Michael Hunziker

Eine Marathon-GV wie die der UBS, Spektakel und Debakel zugleich, drohte die der NAB nicht zu werden. «Wenn der Vertreter der Credit Suisse die Hand hochhält, dann ist die Sache jeweils durch», sagt ein Kleinaktionär und meint damit, dass bei 98 Prozent Aktienanteil der Credit Suisse die Einstimmigkeit an der Generalversammlung der NAB Programm ist. «Es geht heute mehr darum, das persönliche Netzwerk zu pflegen,» sagt ein Jungunternehmer.
Im Publikum sitzen zwei Nationalräte, lokale Wirtschaftsvertreter diskutieren und die Aktionäre vertreten sich die Beine in den Gängen, bevor die Zeremonie beginnt. Die ganze Halle wurde weiss ausgekleidet, weiches Licht fällt von der Decke, alles ist feierlich. Man könnte vergessen, dass man sich in einer Eishalle befindet.

Gutes Resultat in diesen Zeiten

Dann eröffnet Verwaltungsratspräsident Josef Meier den offiziellen Teil. «Eine Schwalbe macht keinen Frühling», sagt er. Er sehe die Zeichen des Aufschwungs, doch die Skepsis bliebe. Die Hände mancher Aktionäre liegen gefaltet auf dem Schoss, den Kopf halten sie andächtig geneigt und folgen seiner Rede, die mit der Zuversicht für die Zukunft endet und mit dem Dank fürs entgegengebrachte Vertrauen.

CEO Peter Bühlmann präsentiert die Zahlen des vergangenen Jahres. Die Bilanzsumme hat um 3.4 Prozent zugenommen, der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr 6.8 Prozent abgenommen, 20 Franken Dividende pro Aktie werden ausbezahlt. Die NAB verzeichnete ein Wachstum im Hypothekargeschäft und einen Zuwachs an Kundengelder. Bühlmanns Fazit: «Wir haben ein gutes Resultat in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit erzielt.» Auch er dankt fürs Vertrauen.

Zwei Neue, ein Rücktritt

Bei den einzelnen Abstimmungen sieht man auf den Grossbildschirmen ein Meer von blauen Zetteln über den Köpfen des Publikums. Josef Meier sucht danach jeweils mit zusammengekniffenen Augen den Saal nach einzelnen Gegenstimmen ab, findet eine, zwei, fragt den CEO, ob er noch eine gesehen hätte und verbucht: «Mit grossem Mehr angenommen.» Mit Martin Werfeli und Winfried Köbel wurden zwei neue Verwaltungsräte gewählt. Während der ersten sechs Punkte keine Voten. Unter Punkt sieben, Verschiedenes, bedankt sich der Verwaltungsratspräsident bei Willi Gläser, der, 70-jährig, aus dem Verwaltungsrat zurücktritt.

Kuhhandel mit Anlagen?

Und dann, ebenfalls unter Verschiedenes, meldet sich jemand für ein Votum. Es ist der Moment des Herrn Pauli. Von weit hinten im Saal schreitet der ehemalige Mitarbeiter durch die Reihen nach vorn zum Rednerpult und atmet tief vor dem Mikrofon. Er zieht einen Vergleich zwischen dem Kuhhandel von Ueli dem Pächter und der Anlageberatung der NAB. Herr Pauli und andere seien zum Kauf von Lehman-Brothers-Papieren überredet worden, und nun, fordere er Rückzahlungen an die Geschädigten. Dazu würden 6 Prozent der Bonisumme, die die Credit Suisse auszahlte, reichen. «Ich erwarte einen Anruf von Ihnen am Montagmorgen,» schliesst er. Das Publikum applaudiert herzlich.

CEO Bühlmann erklärt sein Verständnis für das Leid der Betroffenen. Niemand hätte den September 2008 geahnt, die Gefahren seien nicht absehbar gewesen und die NAB hätte jeden Fall einzeln beurteilt und Entschädigungen getätigt.
Dann ertönt eine Fanfare aus den Trompeten der Aarauer Turmbläser, und aus der Küche schwärmt das Servicepersonal mit der Vorspeise. Die Traktanden sind vom Tisch, es wird mit regionalem Wein angestossen und weiter genetzwerkelt.