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Alibaba nimmt die USA ins Visier

Stress am «Single Day»: Alibaba lockte mit Rabatten Millionen von Chinesen auf seine Handelsplattformen und verkaufte Waren für über 17 Mrd. Dollar.Reuters

Stress am «Single Day»: Alibaba lockte mit Rabatten Millionen von Chinesen auf seine Handelsplattformen und verkaufte Waren für über 17 Mrd. Dollar.Reuters

Den heimischen Markt hat der chinesische Internet-Riese bereits erobert. Nun setzt er zum weltweiten Sprung an.

Eine Milliarde US-Dollar Umsatz in nicht einmal fünf Minuten – das dürfte weltweit nur ein Unternehmen schaffen: der chinesische Online-Händler Alibaba. Im vergangenen Jahr am 11. November war das. Wegen der vielen Einsen hatte der chinesische Konzern den Tag zum «Single Day» ausgerufen und lockte mit Rabatten Hundertmillionen kaufwütiger Chinesen auf seine Handelsplattformen. Innerhalb von 24 Stunden gingen Waren für über 17 Milliarden Dollar über die Online-Ladentheke. Und auch sonst ist der Umsatz beachtlich. Allein im dritten Geschäftsquartal 2017 kletterten die Erlöse auf über sieben Milliarden Dollar. Unter anderem mit diesem Geld gehen Alibaba und seine Tochterunternehmen nun selbst auf Einkaufstour.

Alibabas Tochterunternehmen, der Finanzdienstleister Ant Financial, steht kurz vor der Übernahme des US-Zahlungsabwicklers MoneyGram. Insgesamt auf rund 1,2 Milliarden Dollar hat Ant Financial sein Angebot Anfang der Woche erhöht – und damit den US-Konkurrenten Euronet Worldwide ausgestochen. Der Verwaltungsrat von Money Gram hat dem Angebot bereits zugestimmt. Derzeit prüft die in den USA für ausländische Investitionen zuständige Regulierungsbehörde CFIUS die Übernahme. Es seien bereits Fortschritte gemacht worden, um die Zustimmungen der Wettbewerbsbehörden zu bekommen, teilten Ant und MoneyGram mit.

Bargeldlos in Peking

Alibaba will schon seit einiger Zeit auf dem heiss umkämpften Markt im US-Online-Handel Fuss fassen. Dem chinesischen Unternehmen fehlte es bislang jedoch an einem eigenen Bezahldienst. Ganz anders in der Heimat. Mit Alipay hat Ant Financial ein digitales Bezahlsystem in China etabliert, das bereits von über einer halben Milliarde Kunden genutzt wird. In Peking haben viele Leute schon gar kein Bargeld mehr dabei. Denn selbst in herkömmlichen Geschäften genügt der Scan eines Barcodes mit der Alipay-App auf dem Smartphone – schon ist bezahlt.

Der Mutterkonzern Alibaba selbst ist mit seinen Diensten wie Taobao und Tmall gross geworden. Taobao ist eine Art riesiges Internetkaufhaus für Kleinanbieter. Darauf findet sich so ziemlich jeder Konsumartikel, den es auf der Welt gibt. Tmall bietet Unternehmenskunden eine Plattform. Mit diesen beiden Handelsplattformen macht Alibaba im Heimatland mehr Umsatz als Amazon und eBay weltweit zusammen.

Auch in anderen Bereichen ist Alibaba eifrig dabei. Mit seiner Kinosparte Alibaba Pictures hat sich Firmengründer Jack Ma letzten Herbst eine Minderheitsbeteiligung bei der von US-Starregisseur Steven Spielberg gegründeten Filmgesellschaft Amblin Partners gesichert. Dazu gehören auch die Dreamworks-Studios, die Animationsfilme wie Shrek und Kungfu Panda hervorgebracht haben. «Wir bringen mehr China nach Amerika und mehr Amerika nach China», sagte Spielberg zu dem Deal.

Sogar in der Politik versucht Alibaba-Gründer Jack Ma Einfluss auszuüben. Im Handelsstreit zwischen den USA und China stellte Ma Anfang des Jahres bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump eine Million neue Arbeitsplätze in Amerika in Aussicht. Trump hatte zuvor China vorgeworfen, Arbeitsplätze in den USA zu zerstören, und mit hohen Zöllen auf Importe aus China gedroht.

Ma versprach bei seinem Treffen mit Trump einen besseren Zugang kleiner und mittlerer US-Unternehmen zur Alibaba-Handelsplattform. Ma rechnete vor: Jede Firma würde durch den Ausbau des Geschäfts im Schnitt eine neue Stelle schaffen. Das hörte ein Donald Trump natürlich gerne. Er werde gemeinsam mit Jack Ma «grosse Dinge» vollbringen, sagte Trump. Dabei war das bloss ein geschickter Schachzug von Ma: Denn eigentlich hatte er damit nichts anderes als die Expansion von Alibaba in den USA verkündet. Amazon und Ebay dürfte das nicht gefallen.

Allerdings erwächst Alibaba in den USA bereits seit geraumer Zeit jede Menge Widerstand. Die US-Vorgängerregierung unter Obama hatte den Konzern als eine ihrer letzten Amtshandlungen auf eine Liste von Schwarzmärkten gesetzt, die gestohlene Ware verkaufen. Alibabas Onlineangebot Taobao gebe grosse Mengen an gefälschten Produkten weiter, hiess es.

Sicherheitsbedenken

Und auch aktuell bei der Übernahme von MoneyGram durch Alibabas Tochterfirma Ant Financial regt sich Widerstand. Der US-Kongressabgeordnete Kevin Yoder, ein Republikaner aus Kansas, und seine Kollegin Eddie Bernice, die für die Demokratische Partei den Bundesstaat Texas repräsentiert, fordern in einem offenen Brief an Finanzminister Steven Mnuchin eine «vollständige und gründliche» Prüfung der Übernahme, da zu befürchten sei, dass China Zugang zur Finanzinfrastruktur der USA erhält. Das würde «erhebliche nationale Sicherheitsrisiken» mit sich bringen, erklärten die Abgeordneten.

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