Strom

Alpiq sieht sich gut aufgestellt – das Minus ist derweil grösser geworden

Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin setzt auf steigende Strompreise.

Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin setzt auf steigende Strompreise.

Seit Jahren hat die Alpiq zu kämpfen: Dies wird sich kurzfristig nicht ändern. Zu Buche geschlagen hat sich das schlecht laufende Geschäft mit Strom in der Schweiz auch im ersten Halbjahr 2018.

Unter dem Strich resultierte ein Minus von 50 Millionen Franken. Im Vorjahr betrug das Minus 5 Millionen Franken. Der Umsatz blieb stabil.

Das Minus war angekündigt, der Zusammenbruch der Grosshandelspreise hat sich weiter negativ ausgewirkt. Die Talsohle wird wohl erst im nächsten Jahr erreicht. Aber: «Über Jahre hinweg waren wir in einer einschneidenden, gravierenden Transformation», sagt Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin. Diese sei nun abgeschlossen.

Zurück bleibt ein Konzern, der von rund 10'000 Mitarbeitern im Jahr 2012 auf noch knapp 1500 Mitarbeiter schrumpfte. Zuletzt wurde das Industriegeschäft an den französischen Bouygues-Konzern verkauft. Alpiq sei nicht in der Lage, die geforderten Investitionen zu tätigen, um die Sparte auch in Zukunft gewinnbringend weiterzuführen, hiess es damals. 850 Millionen Franken betrug der Verkaufspreis, davon sind am Ende rund 720 Millionen Franken bei Alpiq gelandet. Das Geld werde nun hauptsächlich dafür gebraucht, um die Bruttoschulden zu tilgen. Grössere Investitionen will der Energieriese hingegen nicht tätigen. Das macht Sinn: Das nächste Jahr dürfte noch mal ein erhebliches Minus einbringen. Hart am Wind segelte Alpiq in den letzten Jahren, sagt Staiblin. Und das habe dem Konzern gutgetan: «Wir sind heute schlank, fit und effizient.» 400 Millionen Franken an Kosten habe man abgebaut, zudem Schulden abgebaut.

Anspruch und Wirklichkeit

«One more thing»: Mit diesen Worten kündigte der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs jeweils neue Produkte an. Staiblin nutzte den Ausspruch an der gestrigen Präsentation der Halbjahreszahlen, um auf das jüngste Kind im Hause Alpiq hinzuweisen: Juicar, ein Abo-Angebot für Elektromobilität inklusive Tankstellenzugang und Auto. Auf der einen Seite will und muss Alpiq in neue Märkte investieren. Und das mit dem Anspruch, in Sachen Digitalisierung die Nummer 1 unter den Stromkonzernen der Schweiz zu sein. Auf der anderen Seite verhageln die tiefen Strompreise noch bis mindestens 2019 das Geschäft stark. Deshalb können nur kleinere Investitionen getätigt werden.

Abhängig wird Alpiq auch in Zukunft vom Strompreis sein. Staiblin geht davon aus, dass sich dieser in den 2020er-Jahren nachhaltig stabilisiert. Tritt dies nicht ein, wird ein neuerlicher Umbau der Alpiq unumgänglich. Anzeichen, dass sich der Preis erholt, sind da: So haben sich die Grosshandelspreise seit 2016 verdoppelt. Alleine im Jahr 2018 sind die Preise um einen Drittel gestiegen.

Dass sich diese Entwicklung nicht sofort auf den Geschäftsgang der Alpiq auswirkt, hat einen einfachen Grund. Die Preise werden im Voraus abgesichert gegen Preis- und Währungsschwankungen. Und wie nun der Preiszerfall, der bereits vor Jahren den Tiefpunkt erreichte, erst jetzt so richtig angekommen ist, gibt es auch in der Aufwärtsbewegung zeitverzögert einen Effekt.

Konsortialvertrag läuft aus

Ungewiss ist nicht nur, wie sich der Strompreis in Zukunft entwickelt wird, sondern auch die Aktionärsstruktur der 2009 gegründeten Alpiq. Denn die Électricité de France als zweitgrösster Aktionär hat die sogenannte Konsortialvereinbarung per 2020 aufgekündigt, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Électricité de France besitzt 25 Prozent der Alpiq-Aktien. Es ist also möglich, dass nach 2020 einzelne Aktionäre ihr Aktienpaket veräussern und sich das Aktionariat stark verändert.

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