Mit Weber habe die UBS genau den richtigen Kandidaten gefunden, urteilte Kepler-Analyst Dirk Becker am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Weber sei eine exzellente Wahl.

Als Präsident der Deutschen Bundesbank habe er Deutschland sehr umsichtig durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gebracht. Zudem habe Weber an der Gestaltung des Regulierungswerks "Basel III" mitgewirkt. Er kenne sich sehr gut aus in der Finanzbranche. Ausserdem habe Weber sehr viele internationale Kontakte, auch zu Politikern. Davon könne die UBS profitieren.

Investmentbanking unter Lupe

Die Grossbank habe mit Weber jemanden mit hoher Glaubwürdigkeit gewonnen, der zur Verbesserung der Reputation der UBS beitragen könne, sagte Julius-Bär-Analyst Roger Degen. Interessant werde Webers Haltung zum Investment Banking sein.

"Ich denke, dass Weber kritischer zum Investment Banking stehen wird als der jetzige UBS-Präsident Kaspar Villiger", sagte Degen. Weber könnte möglicherweise eine ähnliche Rolle einnehmen wie James Schiro beim Versicherer Zurich Financial Services (ZFS), der vieles wieder ins Lot gebracht habe nach den Übertreibungen unter Schiros Vorgänger Rolf Hüppi.

Dass Weber kaum Kontakte zur Schweizer Politik habe, sei kein Nachteil, sagte Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Denn die "Too big to fail"-Diskussion dürfte bis Ende Jahr durchs Parlament sein. Zudem sei auch die Affäre mit amerikanischen Steuersündern kein Thema mehr für die UBS. Jetzt könne die Bank sich wieder auf ihr internationales Geschäft konzentrieren.

Parteien reagieren zurückhaltend

Die FDP und die SVP wollten den Entscheid der Grossbank, Axel Weber für den Posten des Verwaltungsratspräsidenten vorzuschlagen, nicht kommentieren. Die SP äusserte Kritik und schrieb in ihrer Stellungnahme, Weber habe sich bislang als "geldpolitischer Hardliner" profiliert. Dem ehemaligen Chef der deutschen Bundesbank mangle es an politischem Fingerspitzengefühl.

Die CVP hingegen sieht in Weber einen Garanten für währungspolitische Stabilität. Er habe das Regelwerk "Basel III", welches höhere Eigenkapitalvorschriften für Grossbanken vorsieht, massgeblich mitgeprägt. Weber halte bei der "Too big to fail"-Problematik weitergehende Auflagen für sinnvoll und entspreche damit der CVP-Position, schreibt die Partei.