Prämien und Hypotheken

Am richtigen Ort können Sie so richtig sparen

Bei den Hypothekarzinsen kann einiges gespart werden.

Bei den Hypothekarzinsen kann einiges gespart werden.

Im Krankenkassen-Vergleich ist mit dem Herbst die Jagd eröffnet. Doch das grosse Hallali wäre woanders. Bei den Hypothekarzinsen läge das grösste Sparpotenzial.

Die Grenzen zwischen den Jahreszeiten verwischen sich immer mehr, sagt man. Doch die Schweiz kennt ein Ritual, das keinen Zweifel daran lässt, welche Saison begonnen hat. Wenn die Krankenversicherer ihren Kunden mitteilen, wie hoch die Prämien nächstes Jahr sein werden, geht ein Aufschrei durch das Land. Und wir wissen: Es ist Herbst, die Jagd beginnt.

Spätestens jetzt wird die Schweizer Bevölkerung zum dezentralen Rechenzentrum für Prämiensparen. Dass die Jagd in vollem Gang ist, registrieren auch die Suchmaschinen: Während der Hypothekenvergleich auf relativ tiefem Niveau über das Jahr nach gleichem Muster vor sich herdümpelt, nehmen die Internet-Vergleiche der Prämien im Oktober und November sprunghaft zu. 

Per 1. Januar 2015 wechselten 8,1 Prozent der Versicherten bzw. 650 000 Personen in der Schweiz ihre Grundversicherung, um zu sparen. 
Eine Studie von MoneyPark zeigt, dass der Angebotsvergleich bei Hypotheken weit weniger populär ist. Noch immer würden 80 bis 90 Prozent der Kunden ihre Hypothek bei der bestehenden Bank verlängern, ohne Anbietervergleich. Dabei läge hier das grösste Sparpotenzial.

Die grössten Brocken im Budget

Nach Steuern stellten Hypothekarzinsen bzw. Mieten 2013 mit 10,7 Prozent den grössten Kostenfaktor eines durchschnittlichen Haushalts dar. Die Prämien für die Grundversicherungen machten dagegen 5,6 Prozent aus.

Gemäss Bundesamt für Statistik haben sich die prozentualen Ausgaben für Miete bzw. Hypothekarzinsen zwischen 2006 und 2013 um fast 1 Prozentpunkt reduziert. Jene für Krankenkassenprämie der Grundversicherung sind derweil um fast 1 Prozentpunkt gestiegen.

Dies, obschon die Preise für Immobilien und Mieten im Schnitt zwischen 1997 und 2014 gestiegen sind:
Mieten und Preise für Einfamilienhäuser legten jährlich rund 1,7 bzw. 2,2 Prozent zu. Eigentumswohnungen wurden sogar 3 Prozent teurer pro Jahr. Zwar zeigt sich bei den Eigentumswohnungen seit 2012 und bei den Einfamilienhäusern ab 2013 eine Verlangsamung des Preiswachstums. Ob diese Entwicklung anhält, müsse sich erst noch zeigen, schreibt MoneyPark.

Krankenkassenprämien verteuerten sich in der gleichen Zeit viel mehr, auch im Vergleich zu Eigentumswohnungen, nämlich um jährlich mehr als 5 Prozent.

Zinsen sinken, Prämien steigen

Dass die Schweizer trotz höherer Immobilienpreise im Schnitt prozentual weniger für Miete und Hypothekarzahlungen reservieren müssen, liegt vor allem daran, dass die Zinsen und damit auch der Referenzzinssatz gesunken sind.
Aussgehend von über 4,5 Prozent halbierten sich die durchschnittlichen Zinsen für Hypotheken seit 1997. MoneyPark erwartet, dass sie weiter sinken oder zumindest stagnieren. 

Obwohl das Wohnen bereits billiger wurde, kommt die Studie von MoneyPark zum Schluss, dass es sich weiter lohnt, beim Sparen das Augenmerk auf den Vergleich der Hypothekaranbieter zu richten. Auch wenn dabei 2014 weniger gespart werden konnte als noch 2013, spricht der Vergleich mit den Prämien eine klare Sprache: Die Ersparnis bei Hypotheken ist je nach Laufzeit bis zu 10-mal höher als bei der Grundversicherung.

Erhält ein Hypothekarkunde anstelle des durchschnittlichen Schaufensterangebots die günstigste Hypothek, spart er nämlich zwischen knapp 1300 und fast 3500 Franken pro Jahr. Der Wechsel der Grundversicherung bringt dagegen 320 bis 700 Franken. Am meisten Sparpotenzial haben die langlaufenden Hypotheken.

Bankentreue Schweizer

Anders als bei der Grundversicherung kann die Hypothek nicht jährlich verglichen und gewechselt werden. Will der Kreditnehmer aus einem bestehenden Vertrag aussteigen, muss er eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung entrichten, die je nach Hypothekarprodukt und Laufzeit schnell einige tausend Franken betragen kann. Nur bei Abschluss einer Neu- oder Refinanzierung kann der Hypothekarkunde unterschiedliche Offerten einholen.

MoneyPark stellt zudem fest, dass Schweizer nach wie vor bankentreu sind. Zwar würden mittlerweile rund 63 Prozent der Hypothekarnehmer mehrere Offerten einholen, die Wechselbereitschaft sei indes immer noch weit geringer als im umkämpften Krankenkassenmarkt. Ein Grund dabei dürfte die fehlende Transparenz im Hypothekarmarkt sein. Jedes Institut hat eigene Richtlinien zur Kreditvergabe und unterschiedliche vertragliche Bedingungen, was einen Vergleich erschwere.

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