Luftfahrt
Airlines sollen sich gegen Grounding versichern – was das den Fluggästen bringt

Die Zukunft von Air Berlin ist ungewiss. Im Fall des Konkurses blieben die Kunden auf ihren Tickets sitzen. Nun fordern Reisebüros und Konsumentenschützer eine Änderung.

Benjamin Weinmann
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Air Berlin steckt im Minus. Deutsche Konsumentenschützer wollen verhindern, dass im Falle eines Airline-Groundings die Passagiere um ihre Tickets gebracht werden. (Archiv)

Air Berlin steckt im Minus. Deutsche Konsumentenschützer wollen verhindern, dass im Falle eines Airline-Groundings die Passagiere um ihre Tickets gebracht werden. (Archiv)

KEYSTONE/AP/MICHAEL SOHN

Air Berlin ist am Flughafen Zürich hinter der Swiss die zweitgrösste Fluggesellschaft. Viele sonnenhungrige Schweizer fliegen mit der Airline in die Ferien. Doch ob das mittelfristig so bleibt, ist unklar. Denn Air Berlin schreibt rote Zahlen. Für Passagiere stellt sich deshalb die Frage: Wie sicher ist mein Flugticket, sollte die Airline auf finanziellen Gründen ihren Betrieb plötzlich einstellen? Die Antwort: Alles andere als sicher. Die Kunden würden für ihren obsoleten Flugschein keine Umbuchung und schon gar nicht eine Rückerstattung erhalten.

In Deutschland sind Konsumentenschützer vorgeprescht. Sie verlangen einerseits eine verbindliche Garantie-Erklärung von der Airline, dass der Flugplan eingehalten wird. Und sie bringen eine alte Forderung wieder aufs Tapet: Eine Insolvenzversicherung für Airlines. Im Fall des Groundings sollen die Passagiere ihr Geld zurückerhalten.

Eine Forderung, die hierzulande Zustimmung erhält. «Eine solche Lösung wäre auch in der Schweiz nötig», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz.

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz setzt sich für die Rechte von Fluggästen ein. (Archiv)

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz setzt sich für die Rechte von Fluggästen ein. (Archiv)

Keystone

Unterstützung vom Ombudsmann

Franco Muff, der Ombudsmann der Schweizer Reisebranche, sieht es ähnlich: «Einen solchen Vorstoss kann ich nur unterstützen.» Denn viele Schweizer Reisende wüssten oft gar nicht, dass es solch eine Absicherung für Airlines zurzeit nicht gäbe. Im konkreten Fall von Air Berlin mahnt er deshalb zur Vorsicht: «Die Turbulenzen dauern nun ja schon eine ganze Weile. Da könnte man sich generell die Frage stellen, ob man bei Airlines in schwierigen finanziellen Situationen nicht besser von einer Buchung absehen sollte.» Ansonsten empfehle er den Abschluss einer Grounding-Versicherung, die aktuell nur von der Versicherung ERV angeboten werde. «Dies ist jedoch eine Notlösung und kostet die Kunden zusätzlich Geld.»

Der Schweizer Reiseverband SRV ist alarmiert. Seine Mitglieder, die Reisebüros, müssten sich gut überlegen, ob sie Pauschalreisen mit einem Air-Berlin-Flug planen, sagt SRV-Chef Walter Kunz. Denn sobald ein Pauschalpaket geschnürt wird, haftet laut Gesetz das Reisebüro als Veranstalter. Bucht der Kunde nur den Flug, haftet er selbst.

Angst vor mächtiger Lufthansa

Der SRV hat diese Woche Air Berlin gefragt, wie man beitragen könne, um die Situation zu entschärfen. «Die Reisebüros sind interessiert, dass Air Berlin den Betrieb auch in Zukunft aufrechterhalten kann.» Ansonsten drohe eine Monopolsituation mit der Lufthansa. Der Kranichkonzern wird als Retter von Air Berlin gehandelt.

«In dem Fall würde die Lufthansa-Gruppe noch mächtiger», sagt Kunz. Das zeige sich bei der Insolvenzversicherung, gegen die sich die Airlines aus Angst vor höheren Kosten wehren. «Die Lobby der Lufthansa ist zu stark, um das Thema national oder auf europäischer Ebene voranzubringen.» Reisebüros hingegen müssten beim Airlineverband IATA Bankgarantien hinterlegen, um Flugtickets verkaufen zu dürfen. «Die jetzige Rechtslage ist unfair.»

Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt heisst es, die Schweizer Niederlassung der Air Berlin stehe nach wie vor unter «erhöhter Aufsicht».

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