Luftfahrt

Air Berlin warnt Schweizer Personal vor Streikplänen

Ryanair würde auch für Air Berlin bieten, hat aber laut Ryanair-Chef keinen Zugang zu den Wirtschaftsdaten von Air Berlin.

Ryanair würde auch für Air Berlin bieten, hat aber laut Ryanair-Chef keinen Zugang zu den Wirtschaftsdaten von Air Berlin.

Tochter Belair sucht Rettung in letzter Minute. Offen ist, wie ernst gemeint ein angebliches Kaufangebot ist und ob das Management nur das Personal beruhigen möchte.

Es sind die entscheidenden Tage, in denen sich Air Berlin befindet. Heute Freitag endet für Interessenten die Frist, um der serbelnden deutschen Fluggesellschaft ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Nachdem schon diverse Gespräche geführt worden waren, Airlines wie Ryanair und Eurowings den Deutschen eine Abfuhr erteilt hatten, hat sich nun auch Formel-1-Legende Niki Lauda mit ins Spiel gebracht, wie die österreichische Zeitung «Kurier» berichtet. Demzufolge will der ehemalige Rennfahrer gemeinsam mit dem Reisekonzern Thomas Cook und der Airline Condor für 38 Maschinen der Air Berlin und der Tochterairline Niki ein Angebot unterbreiten.

Keine Rede ist von der Schweizer Tochtergesellschaft Belair, die von Zürich aus mit ihren fünf Maschinen die Air-Berlin-Flüge betreibt. Bereits im Frühling wurde den 280 Angestellten vorsorglich gekündigt. Ende Oktober droht das definitive Grounding der Schweizer Flotte. Doch nun wird den Angestellten Hoffnung gemacht für eine Last-Minute-Rettung. Dieser Zeitung liegt ein internes Schreiben der Belair-Führung (siehe Ausriss) vor.

Heisst der geheime Bieter Niki Lauda?

Heisst der geheime Bieter Niki Lauda?

Darin schreibt Andrew Zahn, Verantwortlicher für die Flugoperationen, dass bis jetzt mindestens ein Kaufangebot eingegangen sei. Wer die möglichen weissen Ritter sind, steht nicht. An einer Sitzung nächsten Donnerstag würden die Angebote evaluiert. Auf Anfrage will sich die Airline nicht äussern.

«Kommuniziert wird nichts»

«Viele Angestellte hoffen nun natürlich wieder», sagt ein Crew-Mitglied, das nicht genannt werden möchte. Dennoch sei die Verunsicherung nach wie vor da: «Wir werden seit Monaten im Dunkeln gelassen.» Immer wieder hätten Gerüchte die Runde gemacht über Strohhalmlösungen, zum Teil auch mit der Lufthansa – ohne Resultat. Es gebe intern eine Arbeitsgruppe, die mögliche Lösungen suche. «Aber kommuniziert wird nichts», sagt der Angestellte, der zurzeit nicht weiss, ob er sich eine neue Stelle suchen soll oder nicht. «Solange ich nicht weiss, ob Belair weiterfliegt, bin ich mit meinem Entscheid in der Schwebe.»

Damit ist er nicht allein. Andere haben jedoch bereits einen Schlussstrich gezogen und der Firma mitgeteilt, dass sie nach Oktober nicht mehr für Air Berlin arbeiten werden, auch wenn es doch noch eine Rettung geben sollte. Sie erhalten eine Abfindung in der Höhe von sechs Monatslöhnen, was je nach Angestelltem plus/minus 25'000 Franken ausmacht.

Die Frage bleibt jedoch, wie ernst gemeint das angebliche Kaufangebot ist oder ob das Management nur das Personal beruhigen möchte. Denn im selben Schreiben ermahnt Belair-Manager Zahn die Angestellten. Er hoffe, dass es in der Schweiz nicht zu ähnlichen Aktionen wie in Deutschland komme, wo sich diese Woche an zwei Tagen über 200 Piloten krankgemeldet hatten und damit für ein Teil-Grounding der Airline sorgten. Sie wollten auf ihre Anliegen und Sorgen im Verkaufsprozess aufmerksam machen.

Es wäre eine Schande, schreibt Zahn, so weit gekommen zu sein und dann die gemeinsamen Ziele nicht zu erreichen. «Diese Aktionen der Air-Berlin-Crew haben einen dramatischen Impact auf unsere Zukunft und ich hoffe, dass die Flugoperationen bald wieder normal verlaufen.» Zudem lobt er das Personal dafür, dass das Schweizer Geschäft das verlässlichste im ganzen Konzern sei.

Dass die Swiss ein Angebot eingereicht hat, ist unwahrscheinlich, da sie selber schon daran ist, mit den neuen Maschinen von Bombardier und Boeing ihre Kapazitäten auszuweiten. Und auch politisch wäre ein Kauf heikel, da ihre jetzt schon starke Stellung am Flughafen Zürich zementiert würde. Und bei der deutschen Fluggesellschaft Germania, die ebenfalls eine Schweizer Tochtergesellschaft betreibt, bestehen Fragen bezüglich der Solvenz.

Ein Branchenkenner tippt deshalb auf einen ausländischen Investor, «vielleicht sogar Niki Lauda». Die Hoffnungen auf einen Schnäppchen-Deal in der Schweiz seien aber trügerisch, so der Insider. «Man darf nicht vergessen, dass vieles vom Alltagsgeschäft in Berlin abgewickelt wird, von der Ausbildung über das Back Office bis hin zur Einsatzleitung.» Diese Kosten zu tragen, ist eine enorme Herausforderung.

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