Engpässe

Alarm bei den SBB wegen Pannenzug: Bundesbahnen befürchten «ernsthafte Probleme»

Die SBB setzen bald fünf weitere Bombardier-Züge ein. Doch wegen der grossen Verzögerungen bei der Auslieferung stellen sie sich auf Notszenarien ein - mit Folgen für die Passagiere.

Die Uhr tickt. Noch immer ist die Mehrheit der FV-Dosto-Züge des kanadischen Herstellers Bombardier nicht im Einsatz. Die Verzögerung des grössten Zug-Deals in der Geschichte der SBB beträgt inzwischen über fünf Jahre. Die 2010 in Auftrag gegebene Order für 59 Fahrzeuge im Wert von 1,9 Milliarden Franken ist zum Debakel geworden. Und nun wird die Zeit knapp. «Wenn wir bis zum Fahrplanwechsel 2019/20 nicht genügend neue Züge einsetzen können, werden wir ernsthafte Probleme haben», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig.

Das hiesse, dass die Bundesbahnen bei ihrem Angebot ab Dezember Abstriche machen müssten. «Wir wären gezwungen, mit verkürzten Zugkompositionen und mit mehr Stehplätzen auf gewissen Strecken zu planen», sagt Ginsig. Der Grund: Das Schienennetz wird weiter ausgebaut, für das steigende Passagiervolumen benötigen die SBB genügend Rollmaterial.

FV-Dosto: Nach wie vor eine Panne?

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St. Gallen–Genf muss warten

Doch bei der Inbetriebnahme des als Schaukelzugs kritisierten Zugs harzt es nach wie vor. Zu den zwölf bisher im Einsatz stehenden Zügen sollen «in den kommenden Wochen» zwar fünf weitere kommen, wie SBB-Personenverkehrschef Toni Häne gestern im Rahmen eines Medienanlasses auf einer Fahrt von Zürich nach Basel bekannt gab. Flankiert wurde er von Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein. Vorgesehen sei, dass die zusätzlichen Fahrzeuge schrittweise auf der Interregio-Strecke zwischen Chur, St. Gallen, Zürich und Basel eingesetzt werden, so Häne. Und ab Dezember soll der FV-Dosto auf der Intercity-Strecke zwischen Basel, Zürich und Chur verkehren. Weitere Details nennen die SBB nicht.

Klar scheint somit, dass die Passagiere auf der Paradestrecke von St. Gallen über Zürich nach Bern und Genf Flughafen noch länger auf einen FV-Dosto warten müssen. Ursprünglich wurde mit einem Einsatz zu den Sommerferien gerechnet. Die anderen Strecken erhalten laut SBB-Sprecher Ginsig den Vorzug, weil dort das Lokpersonal und die Kundenbegleiter aus den Regionen über mehr Betriebserfahrung mit dem neuen Zug verfügen würden.

An Bord des neuen Zugs, der vor allem bei tieferer Geschwindigkeit noch immer zu stark schaukelt und bei manchen Passagieren für Übelkeit sorgt, versuchten die SBB gestern Zuversicht zu vermitteln: Der FV-Dosto sei stabiler unterwegs, dank neuer Software sei die Anzahl der Störungen bei der Türöffnung halbiert worden und die Radprofil-Änderungen bei einem Testzug würden das Schaukelproblem mindern.

Seit Dezember 2018 sind rund 4500 Fahrten und über 700 000 Kilometer mit dem FV-Dosto zurückgelegt worden und in den letzten Tagen ist es zu keinen Zugsaufällen gekommen. Der kanadische Zughersteller hat nach wie vor 30 Angestellte bei den SBB im Einsatz, um sie bei der FV-Dosto-Inbetriebnahme vor Ort zu unterstützen. «Die Zusammenarbeit mit Bombardier läuft gut», sagt SBB-Manager Häne.

Pannenzug von Bombardier ab sofort pünktlicher unterwegs

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Nach den Pleiten, Pech und Pannen bei der Einführung der neuen Doppelstock-Züge hat der Hersteller „Bombardier“ nun reagiert. Wenig Arbeit ist das aber nicht.

Ungeklärter Zwist vor Gericht

Fragt sich, wie lange der Burgfrieden hält. Denn erst im Januar hatten sich die beiden Parteien medial noch die Schuld zugewiesen für die massiven Verspätungen der Doppelstöcker-Flotte. SBB-Chef Andreas Meyer sprach gegenüber CH Media von einer «Zangengeburt».

Zudem ist der Zwist mit den Behindertenverbänden ungelöst. Diese kritisieren die zu steilen Rampen bei den Eingängen, bei denen viele Rollstuhlfahrer beim Verlassen des Zuges nach hinten zu kippen drohen. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte zwar vergangenen Herbst, dass der neue Zug die massgebenden Normen erfüllt. Der Verband Inclusion Handicap hat das Urteil jedoch am Bundesgericht angefochten, wo das Verfahren nun hängig ist.

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