Die Aktien der Credit Suisse (CS) stehen seit dem Brexit-Entscheid in Grossbritannien stark unter Druck. Seit Beginn des Jahres hat das CS-Papier an der Börse die Hälfte seines Werts verloren. Dies während der Gesamtmarkt nur knapp über 12 Prozent eingebüsst hatte.

Die Anteile der Grossbank fielen gestern erneut stark um fast 10 Prozent. Mit einem Wert von Fr. 10.02 erreichte der Kurs um 14 Uhr gar sein historisches Tief. Der Hintergrund des erneuten Kurstauchers sind auf den ersten Blick Analysten-Berichte der Deutschen Bank, Citigroup und JPMorgan. Sie revidieren ihrer Ertragsprognosen für die Bank und senkten in der Folge auch das Kursziel für die Aktien der zweitgrössten Schweizer Bank.

Umbau wird kritisiert

Das ist eine schlechte Ausgangslage nicht nur für die Aktionäre, darunter auch viele Pensionskassen, sondern auch für die CS-Führung: Konzernchef Tidjane Thiam und Verwaltungsrats-Präsident Urs Rohner bauen die Bank seit acht Monaten massiv um. Sie wollen sie von der Dominanz des kapitalintensiven Investmentbankings hin zu mehr Vermögensverwaltung positionieren und gleichzeitig die Schweizer Einheit teilweise an die Börse bringen. Dies soll dazu führen, dass der international orientierten Bank so künftig mehr Kapital zu Verfügung steht. Dieser Umbau – er kommt für viele Beobachter spät – ist getrieben von höheren Kapitalanforderungen und einem sich grundlegend verändernden Marktumfeld für Banken.

Der Umbau der CS geht jedoch nicht ohne Zwischentöne über die Bühne: Die US-Investmentbanker, die mit der neu angepeilten Strategie des Finanzinstituts nicht einverstanden sind, munitionieren US-Medien wöchentlich mit pikanten Interna über Thiam. Vergangene Woche erhielten die Investmentbanker Unterstützung von einem CS-Grossinvestor, dem US-Fondsverwalter Harris Associates. Dieser kritisierte in der «New York Times» den Umgangston Thiams gegenüber seinen Bankern.

Gestiegene Volatilität

Als wäre dies allein nicht genug, droht nun nach der Brexit-Abstimmung eine lange Zeit der Ungewissheit. In den Worten der Finanzanalysten heisst das: Die Finanzmärkte sind volatil geworden. Diese Volatilität geht einher mit sinkenden Aktienkursen vor allem bei Finanztitel. Dies wiederum führt dazu, dass die Banken untereinander vorsichtiger werden beim Geldausleihen.

Und die steigende Volatilität am Gesamtmarkt führt auch dazu, dass Analysten bei der Bewertung der Banken genauer in die Bücher der Geldhäuser schauen, um genau zu bewerten, wo die Gegenparteienrisiken liegen. Im Fall der CS legen sie aber auch den Finger auf die Kapitalsituation: Kann die Bank tatsächlich durch den teilweisen Börsengang der Schweizer Rechtseinheit 2 bis 4 Milliarden Franken lösen und damit ihre Kapitalquote von gegenwärtig 11,3 Prozent auf über 12 Prozent steigern?

Die gestiegene Volatilität führt zu guter Letzt auch dazu, dass die Börsianer den Finger auf Altlasten der Bank legen. Dazu gehört neben den zahlreichen noch nicht bearbeiteten Rechtsfällen auch die Tatsache, dass die Bank Ende 2015 Aktiven in Höhe von 35,5 Milliarden Franken und Verbindlichkeiten in Höhe von 21,5 Milliarden aufwiesen, für die weder ein Marktwert zugrunde liegt noch über ein Bewertungsmodell ein wirklich zuverlässiger Wert ermittelt werden kann. Sie werden in der CS-Bilanz als Level-3-Positionen verbucht. Im März dieses Jahres gab die CS-Spitze an, diese Positionen zu verkleinern. Dies nachdem man dies schon im Jahr zuvor gemacht hatte. Doch die zunehmende Verunsicherung – auch über die Kapitalstärke der CS – treibt Anleger gleichwohl dazu, den Titel lieber heute als morgen auf den Markt zu werfen. Die Bank selber will den Börsenkurs nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.

CS hält an der Strategie fest

Eine CS-Sprecherin hält jedoch fest, dass sich an der strategische Neuausrichtung selber durch die gegenwärtige Situation nichts geändert hat. In einem internen Mail an die Mitarbeiter gab Thiam vergangene Woche den Hedge Funds eine Absage, die mit sogenannten Short-Positionen gegen die Grossbank spekulierten. Es sei falsch, dass man zusätzliches Kapital aufzunehmen brauche, soll er geschrieben haben.