Die Sommerferien dürften sich für die meisten dem Ende zu neigen. Falls Sie selber wieder bei der Arbeit sind, aber das unbestimmte Gefühl haben, ihr Geld mache noch immer Urlaub, dann finden Sie hier vielleicht einige Hinweise, wie Sie es besser anlegen könnten. Damit Sie wieder merken, dass es arbeitet.

Viel hat sich in den letzten Wochen nicht verändert – eher akzentuiert: Die Zinsen sind immer noch tiefer tief, Anleihen rentieren wenig bis nichts, das Volumen an Obligationen, für die Anleger dem Schuldner sogar «Zinsen» zahlen, ist noch gewachsen. Im Zuge des Brexits hat es sich um fast 13 Prozent auf weltweit erschreckende 11 700 Mrd. Dollar erhöht.

Ach ja, der Brexit. Falls Sie länger weg waren und sich erfolgreich vom Nachrichtenfluss abgeschottet haben: Die Briten haben am 23. Juni den Willen bekundet, aus der EU auszutreten. Das hat die Zinsen auf Talfahrt geschickt, angefangen bei der britischen Notenbank. Sie hat zur Abfederung der Brexit-Folgen die Leitzinsen bereits gesenkt, eine weitere Senkung wird erwartet. Damit dürfte auch die Eurozone, die noch immer um die Belebung ihrer Wirtschaft kämpft, die Sätze eher lange tief lassen, um den Euro zu schwächen und so die Exporte anzukurbeln. Damit sind auch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Hände gebunden.

Tiefe Zinsen helfen den Börsen

Das billige Geld befeuert dagegen die Börsen nach wie vor und lässt Sie auch auf unvorhergesehene Ereignisse gelassen bis apathisch reagieren. Die Handelsplätze sind zwar verglichen mit dem Stand am Jahresanfang noch immer rund 5 Prozent im Minus. Aber seit Februar geht es bergauf, wie die Gewinne der Akteinindizes zeigen: der Eurostoxx50 16 Prozent, der Deutsche Aktienindex DAX 23 Prozent, der Schweizer Leitindex SMI immerhin rund 10 Prozent. Die Verlockung, durch einen Verkauf der Positionen Gewinne mitzunehmen, ist also gross, zumal der Risikococktail – Brexitfolgen, Regierungsbildung in Spanien, Bankenkrise und Referendum in Italien – stark gebraut ist.

Bantleon Bank hält dennoch nichts von Verkäufen. Die meisten europäischen Konjunkturindikatoren – zum Beispiel die Ifo-Geschäftserwartungen und der Einkaufsmanagerindex für die Industrie – hätten im Februar im Gleichschritt mit den Aktienmärkten ihre Tiefststände markiert und befänden sich seitdem in einem Aufwärtstrend. Daran habe auch der durch die Brexit-Abstimmung beeinflusste Juli nichts geändert. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) werde zudem noch auf absehbare Zeit extrem expansiv bleiben. Neben einer Verstärkung des Wertschriftenkaufprogramms, mit dem die EZB jeden Monat 80 Milliarden Euro in die Märkte pumpt, sei auch eine weitere Senkung der Strafzinsen für Geld, das Banken bei ihr parken, unter die aktuellen –0,4 Prozent denkbar. Die europäischen Aktienmärkte würden davon profizieren, da das billige Geld Anleger kauf- und risikofreudiger macht. Dank der Dividenden seien die laufenden Erträge europäischer Aktien zudem klar höher als etwa die Zinserträge europäische Staatsanleihen (die wie eingangs gesagt zunehmend sogar negativ rentieren).

Fazit: Der Verlockung, Gewinne mitzunehmen, sollten Anleger also derzeit widerstehen. Allerdings nicht für immer. Denn zum Jahresende erwartet Bantleon einen Konjunkturabschwung. Dann müsse mit Kursrückgängen von 20 bis 25 Prozent gerechnet werden.

Gold glänzt wieder – aber wie lange?

Seit Jahresbeginn hat eine steigende Nachfrage der Anleger den Goldpreis steil ansteigen lassen. Gegenwärtig notierte er rund 1337,5 US-Dollar pro Unze. Im ersten Halbjahr erreichte die Investitionsnachfrage nach dem Edelmetall nämlich ein Rekordniveau: 1063 Tonnen im Wert von 43,6 Milliarden Dollar. Der Goldpreis zog seit Anfang Jahr mehr als
26 Prozent an. Das ist das grösste Plus in sieben Monaten seit 1980.

Für das Edelmetall sprechen vor allem die tiefen Zinsen – und der Ausblick, dass sie tief bleiben. Das macht Gold (das eigentlich keinen Ertrag abwirft) auch gegenüber Sparkonti und Anleihen (die eigentlich einen Zins abwerfen sollten) attraktiver. Im Ökonomenjargon: Die Opportunitätskosten der Goldhaltung sind so tief wie selten zuvor. Zudem hat der Brexit die Anleger teilweise etwas risikoscheuer gemacht, viele von ihnen steuerten wieder sichere Häfen an. Dazu gehört neben dem Dollar und dem Franken traditionell auch Gold.

Entscheidend für die Entwicklung des Goldpreises wird die US-Geldpolitik sein. Erste Anhaltspunkte dürfte das jährliche Notenbanker-Treffen in Jackson Hole kommende Woche im US-Bundesstaat Wyoming liefern, wo sie sich traditionell zu den konjunkturellen Entwicklungen austauschen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen. Sollte die US-Notenbank die Zinsen nämlich langsamer als erwartet erhöhen, würde das den Dollar schwächen. Er verlöre dann gegenüber Gold an Attraktivität. Die Gold-Saga ist also noch nicht zu Ende. Credit Suisse geht davon aus, dass der Unzenpreis bei Ende Jahr auf 1475 Dollar klettert. Etwas weniger optimistisch sind die Experten von Commerzbank und Unicredit. Sie erwarten einen stagnierenden Preis zwischen 1340 und 1350 Dollar je Unze.