Eine Woche vor der Generalversammlung des Schweizer Energiedienstleisters und -händlers Alpiq in Olten erreicht das Unternehmen eine schlechte Nachricht: Die zwei zum Verkauf stehenden Kohlekraftwerke in Kladno und in Zlin lassen sich nicht zu dem Preis verkaufen, den sich Alpiq erhofft hatte. Das Unternehmen selber wollte den bisher gescheiterten Verkauf nicht kommentieren.

Alpiq ist mit den beiden Kraftwerken der grösste Schweizer Investor in der Tschechischen Republik und laut eigenen Angaben der grösste unabhängige Strom- und Wärmeproduzent des Landes. In den beiden Anlagen erzeugte Alpiq im vergangenen Jahr mit 400 Angestellten 1650 Gigawattstunden Strom. Hinzu kommen weitere Netzdienstleistungen.

Alpiq verlangt zu viel

Als Preis hatte sich Alpiq zwischen 10 und 12,5 Milliarden Tschechische Kronen vorgestellt, umgerechnet 470 bis 590 Millionen Franken. Alpiq kann das Geld sehr gut gebrauchen, denn die hohen Abschreibungen belasten die Bilanz und den Aktienkurs und führen im Aktionariat zu viel Unmut. Ein Verkauf für eine halbe Milliarde Franken wäre der grösste Meilenstein im laufenden Devestitionsprogramm gewesen.

Laut der tschechischen Zeitung Hospodarske Noviny hatten sich zwar drei Käufer für die beiden Kraftwerke interessiert. Die Gebote lagen allerdings deutlich unter den Vorstellungen von Alpiq. Laut der Internetzeitung Prague Daily Monitor war auch die Investorengruppe Carpaterra Capital Partners unter den Interessenten. «Das Angebot von uns lag wohl tiefer als das, was sich Alpiq vorgestellt hatte», sagte Michal Susak, Managing Partner bei Carpaterra.

Und auch für Petr Paukner vom tschechischen Energiehändler Carbounion Bohemia lagen die Preisvorstellungen der Schweizer zu hoch. Er bestätige, dass das Angebot seiner Firma «deutlich unter 10 Milliarden Tschechischen Kronen» gelegen hatte. Der dritte Bieter EPH wollte sich nicht äussern.

Verbesserungsfrist lief gestern ab

Offenbar war Alpiq etwas zu spät gekommen. Denn Mitte März hatte die CEZ-Gruppe eines ihrer Kraftwerke für 4,2 Milliarden Kronen verkauft. Zum Zuge kam Litvínovská uhelná a. s., dieses Unternehmen hatte einfach das höchste Angebot abgegeben. Die Anlage aus den späten 1970er-Jahren hat eine Leistung von 800 Megawatt. Gemessen daran sind die Preisvorstellungen von Alpiq 20 Prozent zu hoch.

Alpiq wiederum hat laut den beiden offen sprechenden tschechischen Gewährsleuten die Interessenten zu einer Verbesserung ihrer Offerten aufgefordert. Die Frist für verbesserte Angebote lief gestern Abend ab, Neuigkeiten meldete Alpiq nicht.

Wenig attraktive Verkaufsware

Laut Experten wird es für Alpiq zunehmend schwieriger, für die zum Verkauf ausgeschriebenen Anlagen den erwarteten Preis innert nützlicher Frist zu erzielen. Grosse europäische Energieversorger haben ebenfalls Kraftwerke zum Verkauf ausgeschrieben.

Sichtbar sind die Probleme auch bei weiteren Details: Kraftwerke, für die man keine Käufer finden konnte, werden nicht mehr zum Verkauf angeboten. Umgekehrt zeigte der Verkauf von 15 Prozent am Pumpspeicherwerk Nant de Drance im September 2012, dass auch das Tafelsilber nicht mehr sakrosankt ist. Gegen solche Verkäufe dürften sich Aktionäre an der Generalversammlung besonders lautstark aussprechen.