Als das Bundesamt für Gesundheit 2016 den Verkauf von CBD-Hanf erlaubte, witterten viele eine Chance für das grosse Geschäft. In der ganzen Schweiz entstanden Produktionsbetriebe und Shops, in denen CBD-Produkte verkauft werden. Waren 2017 nur fünf Firmen bei der eidgenössischen Zollverwaltung registriert, die CBD-Produkte produzierten, sind es heute 669.

CBD-Hanf unterscheidet sich von anderen Hanfsorten dadurch, dass er weniger als ein Prozent THC enthält. Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) sind Stoffe, die in der Cannabis-Pflanze enthalten sind. THC ist ein psychoaktiver Wirkstoff und löst einen Rausch aus. CBD dagegen wirkt nicht berauschend, dem Stoff werden sogar medizinische Eigenschaften zugeschrieben. Unter anderem soll CBD-Hanf gegen Schmerzen und Entzündungen helfen. Weil er nicht psychoaktiv wirkt, untersteht die Hanfsorte nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

Auf den Boom folgte die Ernüchterung. Der Markt ist von CBD-Hanf förmlich überschwemmt. Die Folge: Die Preise sind in den Keller gesackt. Früher konnte ein Kilo für rund 6000 Franken verkauft werden, heute pendelt der Preis laut der IG Hanf zwischen 1500 und 1800 Franken.

Michael Mosimann ist Vorstandsmitglied der IG Hanf, die rund 50 Unternehmen vertritt, die CBD-Hanf und Produkte daraus produzieren oder verkaufen. Im Moment sei der Rohstoffpreis für Hanf zu tief, stellt Mosimann klar. Er selber führt einen Laden in Bern, in dem er unter anderem CBD-Hanf verkauft. Ausserdem verkauft er in einem weiteren Geschäft in Ittingen BE alles, was es braucht, um selber Hanf anzubauen. Zum Beispiel Abluft- und Bewässerungssysteme.

Mittlere Betriebe kämpfen

Noch zu Beginn dieses Jahres seien neue Produzenten eingestiegen, obwohl da der Rohstoffpreis für CBD-Hanf bereits gesunken war. Im Sommer habe sich der Markt etwas beruhigt, sagt Mosimann. Demnach sind keine neuen Produzenten mehr dazugekommen, und der Rohstoffpreis ist stabil geblieben.

Dennoch rechnet er mit einer Bereinigung des Marktes. Das bedeutet, dass diejenigen Produzenten, für die sich das Geschäft nicht lohnt, wieder aus dem Markt aussteigen. Jeder fünfte Produktionsbetrieb werde verschwinden, so die Prognose von Mosimann. Der Anbau von CBD-Hanf verschlingt relativ viel Geld. So braucht es etwa spezielle Lampen und Ventilatoren, die entsprechend viel Strom verbrauchen. Mosimann stellt fest: «Vor allem die mittelgrossen Unternehmen haben Schwierigkeiten, im Markt zu bestehen.»

Kleinere Betriebe hätten meistens einen sicheren Abnehmer für ihren geernteten Hanf, zum Beispiel einen Laden oder eine Firma, die aus den Blüten weitere Produkte wie etwa Öl herstellt. Deshalb würden sie unter dem Preiszerfall weniger leiden. Und grossen Produzenten sei es in vielen Fällen gelungen, sich schnell zu professionalisieren und zu einer Marke zu werden. Die mittelgrossen Produktionsbetriebe dagegen fallen laut Mosimann dazwischen.

Konkurrenz aus dem Ausland

Mit der Konkurrenz sei bei den Abnehmern der Wunsch nach Qualitätsware gewachsen, so Mosimann. «Am Anfang konnte man noch jeden Seich verkaufen», erinnert er sich. Mittlerweile müssen die Produzenten höhere Ansprüche erfüllen, um ihre Ware verkaufen zu können. Nicht nur der Geschmack muss stimmen. Die Blüten müssen auch sauber geputzt und schön gerüstet sein. Viele Produzenten hätten es nicht geschafft, konstante Qualität zu liefern. Wer nicht professionell arbeite, der habe es in der Schweiz mittlerweile schwer.

Eine zusätzliche Herausforderung für die Produzenten ist es, dass Konkurrenten aus dem Ausland in den Schweizer Markt drängen. Der hiesige Markt ist für sie attraktiv, weil Hanfpflanzen mit einem THC-Wert bis zu einem Prozent legal angebaut werden dürfen. Im übrigen Europa ist das Gesetz strenger: Dort darf der THC-Wert nicht mehr als 0,2 Prozent betragen. Damit ist die Schweiz ein beliebter Standort, um CBD-Hanf anzubauen und ihn in das übrige Europa zu exportieren. Auch Schweizer Unternehmen machen sich das zunutze und exportieren bereits ins Ausland.