Interview

Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin: «Wir bleiben eine Wasserkraft-Produzentin»

Jasmin Staiblin an der Pressekonferenz vom Montag in Olten.

Jasmin Staiblin an der Pressekonferenz vom Montag in Olten.

Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin sagt, warum fast die Hälfte des Wasserkraftportfolios zum Verkauf steht – und sagt, wer bereits Interesse bekundet hat.

Frau Staiblin, Alpiq lässt in- und ausländische Investoren Teile ihrer Wasserkraftwerke übernehmen. Geht das so einfach ohne politischen Widerstand?

Jasmin Staiblin: Wir öffnen das Portfolio zu 49 Prozent sowohl für in- als auch für ausländische Investoren, das ist richtig.

Sie erwarten keinen Widerspruch aus der Politik?

Die Öffnung ist ein unternehmerischer Entscheid. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen nachhaltig in die Zukunft zu führen. Deshalb öffnen wir das Portfolio für in- und ausländische Investoren, aber auch für Energieverteilunternehmen im Schweizer Heimmarkt. Wir bleiben eine Wasserkraft-Produzentin. Nur eine Minderheit geht in andere Hände. In wessen, kann ich im Moment noch nicht sagen.

Erste Interessenten dürften Sie aber schon haben.

Unsere Konsortialaktionäre haben bereits Interesse angekündigt, in Form von Direktbeteiligung oder in Form von Langzeitverträgen. Ansonsten starten wir jetzt den Öffnungsprozess.

Wird die Öffentlichkeit erfahren, welche ausländischen Investoren sich einkaufen?

Wenn wir die ganzen 49 Prozent oder einen Teil davon veräussern, ist das ad-hoc-relevant, also meldungspflichtig. Wir werden das der Öffentlichkeit melden.

Behalten Sie an jeder Anlage mindestens 49 Prozent oder ist der Verkauf ganzer Wasserkraftwerke möglich?

Wir öffnen das Portfolio bestehend aus insgesamt 18 Wasserkraftwerken. Das heisst, man kann sich an einem hochflexiblen Portfolio in Form von Eigentum oder von Langzeitverträgen beteiligen. Das ist der erste Pfeiler. Ausserdem prüfen wir die Veräusserung von nichtstrategischen Beteiligungen im Rahmen unserer Portfoliobereinigung.

Kann ein Investor ein Kraftwerk komplett übernehmen?

Die meisten Kraftwerke sind in Form von Partnerwerken organisiert, an denen wir einen Anteil haben. Es geht um ein Gesamtportfolio, an dem er partizipieren kann. Wenn ein Einzelangebot vorliegen würde, dann müsste man das prüfen. Das Ziel ist aber, dass wir 49 Prozent als Portfolio zur Verfügung stellen.

Sie veräussern nicht nur Kraftwerke, sondern müssen auch Kosten sparen. Streichen Sie Stellen in der Schweiz?

Wir haben in den letzten Jahren über eine Viertelmilliarde an Kosten eingespart. Mit dem Sparprogramm, das wir 2014 angekündigt haben, haben wir personell vor allem im Produktionsbereich reduziert. Im Energiedientsleistungsbereich haben wir mit 1,5 Milliarden Franken Umsatz bereits eine signifikante Position. In der Schweiz haben wir zusätzliche Stellen geschaffen, unter anderem durch Akquisitionen innovativer Firmen. Das sind Wachstumsbereiche für uns.

Werden Sie im laufenden Jahr Stellen, zum Beispiel im Energiehandel, von der Schweiz ins Ausland verlagern?

Normale Effizienzprogramme hätten wir sowieso. Aufgrund der jetzt beschlossenen strukturellen Massnahmen gibt es kein Personalreduktionsprogramm.

Teilverkauf von Alpiq

Teilverkauf von Alpiq

Nach 830 Mio. Franken Verlust muss der Energiekonzern grosse Teile seiner Wasserkraftwerke verkaufen. Jetzt hofft man auf Investoren.

Muss man den Energiehandel in der Schweiz betreiben? Im Ausland sind die Kosten tiefer.

Wir sind in Ost- und Südosteuropa die Nummer eins. Alle Aktivitäten, die wir in diesem Bereich haben, machen wir von Prag aus. Dort haben wir über 100 Mitarbeitende, die den gesamten osteuropäischen Bereich abdecken. Im Handel ist es wichtig, dass man in diesen Ländern auch vor Ort ist, die Sprache spricht. Wir sind an über 70 Grenzen im Handel tätig. Wir bauen in der Region für die jeweilige Region auf.

Wandern Stellen von der Schweiz nach Prag?

Wir prüfen selbstverständlich laufend unsere Kostensituation. Wenn es gewisse Teilbereiche gibt, die man aus Prag heraus günstiger machen kann, werden wir das selbstverständlich prüfen und auch implementieren. Das ist eine normale Effizienzsteigerungsmassnahme, da geht es nicht um ein Personalreduktionsprogramm.

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