Es ist das Schicksal praktisch aller kleinen oder mittelgrossen Pharmafirmen, die noch keine lange Firmenhistorie vorweisen können: Sie haben meist nur ein Präparat, bestenfalls zwei. Und dazu nur wenige Anwendungsbereiche. Spätestens mit dem Ablauf des Patentes muss ein neues Produkt auf dem Markt sein. Eines, dessen Wirksamkeit belegt und behördlicherseits zugelassen ist. Und das auf dem Markt einen sowohl für die Firma wie für die Zulassungsbehörde akzeptablen Preis erzielt.

Neues Nachfolge-Präparat

Mit Opsumit, dem Nachfolger von Tracleer, scheint dies Actelion gelungen zu sein. Das neue Medikament, das ebenfalls gegen Lungen-Bluthochdruck (pulmonale arterielle Hypertonie, PAH) eingesetzt wird, steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr von 179 auf 516 Millionen Franken, wie die Firma gestern bekannt gab. Tracleer erzielte einen Umsatz von 1,2 Milliarden, was 15 Prozent weniger sind als im Vorjahr. Und bereits ist ein weiterer Nachfolger, Uptravi, in der Pipeline. Das Potenzial soll bei einer Milliarde Umsatz liegen.

Der Gesamtumsatz von Actelion stieg im Jahr 2015 um 4 Prozent auf 2,045 Milliarden. Zu konstanten Wechselkursen läge das Plus bei 7 Prozent. Der Gewinn ist allerdings um 7 Prozent auf 552 Millionen gesunken (2014 stieg der Gewinn stark an wegen aufgelösten Rabattrückstellungen in den USA). Ohne diesen Effekt wäre der (Kern-)Gewinn um 25 Prozent gestiegen.

Für das angelaufene Jahr erwartet das Unternehmen ein Wachstum beim Kernbetriebsgewinn «im niedrigen einstelligen Prozentbereich». Berücksichtigt seien dabei Annahmen zur Marktentwicklung samt Generika-Konkurrenz sowie anhaltender Preisdruck in Europa und Japan.

Actelion-CEO Jean-Paul Clozel hält mit Stolz nicht hinter dem Berg: «Wir haben unser PAH-Portfolio verändert, und die Diversifizierung unserer Pipeline ist auf einem guten Weg. Damit haben wir jetzt die Möglichkeit, das erste in Europa gegründete Biopharma-Unternehmen zu werden, das in die erste Liga aufsteigt.» Die Aktionäre werden mit einer höheren Dividende und einer Kapitalrückzahlung beglückt. Die Aktie legte gestern vorübergehend bis zu 4 Prozent zu und schloss bei 123.80 Franken (+1,1 Prozent).

Über 2500 Mitarbeitende

Erarbeitet haben die Ergebnisse insgesamt 2547 Festangestellte, umgerechnet 2498 Vollzeitstellen. Der Personalbestand stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent. Davon sind 1073 Angestellte in der Schweiz, die meisten in Allschwil. Eine kleine Vertriebsabteilung befindet sich in Baden.