Korruption

Alstom: Bestechung in Brasilien, Millionen in der Schweiz

Ex-Spitzenpolitiker Robson Marinho soll von Alstom Millionen an Bestechungsgeldern erhalten haben. Foto: Epoca

Ex-Spitzenpolitiker Robson Marinho soll von Alstom Millionen an Bestechungsgeldern erhalten haben. Foto: Epoca

Alstom soll in Brasilien diverse Politiker mit Millionen-Summen bestochen haben. Das zeigten Akten aus der Schweiz. Die Affäre in Südamerika steht im Zusammenhang mit Korruptions-Untersuchungen gegen Alstom in der Schweiz und Frankreich.

Seit Jahren steht der Energie- und Transport-Konzern Alstom im Mittelpunkt von Korruptions-Ermittlungen in diversen Ländern. Lange Zeit soll der französische Konzern auch in Brasilien Politiker und andere Entscheidungsträger mit illegalen Kommissionen und anderen Geldern bestochen haben. Im Gegenzug habe Alstom diverse öffentliche Aufträge von São Paulo erhalten.

Nun berichten verschiedene brasilianische Zeitungen über umfangreiche Akten der Bundesanwälte Maria Schnebli und Stefan Lenz. Sie zeigten, wie die Bestochenen die Gelder entgegengenommen und in der Schweiz gewaschen haben sollen.

Verdacht: 200 Millionen Dollar Bestechungsgelder

In der Vergangenheit wurden darum diverse Konten in Zürich und Genf blockiert.

Die Schweizer Akten kommen in einem entsprechenden brasilianischen Gerichtsverfahren zur Anwendung. In diesem Zusammenhang wird wegen eines Alstom zugesprochenen Auftrags der Untergrundbahn São Paulos auch in der Schweiz und Frankreich ermittelt.

In den Schweizer Akten ist die Rede davon, dass Alstom seit den 90er-Jahren bis 2003 in Brasilien, Argentinien, Venezuela, Indonesien und Singapur über 200 Millionen Dollar Bestechungsgelder bezahlt habe.

Holenweger und der «brasilianische Amtsträger»

Die Bundesanwaltschaft eröffnete bereits 2003 ein Korruptionsverfahren. Im Zentrum der Ermittlungen standen seither der Bankier Oskar Holenweger, gegen den Anfang Mai Anklage erhoben wurde. Er soll Alstom in den Neunzigerjahren über Offshore-Gesellschaften fiktive Rechnungen gestellt haben.

Diese Bestechungsgelder soll Holenweger im Auftrag des Industriekonzerns an Dritte weitergeleitet haben - auch ein «brasilianischer Amtsträger» war dabei.

2008: Razzia in Baden

In der Schweiz kam es zu mehreren Hausdurchsuchungen, am 21. August 2008 besuchten dutzende Ermittlungsbeamte den Alstom-Sitz in Baden.

In Brasilien im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen der Spitzenbeamte und Ex-Politiker Robson Marinho sowie zehn weitere Personen. Marinho hatte über einen Strohmann zwischen 1995 und 1997 mindestens 605'000 Franken erhalten und in der Schweiz gebunkert. Lange Zeit bestritt er, über Konten in der Schweiz zu verfügen - Ermittlungen der Schweizer zeigen nun das Gegenteil.

Weiter steht in den Schweizer Akten, dass alleine Marinho in der Schweiz mehrere Millionen parkierte, deren Herkunft er nicht erklären konnte. Die Bundesanwälte sind sich sicher: Sie wurden von Alstom im Gegenzug für Aufträge geleistet.

Gelder-Route: Frankreich, Schweiz, Uruguay, Schweiz

Die Alstom-Bestechungsgelder wanderten zum Teil aus Frankreich auf Konten der Schweiz und Luxemburg. Dann wurden sie nach Uruguay verladen um letztlich wieder in die Schweiz auf Konten der Banken Union Bancaire Privée (UPB) in Zürich an der noblen Bahnhofstrasse aufzutauchen. Ebenfalls wurde ein Teil zur Crédit Lyonnais nach Genf transferiert.

Marinho bestreitet alle Vorwürfe, äusserte sich zum Gerichtsverfahren aber nicht. Alstom meinte gegenüber der brasilianischen Presse, man kommentiere laufende Untersuchungen nicht.

Die Berichterstattung in Brasilien wollte Bundesanwaltschafts-Mediensprecherin Jeannette Balmer ebenfalls nicht kommentieren.

Sie bestätigte aber, dass die Untersuchungen gegen Alstom in der Schweiz noch nicht abgeschlossen seien.

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