Kritik

«Alte Klischees»: Deutsche Expats verärgert wegen Swiss-Werbespots

«Stossend» finden Deutsche den Swiss-Werbeclip.

«Stossend» finden Deutsche den Swiss-Werbeclip.

Den besten Platz am Pool oder Strand mit einem Tüechli zu besetzen – diese angebliche Eigenheit deutscher Touristen nimmt die Swiss in ihrem neuesten PR-Clip aufs Korn. Sehr zum Ärger der Deutschen in der Schweiz.

In einem neuen Werbespot nimmt die Swiss die Deutschen auf die Schippe: Ein Reporter geht auf Mallorca dem Klischee nach, dass Deutsche am Strand ihren Liegestuhl früh reservieren. Die Touristen werden dann «swissed», indem ihnen zwei Schweizergardisten zur Verfügung gestellt werden, die ihren Platz bewachen.

«Von anderen erfunden, von der Schweiz verfeinert»: Das Liegestuhl-Reservieren.

«Von anderen erfunden, von der Schweiz verfeinert»: der neue Werbespot der Swiss.

Der Clip soll laut einer Sprecherin «auf humorvolle und charmante Weise die Charakteristika der verschiedenen Kulturen hervorheben».

«Nicht hilfreich und nicht zeitgemäss»

Doch deutsche Expat-Organisationen finden das gar nicht lustig: «Er ist stossend», sagt Fritz Burkhalter vom Swiss German Club, dem rund 200 Mitglieder angehören. «Der Spot widerspricht Integrationsgedanken und bedient alte Klischeebilder.»

Er zweifle, ob dem Schweizer Tourismus mit dieser Veräppelungskampagne gedient sei. Michael Gniffke vom Verband Deutsches Haus sagt, der Clip vermittle ein Stereotyp: «Das ist nicht hilfreich und meiner Meinung nach auch nicht zeitgemäss.»

Edelweiss ebenfalls in der Kritik

Die Schwester-Airline Edelweiss ist ebenfalls in der Kritik. Kürzlich hat der Ferienflieger auf dem Toggenburger Chäserrugg-Berg ein Holzbänkli mit Schriftzug und PR-Wegweiser eingeweiht. Zwei weitere stehen bereits auf dem Corvatsch und der Blüemlisalp – Regionen, die als Namenpaten der Flugzeuge dienen.

Roland Schuler vom Naturschutzverband Pro Natura spricht von einer zunehmenden Möblierung der Alpen. Das Bänkli sei ein weiteres Beispiel dafür.

«PR-Wettlauf» befürchtet

Und Philippe Wäger vom Schweizer Alpen-Club sagt: «Unerschlossene Gebiete in den Bergen sollten frei von offensichtlicher Werbung bleiben.»

Die Bank liege in einem nationalen Landschaftsschutzgebiet. «Wir befürchten, dies könnte Nachahmer inspirieren und einen PR-Wettlauf auslösen.»

Bei Edelweiss heisst es, die Bänkli würden ausschliesslich an Wanderwegen liegen. Bis zu neun weitere Standorte seien geplant.

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