Energieeffizienz

Alpiq will uns jetzt mit Kleincomputer beim Stromsparen helfen

Die Alpiq will uns mit einem Computer zeigen, wie wir effektiv Stromsparen können.

Strom kommt aus der Steckdose, oder woher schon wieder?

Die Alpiq will uns mit einem Computer zeigen, wie wir effektiv Stromsparen können.

Ein eingebauter Kleincomputer «lernt» anhand der Stromspannung das Verbrauchsmuster des Haushaltes und soll den Stromverbrauch steuern. Erste Tests waren überaus positiv. Ab Herbst sollen die ersten Lösungen angeboten werden.

Morgens, gleich nach dem Aufstehen, erst einmal eine warme Dusche. Ein Arbeitstag ohne einen Espresso aus der Designermaschine ist ein verlorener Tag und getoastet schmeckt das Brot auch viel besser.

Was für viele Menschen normaler Komfort ist, bedeutet Schwerarbeit für die Stromnetze: Zwischen sechs und acht Uhr morgens gibt es eine erste Verbrauchsspitze.

Mittags, wenn die Schweiz luncht, kommt eine zweite Spitze, und abends folgt eine dritte, wenn die Pizza im Ofen gart und im Fernsehen ein Kommissar den Mörder sucht.

Dabei gibt es ein Problem. Die Schwankungen beim Verbrauch stimmen nicht mit den Schwankungen bei der Produktion überein: Denn weil der Wind nicht ständig bläst und die Sonne nur tagsüber scheint, schwankt die Stromproduktion in ganz Europa stark.

Gefragt sind deshalb technische Lösungen, die solche Schwankungen glätten und die den Strom verbrauchen, wenn er – beispielsweise nachts – überreichlich vorhanden ist, und den Verbrauch zurückfahren, wenn alle den Strom brauchen.

Computer erkennt die Muster

Alpiq InTec, eine Tochtergesellschaft des Stromkonzerns mit Sitz in Olten, stellte am Dienstag eine «Gridsense»-Lösung vor, mit der die Energie zukünftig optimal genutzt werden soll.

«Es ist keine konventionelle Smart-Grid-Lösung», sagte Peter Limacher, Geschäftsführer der Alpiq InTec-Gruppe am Rande der Powertage, einer Strombranchenkonferenz in Zürich.

«Unsere Lösung lässt sich autonom einsetzen, sie braucht keine Datenverbindungen zu einer Zentrale, die Implementierungskosten sind tief und die Lösung ist dezentral, direkt beim Verbraucher.»

Ein kleines Steuerungskästchen bildet das «Gehirn» der Lösung: Ein eingebauter Kleincomputer «lernt» anhand der Stromspannung das Verbrauchsmuster des Haushaltes und steuert den Stromverbrauch von Boilern und Warmwasserspeichern so, dass der Strom zu den Zeiten bezogen wird, wo er reichlich vorhanden ist. Zudem berücksichtigt die Lösung auch den Strom, den das Haus selber produziert, beispielsweise über Sonnenkollektoren.

«Die Anpassung erfolgt jeweils sehr individuell», sagt Roman Rudel, Institutsleiter der Fachhochschule Südschweiz, die die Technologie für die Gridsense-Lösung entwickelt hatte.

Bereits nach fünf Tagen «Lernen» könne der Algorithmus den Spannungslauf für die kommenden Tage «erkennen».

Getestet und simuliert wurde das auf der institutseigenen Pilotanlage mit 20 Einfamilienhäusern. «Dabei ergab sich eine starke Glättung des Stromverbrauches», so Rudel, «es lassen sich damit gleichzeitig die Kosten und die Netzwerkstabilität optimieren.»

Weniger Netzausbauten

Ab Herbst sollen die ersten Lösungen angeboten werden, so Limacher weiter. Zunächst sollen Ladestationen für Elektroautos mit Gridsense ausgebaut werden. Dann sollen weitere Geräte, die sich wie Boiler für die Verbrauchsumlagerung eignen, folgen. Nicht nur bei Haushalten, auch für Geschäftsliegenschaften liegt viel Potenzial brach. Alpiq experimentiert auch mit Apps für die Steuerung der Gridsense-Lösungen und mit Möglichkeiten, diese vernetzen zu können, damit Daten ausgetauscht werden können.

Alpiq will laut Limacher auch weitere Energieversorger für die Lösung begeistern. Konkrete kommerzielle Ziele – etwa die Zahl der abgesetzten Gridsense-Lösungen oder die in Franken bezifferbaren Kosteneffekte für Alpiq selber – mochte Limacher nicht nennen. «Der grösste Effekt für Netzbetreiber ist weniger der tiefere Verbrauch – viel wichtiger sind die Netzausbauten, die gar nicht vorgenommen werden müssen.» Denn es ist einfacher, dem Netz «Intelligenz» beizubringen, als Verbrauchsgewohnheiten von Menschen zu ändern.

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