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Apple drohen wegen Krawall in iPhone-Fabrik Lieferengpässe

Das neue iPhone 5 ist sehr gefragt. Ein Krawall in der Fabrik in China könnte nun zu ernsthaften Lieferengpässen führen.

Das neue iPhone 5 ist sehr gefragt. Ein Krawall in der Fabrik in China könnte nun zu ernsthaften Lieferengpässen führen.

Krawalle beim wichtigen chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn haben den Verkaufserfolg von Apples neuem iPhone 5 überschattet. Nach einer Massenschlägerei in einem Schlafsaal für Foxconn-Arbeiter ruht die Produktion in einem Werk.

Branchenexperten befürchten nun, dass Apple mit der Herstellung des begehrten Smartphones nicht mehr nachkommen könnte. Das iPhone 5 ging in den ersten drei Tagen über fünf Million Mal über den Ladentisch, wie der Apple-Konzern am Montag mitgeteilt hatte.

Allerdings hätte Apple gemäss Analysten noch weit mehr Modelle verkaufen können, wenn es keine Lieferengpässe gegeben hätte. Dies könnten sich noch verschärfen, denn eine Foxconn-Fabrik in Nordchina musste wegen einer laufenden Untersuchung geschlossen bleiben, wie Foxconn-Sprecher Louis Woo der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Foxconn wollte weder bestätigen, um welchen Standort es sich genau handelte, noch was genau dort produziert wird. Einem Mitarbeiter zufolge ist das Werk Taiyuan betroffen, das unter anderem das neue iPhone 5 von Apple fertigt. Die Schliessung soll voraussichtlich zwei bis drei Tage dauern.

Massenschlägerei im Schlafsaal

Foxconn teilte mit, ein "privater Streit" zwischen einigen Angestellten sei am Sonntag in einem Schlafsaal eskaliert. Es habe mehrere Stunden gebraucht, bis die Polizei die Lage unter Kontrolle gebracht habe.

Beteiligt waren rund 2000 Menschen, etwa 40 seien verletzt worden und mussten im Spital behandelt werden. Nach Medienberichten sind drei von ihnen in einem ernsten Zustand.

"Der Grund für den Streit wird derzeit ermittelt, und wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen", teilte Foxconn mit. Es sehe aber nicht so aus, als ob der Vorfall etwas mit der Arbeit zu tun gehabt habe. Ein Vertreter des Werkes lehnte eine Stellungnahme ab. Von der Polizei in Taiyuan war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Arbeiter misshandelt?

Beiträge in Internet-Foren hinterliessen einen anderen Eindruck. Ein Blogger schrieb unter dem Namen "Jo-Liang" beim Twitter-ähnlichen chinesischen Dienst Sian Weibo, vier oder fünf Sicherheitskräfte hätten einen Arbeiter fast zu Tode geprügelt.

In einem anderen Beitrag hiess es, Aufseher hätten bis zu zwei Arbeiter aus der Provinz Henan geschlagen. Dies wiederum habe andere Arbeiter dazu veranlasst, Decken anzuzünden und diese aus den Fenstern zu werfen. Die Beiträge konnten nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.

"Kein Dialog"

Foxconn war in der Vergangenheit mehrfach wegen der Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten. Für negative Schlagzeilen sorgten in der Vergangenheit die Selbstmorde mehrerer Angestellter.

Nach heftigen Protesten sagten Apple und Foxconn später zu, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Fair Labor Association (FLA) attestierte Foxconn zuletzt Fortschritte, mahnte aber weitere Anstrengungen an.

In der nun betroffenen Fabrik sind 79'000 Menschen beschäftigt, insgesamt arbeiten rund eine Million Menschen in China für Foxconn. Die Tochter von Hon Hai Precision Industry ist auch Auftragsfertiger für Dell und Nokia.

Eine Menschenrechtsgruppe aus Hongkong, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt, sah den Grund für die Massenschlägerei in den Bedingungen vor Ort.

"Es gibt ganz klar eine grosse Frustration und Ärger unter den Mitarbeitern und ausser Gewalt keine Möglichkeit, damit fertig zu werden", erklärte die Gruppe China Labour Bulletin. "Es gibt keinen Dialog und keine Konfliktlösungsstrategien, seien die Probleme auch noch so klein."

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