Der Rücktritt sei Leonardis eigene Entscheidung gewesen, betonte Verwaltungsratspräsident Hans E. Schweickardt gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Schweickardt übernimmt die Konzernleitung interimistisch, bis ein Nachfolger gefunden ist. "Wir sind vom Rücktritt überrascht worden", sagte er.

Der Führungswechsel erfolgt vor dem Hintergrund schlechter Geschäftsergebnisse in der jüngeren Vergangenheit. Der grösste Schweizer Stromkonzern hatte im August einen Rückgang des Halbjahresgewinns um fast die Hälfte bekanntgeben müssen. Unter anderem musste Alpiq infolge des eingeleiteten Ausstiegs der Schweiz aus der Atomenergie Projektierungskosten für den Bau eines neuen Kernkraftwerks in der Höhe von 35 Mio. Fr. abschreiben.

"Es wirkt momentan sehr viel von aussen auf uns ein", erklärte Hans E. Schweickardt. Neben den Veränderungen in der Energiepolitik des Bundes mache Alpiq auch der starke Franken zu schaffen. Das mache eine Neuausrichtung des Konzerns nötig. "Offenbar war Herr Leonardi der Ansicht, dass es für diese Umbauphase neue Persönlichkeiten braucht", sagte Schweickardt. "Das ist für mich nachvollziehbar."

"Herr Leonardi und ich standen in sehr engem Kontakt. nicht nur in den letzten Tagen", sagte er weiter. Uneinigkeiten über die Ausrichtung des Konzerns habe es aber nicht gegeben.

Sparmassnahmen eingeleitet

Gleichzeitig mit dem Halbjahresergebnis hatte Alpiq Sparmassnahmen angekündigt und auch einen Stellenabbau ins Auge gefasst. Diesen bestätigte Giovanni Leonardi am vergangenen Montag in der Sendung "Eco" des Schweizer Fernsehens. Dass unmittelbar vor dem Abgang Leonardis noch ein Portrait über ihn ausgestrahlt wurde, ist laut Alpiq-Sprecher Martin Bahnmüller reiner Zufall.

"Der Verwaltungsrat ist daran, das eingeleitete Massnahmenpaket auszuarbeiten", erklärte Hans E. Schweckardt. "Das Paket wird in Kürze verabschiedet werden." Bis dahin wolle er keine Stellung nehmen zum Stellenabbau.