Grossbritannien
Aldi und Lidl erobern die Insel – Konkurrenz Tesco muss Leute entlassen

Die grösste britische Supermarktkette Tesco könnte bis zu 10000 Mitarbeiter entlassen – weil die deutschen Discounter immer beliebter werden. Was ist das Erfolgsmodell der Deutschen auf der Insel?

Meike Stolp
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Der britischen Supermarktkette Tesco laufen die Kunden davon. Keystone

Der britischen Supermarktkette Tesco laufen die Kunden davon. Keystone

KEYSTONE

Die britische Supermarktkette Tesco ist neben den Konkurrenten Sainsbury’s, Asda und Morrisons die bekannteste auf der Insel. Es gibt kaum eine Nachbarschaft, in der der nächste, noch so kleine Tesco nicht um die Ecke ist. Das könnte sich nun ändern: Der Supermarktriese will laut der Zeitung «Sunday Telegraph» bis zu 10'000 Mitarbeiter entlassen. Dabei sollen sowohl Filialen geschlossen als auch Managerposten gestrichen werden.

Der bislang von Unternehmensseite nicht kommentierte Zeitungsbericht ist für Beobachter keine Überraschung. Dass Tesco Probleme hatte, ist bekannt. Erst Ende des letzten Jahres musste Grossbritanniens grösste Supermarktkette eine Gewinnwarnung herausgeben. Vorangegangen waren Berichte über einen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr um etwa 90 Prozent. Im Januar dieses Jahres hatte Tesco schliesslich angekündigt, 43 unrentable Filialen zu schliessen und damit 2000 Stellen zu streichen.

Pfanne für 4 Pfund

Grund für den Gewinneinbruch und die Notwendigkeit zur Umstrukturierung ist die Konkurrenz durch die deutschen Discounter Aldi und Lidl. Mit niedrigen Preisen und rasanter Expansion machen sie nicht nur, aber vor allem Tesco zu schaffen. Lidl hat laut den Marktforschern von Kantar Worldpanel inzwischen einen Marktanteil von 3,5 Prozent, der von Aldi liegt bei 4,9 Prozent. Etwa 600 Geschäfte betreibt Lidl inzwischen in Grossbritannien, Aldi mehr als 500 – Tendenz steigend. Sainsbury’s kündigte im Januar die Streichung von 500 Stellen an, Asda musste vergangenes Jahr ebenfalls 1360 Mitarbeiter und Morrisons 2600 entlassen.

Die Strategie der britischen Discounter passt sich derweil immer mehr der deutschen an: Laufende Kosten sollen reduziert und das Geld in billige Preise für die Kunden investiert werden. Der Grund für den Erfolg der deutschen Billigdiscounter hängt damit zusammen, dass der Durchschnittsbrite noch nicht das Gefühl hat, von dem Wirtschaftsaufschwung auf der Insel zu profitieren. Zwar kaufen die Briten gerne ein, aber lieber günstig. Zum Beispiel eine Pfanne für 4 Pfund oder eine Flasche Champagner für 10 Pfund – mit diesen Preisen kann die Konkurrenz kaum mithalten.

Konkurrenz wächst schneller

Immerhin ist Tescos Absatz im Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent gestiegen. Es ist das erste Wachstum in einem Monat seit Januar 2014. Doch die Konkurrenz wächst schneller. Zum Vergleich: Lidl verzeichnete laut dem Marktforschungsinstitut Kantar Worldpanel in demselben Zeitraum ein Wachstum von 14,2 Prozent, Aldi sogar von 21,2 Prozent. Tescos Marktanteil ist deshalb um 0,2 Prozent gefallen – auf immer noch hohe 29 Prozent.

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