonderer Wucht. Die explodierende Arbeitslosenzahl erhöht den Druck auf die Regierung von Präsident Donald Trump von rechts und von links.

Der ökonomische Stillstand in der grössten Volkswirtschaft der Welt fordert immer mehr Opfer. In der vergangenen Woche haben landesweit 6,65 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe beantragt, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag bekanntgab. Dabei handelt es sich um einen saisonbereinigten Wert; in absoluten Zahlen meldeten sich 5,8 Millionen Menschen bei der Arbeitslosenkasse.

Unter dem Strich haben damit in der zweiten Hälfte des Monats März gegen 10 Millionen Amerikaner ihre Stelle verloren. Zum Vergleich: Im Februar waren landesweit 5,8 Millionen Amerikaner als arbeitslos gemeldet oder umgerechnet 3,5 Prozent der US-Bewohner im arbeitsfähigen Alter. In den vergangenen zwei Wochen hat sich die Arbeitslosenrate also quasi verdreifacht.

Eine Grafik in der "New York Times" zeigt die Dramatik der Arbeitslosesn-Zunahme: 6,6 Millionen neue Registrierungen innerhalb einer Woche.

Eine Grafik in der "New York Times" zeigt die Dramatik der Arbeitslosesn-Zunahme: 6,6 Millionen neue Registrierungen innerhalb einer Woche.

Noch nie in der Geschichte Amerikas explodierte die Zahl der Stellenlosen in derart kurzer Zeit; selbst pessimistische Analysten sind über das Tempo, in dem sich die Krise ausbreitet, überrascht. Es sei «nicht mehr unvorstellbar», dass die Arbeitslosenquote auf 20 Prozent ansteigen werde, sagte beispielsweise Thomas Costerg, der für Pictet Wealth Management arbeitet, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Dienstleistungssektor besonders betroffen

Die offiziellen Zahlen schweigen sich vorerst darüber aus, welche Branchen besonders betroffen sind. Darüber werden erst die aktuellen Arbeitslosenzahlen im April Auskunft geben, die Anfang des kommenden Monats publiziert werden.

Wer aber in den vergangenen Tagen eine Zeitung zur Hand genommen hat oder sich ein Wirtschaftsprogramm anschaute, der weiss: Der Dienstleistungssektor leidet besonders unter dem Stillstand des Landes. So arbeiten in normalen Zeiten mehr als 15,5 Millionen Amerikaner im Detailhandel; 12,3 Millionen sind in Restaurants tätig und 2,1 Millionen arbeiten in einem Hotel. All diese Jobs sind nun gefährdet, obwohl sich die Arbeitgeber verzweifelt auf die neuen Corona-Spielregeln einstellen.

Das Ausmass der ökonomischen Krise, die im laufenden Quartal zu einem BIP-Einbruch von mehr als 30 Prozent führen könnte, heizt die politische Debatte in der amerikanischen Hauptstadt an. Ein Lager, das sich weitgehend aus Verbündeten des republikanischen Präsidenten Donald Trump zusammensetzt, ist der Meinung, dass die Notstandsmassnahmen möglichst schnell beendet werden müssten – weil ein Stillstand der Wirtschaft bis in den Frühsommer weit schlimmere Folgen als das Virus haben werde.

Das Weisse Haus geht in der Zwischenzeit davon aus, dass 100'000 bis 240'000 Menschen an den Folgen der Pandemie sterben werden. Dazu passt, dass gegen 80 Prozent der regelmässigen Zuschauer des Nachrichtensenders «Fox News Channel» der Meinung sind, die Medien übertrieben es mit der Berichterstattung über die Corona-Pandemie, wie das renommierte Forschungsinstitut Pew Research Center am Mittwoch bekanntgab.

Neues Konjunkturpaket gefordert

Das andere Lager, in dem führende Demokraten den Ton angeben, ist hingegen der Meinung, dass die Regierung Trump immer noch nicht drastisch genug vorgehe. Notwendig seien nun nationale Zwangsmassnahmen, damit die Ausbreitung des Virus endlich unter Kontrolle gebracht werden könne. Und mehr Geld von der Bundesregierung, um die betroffenen Unternehmen und Arbeitnehmer für den entstandenen Schaden zu entschädigen.

Bereits spricht Nancy Pelosi, die Präsidentin («Speaker») des Repräsentantenhauses, deshalb über ein weiteres Konjunkturpaket – obwohl das letzte, 2200 Milliarden Dollar teure Paket, verabschiedet in der vergangenen Woche, noch gar nicht implementiert worden ist. So erhalten Kleinunternehmen erst ab Freitag Zugriff auf dringend benötigte Überbrückungskredite.

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