Seit Sie sich zuletzt zur Postauto-Affäre äusserten, sind einige neue Fakten auf den Tisch gekommen. Ändert sich dadurch für Sie etwas?

Pascal Koradi: Nein, der Konzernfinanzchef der Schweizer Post ist verantwortlich für die Konzernrechnung und für die finanzielle Führung auf der Konzernstufe. Aber nicht für das Offertwesen oder die Kosten- und Leistungsrechnung einzelner Geschäftseinheiten wie die Postauto. Ich habe am 6. Februar im Prüfbericht des Bundesamtes für Verkehr (BAV) von fehlerhaften Buchungen im Rahmen des Offertwesens gelesen. Da muss ich als ehemaliger Pöstler sagen, dass ich damit natürlich nicht zufrieden bin. Für mich ist das ein «Bschiss», darauf kann man auf jeden Fall kein Geschäft aufbauen.

Ex-Postauto-Finanzchef Pascal Koradi kann ruhig schlafen

Ex-Postauto-Finanzchef Pascal Koradi kann ruhig schlafen

An der AKB-Medienkonferenz äussert sich deren Chef und ehemaliger Postauto-Finanzchef erstmals vor Kamera über sein Verhältnis zum Skandal.

Der «Blick» hat gestützt auf eine interne Aktennotiz geschrieben, Sie hätten schon früher von den Tricksereien bei Postauto gewusst.

Als Konzernfinanzchef musste ich Stellung nehmen zu Themen, die die Entwicklung des Konzerns betreffen. Insgesamt muss ich sagen: Es gab bei Postauto klare Verantwortlichkeiten und es gab auf Konzernstufe klare Verantwortlichkeiten. Die Post muss das nun abklären.

Wenn fehlerhafte Buchungen bei Postauto geschehen, ist auf Konzernstufe nicht zu erkennen?

In jedem Konzern hat es verschiedene Buchungskreise. Der Konzernfinanzchef hat bei einer Holding die Führung über die Konzernrechnung und dort die Sicht eines Managers. Auf den einzelnen Buchungsablauf in einem Offertwesen, das aus dem Gesetz für den regionalen Personenverkehr ganz speziellen Bestimmungen untersteht, hat der Konzernfinanzchef keinen Zugriff. Ich war übrigens auch nie involviert in irgendeine Untersuchung oder Abklärung, seit ich April 2016 aus der Post ausschied.