Als der «iGod» starb, fürchteten viele das Schlimmste: Wie soll Apple ohne Steve Jobs auskommen? Dem Mann, der das Unternehmen gegründet hatte, es dann verlassen musste, nur um später zurückzukehren und Apple vom Pleitekandidaten zu einem der erfolgreichsten Konzerne der Welt zu machen.

Am Freitag jährt sich zum ersten Mal der Todestag von einem «der grössten amerikanischen Erfinder», wie US-Präsident Barack Obama Jobs nannte. Und Apple? Der Konzern ist unter Jobs’ Nachfolger Tim Cook grösser, reicher, wertvoller und mächtiger geworden als je zuvor.

Anleger bewerten den Konzern an der Börse so hoch wie noch nie ein Unternehmen. Offensichtlich hat der Konzern den Tod seines Gründers und Chef-Visionärs verkraftet. Der Grund dafür dürfte in der eingespielten Führungsmannschaft liegen: Neben Cook lenken mit Chefdesigner Jonathan Ive, Marketingchef Phil Schiller, Finanzchef Peter Oppenheimer oder dem Chefentwickler des iOS-Betriebssystems, Scott Forstall, alte Weggefährten den Konzern.

Ein geschlossenes Ökosystem

Den Grundstein für ihren Erfolg hat aber Jobs gelegt: Mit dem iPod revolutionierte er ab 2001 den Musikmarkt. Entscheidend dafür war neben dem Gerät aber vor allem die konsequente Verzahnung zwischen Hardware und den zugehörigen Inhalten. Wer mit dem schicken Gerät unterwegs sein wollte, musste die iTunes-Software nutzen und seine Lieder über Apple kaufen. Jobs schuf so ein eigenes geschlossenes Apple-Ökosystem.

Mit dem iPhone und später dem Tablet-Rechner iPad blieb Apple dieser erfolgreichen Strategie treu. Zur Musik gesellten sich Bücher und Zeitungen sowie vor allem Zusatzprogramme für die Geräte, die sogenannten Apps. So verdient Apple nicht nur an jedem Gerät, sondern auch bei jedem Herunterladen.

1000 Dollar Gewinn pro Sekunde

Die Kunden lassen sich offensichtlich gerne ins geschlossene Apple-Ökosystem einbinden: So dominiert Apple den Markt für Tablet-PC und ist einer der grössten Handyhersteller der Welt – trotz der wenigen und durchweg teuren Modelle. Der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino verdiente im zweiten Quartal 8,8 Milliarden Dollar. Das entspricht mehr als 1000 Dollar Reingewinn pro Sekunde.

Einstige Grössen wie Nokia oder Blackberry dagegen sind deklassiert. Nur Samsung mit seinen Smartphones und Google mit dem Handybetriebssystem Android sind echte Rivalen. Doch diese überzieht Apple mit einem weltweiten Patentkrieg. Angeschoben hatte die Auseinandersetzung Steve Jobs: Er werde lieber einen «Atomkrieg» mit Google führen, als Apples Technologien mit anderen zu teilen, sagte er seinem Biografen.