Biotech
Actelion im Visier der Grossen – Gerüchte befeuern Aktienkurs

Laut Medienberichten soll nun auch die französische Sanofi an der Biotech-Firma aus Allschwil interessiert sein.

Andreas Möckli
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Actelion mit Hauptsitz in Allschwil BL ist das grösste europäische Biotechunternehmen. Mario Heller

Actelion mit Hauptsitz in Allschwil BL ist das grösste europäische Biotechunternehmen. Mario Heller

Mario Heller

Die Gerüchte in Sachen Actelion reissen nicht ab. Nun soll auch der französische Pharmakonzern Sanofi ein Angebot für die Baselbieter Biotechfirma prüfen, wie Bloomberg berichtet. Die Nachrichtenagentur war es auch, die als Erste die amerikanische Johnson & Johnson als möglichen Käufer ins Spiel brachte. Sowohl Actelion als auch Johnson & Johnson bestätigen vor eineinhalb Wochen, dass Gespräche stattfinden, betonten damals aber, noch sei alles offen.

Sanofi habe sein Interesse lediglich informell kundgetan, sich aber noch nicht entschieden, ein Angebot wirklich voranzutreiben, schreibt Bloomberg. Derweil habe Johnson & Johnson das Angebot erhöht, es soll nun über 253 Franken pro Aktie liegen, was einem Börsenwert von mehr als 27 Milliarden Franken entspricht. Derzeit beträgt dieser rund 22,7 Milliarden Franken. Der Kurs stieg gestern um 3,8 Prozent.

Grosse Schweizer Präsenz

Unter den grossen Pharmakonzernen ist Sanofi vergleichsweise breit aufgestellt. Bei den rezeptpflichtigen Medikamenten verdient das Unternehmen sein Geld vor allem mit Diabetes-, Krebs- und Blutverdünnungsmitteln. Dazu kommen Generika, rezeptfreie Medikamente, Impfstoffe und der Bereich Tiergesundheit. Die letzte grosse Übernahme stammt aus dem Jahr 2011. Damals übernahm Sanofi die US-Biotechfirma Genzyme für rund 20 Milliarden Dollar. Die Franzosen kamen so zu mehreren Medikamenten gegen seltene Krankheiten.

In diesem Jahr hätte Sanofi gerne die US-Biotechfirma Medivation gekauft und sich so den Zugriff auf ein vielversprechendes Mittel gegen Prostatakrebs gesichert. Sanofi wurde jedoch vom US-Konkurrenten Pfizer ausgestochen.

Ob Sanofi tatsächlich gewillt ist, bei Actelion mitzubieten, wird sich zeigen. Offen ist auch, wie gross der Spielraum der Biotechfirma innerhalb von Sanofi wäre. Immerhin ist Johnson & Johnson bekannt dafür, den zugekauften Firmen einen verhältnismässig grossen unternehmerischen Freiraum zu belassen. Hinzu kommt, dass Johnson & Johnson in der Schweiz schon sehr präsent ist und hier über 6000 Mitarbeiter beschäftigt. Zuletzt kauften die Amerikaner den Solothurner Implantatehersteller Synthes.

Die «Major League» als Ziel

Bislang hat Actelion stets auf Unabhängigkeit gepocht. Die Firma ist bislang fast gänzlich auf die Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck im Lungenkreislauf spezialisiert. Das Unternehmen forscht zwar an neuen Wirkstoffen wie etwa gegen multiple Sklerose, diese sind aber noch ein gutes Stück von der Marktreife entfernt. Chef und Firmengründer Jean-Paul Clozel betonte in der Vergangenheit stets, das Unternehmen eigenständig voranzubringen. Dabei hielt er seine Ambitionen kaum zurück. Clozel will mit Actelion als erstes europäisches Unternehmen in die «Major League» der globalen Biotechbranche aufsteigen. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte sei diese Vision in Griffnähe, sagte er an der Präsentation der Jahreszahlen im Februar. Damals konnte er bekannt geben, erstmals mehr als zwei Milliarden Franken umzusetzen. Allerdings beträgt der Umsatz der Grossen der Branche wie Amgen oder Biogen ein Mehrfaches.

Letztlich muss der Verwaltungsrat ein allfälliges Angebot im Interesse der gesamten Firma prüfen und kann dabei nur bedingt auf den Gründer und Chef Clozel achten, selbst wenn dieser mit im obersten Führungsgremium sitzt und 3,3 Prozent aller Aktien hält. Liegt eine ernst zu nehmende Offerte vor, müsse der Verwaltungsrat abschätzen, ob das Unternehmen in der Lage sei, den gebotenen Aktienkurs in nützlicher Frist aus eigener Kraft zu erreichen, sagt ein Spezialist für Fusionen und Übernahmen der «Nordwestschweiz». Zudem müsse geprüft werden, ob der Käufer die Übernahme finanzieren könne und ob kartellrechtliche Hürden im Weg stünden.

Zumindest für Johnson & Johnson dürfte die Finanzierung angesichts liquider Mittel von 18,5 Milliarden Dollar kein Problem darstellen. Da es auch keine kartellrechtlichen Bedenken gibt, habe Actelion nur wenige Argumente in der Hand, um einen Deal abzulehnen, sagt der Übernahmespezialist. Gleichzeitig ist fraglich, ob ein möglicher Käufer auch zu einer feindlichen Übernahme bereit ist.

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