Nach Abgang

Adieu Herrliberg! Ex-CS Chef Tidjane Thiam verkauft seine Villa

Das Anwesen von Tidjane Thiam lag unmittelbar neben demjenigen des heutigen UBS-Managers Iqbal Khan.

Das Anwesen von Tidjane Thiam lag unmittelbar neben demjenigen des heutigen UBS-Managers Iqbal Khan.

Das 7,5-Zimmer-Haus am Zürichsee ist eng mit den Gründen für sein Aus bei der Credit Suisse verknüpft. Nun verkauft der Manager das Anwesen.

Sie wird als moderne Landhaus-Villa mit Wellness, Pool und Seesicht angepriesen. Im Zürcher Steuerparadies Herrliberg gelegen, ein kurzer Fussmarsch vom lokalen Tennisclub entfernt. 7,5 Zimmer hat das Anwesen, 483 Quadratmeter Wohnfläche, eine Mastersuite mit Bad und Ankleide. Highlight ist die spiralförmig angelegte Bibliothek. Natürlich dürfen auch eine Wellnessanlage und ein Garten mit Pool nicht fehlen.

Tidjane Thiam war von 2015 bis Anfang 2020 CEO der Credit Suisse.

Tidjane Thiam war von 2015 bis Anfang 2020 CEO der Credit Suisse.

Der Zustand des Hauses ist gemäss Immobilienfirma sehr gut – erst 2015 wurde sie «mit viel Feingefühl» renoviert. Eingezogen ist damals Tidjane Thiam, der im Juli des gleichen Jahres Brady Dougan als CS-Chef ablöste. Der ivorisch-französische Manager hat die Villa gemäss «Blick» für knapp 10 Millionen Schweizer Franken von einem bekannten Wirtschaftspaar gekauft. Der Preis liegt nun noch etwas höher: gemäss Immobilienmakler liegt er zwischen 12 und 16 Millionen Franken. Dafür kriege man vieles: Wer hier wohne, so schreiben sie, der wisse die schönen Seiten des Lebens zu schätzen.

In der Schweiz nie wohlgefühlt

Für Thiam waren es allerdings nicht die schönsten Jahre seines Lebens. Er hat sich in der Schweiz nie wirklich wohlgefühlt. Das hat er nach seinem Ende bei der CS mehrfach in den Medien kundgetan. Im «überwiegend weissen Zürich» sei er aufgefallen, erzählte Thiam etwa der «Financial Times» (bezahlpflichtig). In der Bahnhofstrasse sei er immer wieder von Passanten angesprochen worden, was ihn Energie gekostet habe. Er habe aufgehört, mit seinem Porsche zur Arbeit zu fahren, weil er Schlagzeilen fürchtete, sollte es auch nur einen kleinen Disput mit einem anderen Verkehrsteilnehmer geben. Seine Söhne seien im Tram oft die einzigen Schwarzen gewesen – «und die ersten, deren Tickets kontrolliert wurden». Im vergangenen Oktober sagte er gegenüber der «New York Times» (bezahlpflichtig), dass er sich in der Schweiz ungerecht behandelt gefühlt habe. Zudem sei er mehrfach mit Rassismus konfrontiert gewesen.

Als Bankchef allerdings lief es ihm besser. Thiam brachte die CS wieder in die Spur. Unter seiner Ägide wurde zwar viel gespart, die Bank machte aber auch wieder hohe Gewinne.

Handgreiflichkeiten auf der Terrasse

Der Anfang vom Ende seiner Regentschaft bei der Grossbank nahm jedoch just auf der Terrasse seiner Villa am Zürichsee seinen Lauf. Im Januar 2019 hatte Thiam bei sich zu Hause zu einem geselligen Abend eingeladen. Mit dabei war auch Iqbal Khan. Der ehrgeizige Senkrechtstarter, seit kurzem Chef der internationalen Vermögensverwaltung, hatte wenige Wochen zuvor mit seiner Familie das frisch gebaute Haus direkt neben Thiams Villa bezogen. Nach zweijähriger Bauzeit. Der Baulärm der Khans und die Pläne Thiams mit Bäumen die Seesicht seiner Nachbarn einzuschränken, führten gemäss «Tages-Anzeiger» zu einem heftigen Zoff – in dessen Folge die beiden Streithähne knapp davor standen handgreiflich zu werden.

Das Tuch zwischen den beiden war danach zerschnitten, kurze Zeit später wurde der Wechsel von Khan zur Konkurrentin UBS bekannt. Der pikante Wechsel gipfelte in der Beschattungsaffäre, die Thiam, obwohl ein Untersuchungsbericht seine Unschuld feststellte, den Kopf kostete. Es war zu viel Geschirr zerschlagen. Die Reputation der Nummer zwei auf dem Schweizer Finanzplatz angekratzt. Im Machtkampf mit Präsident Urs Rohner zog Thiam den Kürzeren und musste gehen.

Verwaltungsrat und im Dienste des Papstes

In der Schweiz hielt Thiam deshalb nicht mehr viel. Nach einer kurzen Pause wurde er im vergangenen Jahr zunächst Verwaltungsrat der französischen Luxus-Holdinggesellschaft Kering. Zudem konzentriert er sich auf Tätigkeiten auf dem afrikanischen Kontinent. Lange wurden ihm ja auch Ambitionen in der Politik nachgesagt. Der einstige Minister wurde unter anderem als Präsidentschaftskandidat in der Elfenbeinküste gehandelt. Allerdings trat er dann nicht an. Im vergangenen April wurde er ausserdem zum Sondergesandten der Afrikanischen Union in Sachen Coronavirus ernannt. Zudem hat er das Amt als Präsidenten des Verwaltungsrats der Firma Rwanda Finance ernannt worden. Diese will den Finanzplatz Ruandas ausbauen. Zuletzt hat er im Dezember Einsitz in den vom Papst Franziskus ins Leben gerufene «Council for Inclusive Capitalism» genommen. Dieser soll einen gerechteren Kapitalismus schaffen.

Nun kehrt Tidjane Thiam, der persönlich nicht erreichbar war, der Schweiz wohl endgültig den Rücken.

Autor

Roman Schenkel

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