Pay-As-You-Drive

App will Prämien für Autoversicherung nach Fahrverhalten berechnen – Experten sind alarmiert

Die Berechnung der Prämien für Autoversicherungen ist umstritten.

Die Berechnung der Prämien für Autoversicherungen ist umstritten.

Ein Schweizer Start-up Unternehmen bietet eine Autoversicherung an, bei der die Prämie nach dem Fahrverhalten berechnet wird.

Wer zahlt wie viel für eine Autoversicherung? Die Beantwortung dieser Frage hat in der Vergangenheit immer wieder für Kontroversen gesorgt. Für die Prämien-Festsetzung zählen nämlich Kriterien wie Geschlecht, Alter, Wohnort, Fahrzeugtyp, Fahrpraxis und Nationalität.

«Die Versicherer gewichten diese Kriterien entsprechend ihrem jeweiligen Geschäftsmodell unterschiedlich, was zu unterschiedlichen Prämien führen kann», erklärt Sabine Alder, Sprecherin des Schweizerischen Versicherungsverbands. Dabei dürften die Versicherer allerdings nur Faktoren einbeziehen, die sich statistisch belegen lassen.

Diese Praxis führt heute unter anderem dazu, dass Personen mit ausländischer Abstammung, zum Beispiel Albaner, wesentlich mehr für ihre Autoversicherung bezahlen. Das sei ungerecht, finden die Firmengründer des Startups Kasko2go. Sie entwickelten ein Modell, nach dem sich das Risiko für jeden Versicherungsnehmer individuell berechnen lässt. «Unser System baut auf zwei Prinzipien auf», erklärt Dimitri Wulich von der Kasko2go AG.

«Pay-As-You-Drive» besagt, dass die Prämie von der Anzahl gefahrener Kilometer abhängt. «Unsere Kunden erhalten rückwirkend für jeden Monat eine Abrechnung, welche die zurückgelegten Kilometer berücksichtigt», so Wulich. Der zweite Grundsatz trägt der individuellen Fahrweise Rechnung – «Pay-How-You-Drive». Eine auf dem Smartphone installierte App sammelt dazu via GPS Telemetrie-Daten. «Wir erfassen, wie jemand beschleunigt, bremst, sich bei gefährlicher Witterung verhält oder auch, ob jemand häufiger gefährliche Strecken fährt.»

Diese Grundsätze erachtet der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte als heikel: «Mit der Einführung von Pay-As-You-Drive-Modellen könnte es zu tief greifen- den Veränderungen im Versicherungsmarkt für Motorfahrzeuge kommen. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich künftig ein Kunde überhaupt einer solchen Lösung entziehen kann», heisst es in einer Stellungnahme.

Datenschützer wird hellhörig

Ferner besteht für den Datenschützer die Gefahr, dass die gesammelten Daten für weitere Versicherungen (oder andere Zwecke) verwendet werden könnten. «Es könnte insbesondere Eingang finden in die Risikoberechnung bei Lebens-, Invaliditäts- und Unfallversicherungen und im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Versicherungsgeber es ablehnt, die betroffene Person aufzunehmen; diese hätte keine Möglichkeit mehr, sich gegen entsprechende Risiken zu versichern.» Daher müssten Versicherte sicherstellen, dass die Datenschutzgrundsätze der transparenten Information und der freien Einwilligung der Versicherungsnehmer berücksichtigt sind.

Für Kasko2go ist hingegen klar: Das Modell wird zur Sicherheit auf Schweizer Strassen beitragen. So könnten doch beherrschte Lenker tiefere Prämien herausfahren, während sportliche Fahrer den regulären Preis bezahlen müssten. Laut Wulich sei es auch nicht zwingend, die App in Betrieb zu haben. «Es kann ja sein, dass man das Smartphone nicht im Fahrzeug hat oder die Batterie leer ist. In dem Fall ist man genau gleich versichert und es erwachsen dem Kunden auch keine Nachteile», sagt Wulich. Das System soll es laut Wulich ermöglichen, dass gewisse Personen ihre Versicherungsprämien um bis zu 50 Prozent wer- den senken können.

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