Im Kamin knistert das Holz, die Fenster beschlagen langsam. In der Küche wird frische Muskatnuss in den Käsetopf gerieben. Derweil klirren im Wohnzimmer die Gläser, fast schwappt der Wein über. Was klingt wie das Set-up für eine FondueWerbung aus den 1970er-Jahren, ist wieder im Trend. Käsefondue erlebt derzeit im Ausland ein Revival. «Warum der Siebzigerjahre-Käse wieder zurück auf dem Menü ist», titelte etwa die britische Tageszeitung «The Telegraph» unlängst. Geschmolzener Käse in Kombination mit gemütlichem Zusammensein wird als Gegentrend zur Vereinsamung hinter dem Handybildschirm angepriesen. Und wird damit nicht zuletzt auch zum Trend in den sozialen Medien.

Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren war Käsefondue in Grossbritannien und auch in Amerika beliebt oder besser: en vogue. Damals wurde Fondue noch als exotisches Schweizer Produkt angepriesen, verwoben mit klischierten Vorstellungen von Alpen, Winter und Geselligkeit. Danach geriet das Käse-Fondue etwas in Vergessenheit.

Ein Restaurant schreitet voran

Mit dabei in den 1970er-Jahren, als von London bis Glasgow Käse in blechernen Fondue-chinoise-Pfannen geschmolzen wurde, war Armin Loetscher. Der gebürtige Luzerner tingelte damals durch das britische Fernsehen und war im ganzen Land auf grosser Fondue-Tour, wie er am Telefon erzählt. Seit 1974 gehört ihm zudem das St. Moritz Restaurant mit integriertem Club in London. Dort hat er aus dem Restaurant eine Oase der Schweizer Behaglichkeit gemacht. Mit Fendant, Raclette und natürlich: Fondue.

Sein Fondue sei beliebt wie noch nie, sagt der 80-Jährige. «Allein im letzten Monat haben wir 7600 Pfund Schweizer Käse für Fondue eingekauft», sagt er. Viel mehr als normal. Fondue sei zwar in seinem Restaurant immer gut verkauft worden, aber so etwas wie in den letzten Monaten habe er in seiner ganzen Zeit in London nicht erlebt. Warum die Briten das Restaurant wegen des geschmolzenen Käses regelrecht stürmen, kann sich Loetscher nicht erklären.

Einer, der einen Erklärungsversuch wagt, ist der kanadische Autor des Buchs «Fondue, Cupcake und Smoothie: Wie unser Geschmack erfunden wird» und Foodtrend-Analyst David Sax. Er sei zwar überrascht, dass Fondue, vor allem Käsefondue, zurück im Geschäft sei. Aber er kann sich gut vorstellen wieso: «Fondue ist sozial. Käsefondue war schon immer Spass, und niemals etwas, was du alleine machst», sagt Sax. Und in Zeiten, in denen man viel alleine isst und alleine am Handy sitzt, habe der gesellschaftliche Aspekt einen besonderen Reiz. Zudem sei eine Fondue-Party ein gern gesehenes Sujet auf sozialen Medien. Besonders in Verbindung mit dem Hygge-Trend, der den Lebensstil rund um den dänischen Begriff für Gemütlichkeit propagiert. Fondue für Hipster also. Das werde noch gesteigert, weil der Trend zu anderen passe: kleinere Käseproduzenten seien in den letzten Jahren vermehrt gegründet worden. Da sei es nur logisch, wenn man aus diesem Käse auch Fondue macht.

Für Martin Spahr, Marketingchef bei Switzerland Cheese Marketing, ist Fondue eng verbunden mit Geselligkeit. Der Käsevermarkter hat in der Schweiz Marktforschung betrieben, und da habe sich gezeigt, dass insbesondere in der Westschweiz der Aspekt der Geselligkeit als wichtig erachtet wird. Und auch in der Deutschschweiz nehme dies zu. «In der Schweiz ist Geselligkeit eng gekoppelt mit Käse, sei es nun bei einem Apéro oder eben beim Fondue- oder Raclette-Essen», sagt Spahr. Das könnte auch ein Grund sein für den Trend in Grossbritannien.

Benelux und das Fertigfondue

Bei Emmi, dem grossen Schweizer Käsehersteller, spürt man derweil nichts von einem Boom, wie eine Sprecherin sagt. Zumindest nicht im englischsprachigen Raum. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass zwar Schweizer Käse für die Fondues gebraucht wird, es sich aber nicht in den Exportzahlen niederschlägt. Vor allem, weil eben nicht Fertigfondues in den britischen Caquelons landen.

Dafür ist im letzten Jahr der Export von Fertigfondue in die Benelux-Staaten explodiert. Laut Zahlen von TSM Treuhand, die in Zusammenarbeit mit Schweizer Produzenten erhoben werden, sind von Januar bis September 606 Tonnen Fertigfondue in die drei Länder exportiert worden. Ein Jahr zuvor waren es noch 489 Tonnen. Damit sind Belgien, Holland und Luxemburg zusammen zu den wichtigsten Abnehmern von Schweizer Fertigfondue geworden.