Kritik
Anonyme Vorwürfe gegen Ex-Betrieb von Bundesrat Schneider-Ammann

Ein selbst ernannter, anonymer Insider kritisiert die Ammann Gruppe. Er behauptet, die Führung des Maschinenbaukonzerns habe Schweizer Arbeitskräfte entlassen und stattdessen günstige Arbeitskräfte im Ausland rekrutiert. Das Unternehmen wehrt sich.

Lorenz Honegger
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Familienbande: Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit Ehefrau Katharina, Tochter Daniela und Sohn Hans-Christian.KEYSTONE

Familienbande: Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit Ehefrau Katharina, Tochter Daniela und Sohn Hans-Christian.KEYSTONE

Formell hat FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann nach seiner Wahl in die Regierung alle Verbindungen zur Ammann Gruppe gekappt. Doch der Maschinenbaukonzern bleibt in Familienhänden. Anfang Jahr übernahm Sohn Hans-Christian im Alter von gerade mal 33 Jahren das Ruder.

Ammann Group

Ob Asphalt- und Betonmischanlagen, Verdichtungsmaschinen oder Strassenfertiger - die Ammann Group Holding AG mit Sitz in Langenthal BE ist im Maschinenbau eine feste Grösse. Ab 1984 stand das Familienunternehmen unter der Führung des heutigen Volkswirtschaftsministers Johann Schneider-Ammann (FDP). Seit Anfang 2013 führt sein Sohn Hans-Christian die Geschicke des Konzerns,
der global 2900 Mitarbeiter beschäftigt und 2012 einen Umsatz von
910 Millionen Franken erzielte. (LHN)

Personal als reiner Kostenfaktor

Offenbar hat sich Schneider junior in dieser kurzen Zeit nicht nur Freunde gemacht. Die Schliessung der Sparte Beton am Hauptsitz im bernischen Langenthal verbunden mit der Entlassung von neun Mitarbeitern bewog in diesen Tagen einen selbst ernannten «Insider» dazu, sich in einem anonymen Brief an die «Nordwestschweiz» zu wenden.

Einiges deutet darauf hin, dass es sich um einen Mitarbeiter aus der Teppichetage handelt: Nur Verwaltungsräte, Angehörige der Gruppenleitung, Fach- und Führungskräfte erhielten ein persönliches Exemplar mit der Ankündigung der Entlassungen.

Der anonyme Verfasser kritisiert, das Personal sei für den jungen Schneider ein reiner Kostenfaktor. Obwohl die Konzernführung der Belegschaft am 20. September in einem Anschlag auf dem Schwarzen Brett versprochen habe, die Zahl der Kündigungen tief halten zu wollen, sei den «verdutzten Mitarbeitern» praktisch gleichzeitig das Entlassungsschreiben vorgelegt worden.

Besonders stossend sei, dass das Unternehmen immer noch «munter» Stellen ausschreibe. Rekrutiert werde dem Vernehmen auch auf deutschen Plattformen, wo man unter dem Deckmantel des Fachkräftemangels nach günstigen Mitarbeitern suche.

Der Vorwurf, der Ex-Betrieb des Volkswirtschaftsministers bevorzuge ausländische gegenüber inländischen Arbeitskräften, birgt politischen Sprengstoff. Trifft er zu, wäre die Glaubwürdigkeit von Bundesrat Schneider-Ammann in seinem Kampf gegen die SVP-Masseneinwanderungsinitiative zumindest beeinträchtigt.

Einschneidende Massnahmen

Die Ammann Gruppe weist diesen und alle anderen Vorwürfe jedoch vehement zurück. Es seien keine Annoncen auf deutschen Stellenportalen geschaltet worden. Auch die Kritik, die Unternehmensführung sehe die Mitarbeiter nur noch als Kostenfaktor, entbehre jeder Grundlage.

Der Konzern bestätigt indes die neun Entlassungen. Der Bereich Beton der Ammann Schweiz AG sei seit Jahren defizitär, schreibt Sprecher Pirmin Jäggi in einem E-Mail: «Wir waren an einem Punkt angelangt, an welchem wir einschneidende Massnahmen treffen mussten.» Derzeit laufen Abklärungen, ob einige der Betroffenen im Unternehmen bleiben können.

Keine Freude an den Entlassungen hat die lokale Sektion der Gewerkschaft Unia. «Wir haben erst Anfang Woche über Umwege von den Kündigungen erfahren. In Zukunft erwarten wir eine offenere Informationspolitik», sagt Gewerkschaftssekretär Nadaw Penner.

Die Ammann Gruppe betont, neun Entlassungen auf 650 Mitarbeiter in der Schweiz würden keine Meldepflicht nach sich ziehen: «Weder die Firma noch die Personalkommission erachteten es als notwendig, die Gewerkschaften hinzuzuziehen.»