Biotech
Actelion-Gründer kaufen für 324 Millionen Franken Aktien der neuen Firma Idorsia

Der Name Idorsia dürfte einer breiten Öffentlichkeit noch kaum geläufig sein. An der Börse dagegen ist die Biotechfirma, die aus dem Baselbieter Unternehmen Actelion herausgelöst wurde, ein grosses Thema. Mitte Juni bei 10 Franken gestartet, handeln die Titel mittlerweile bei Fr. 20.40. Allein gestern kletterten die Papiere um 12,7 Prozent.

Andreas Möckli
Drucken
Teilen
Jean-Paul und Martine Clozel besitzen seit kurzem knapp einen Viertel an der neuen Biotechfirma Idorsia in Allschwil BL.Ken Lennox

Jean-Paul und Martine Clozel besitzen seit kurzem knapp einen Viertel an der neuen Biotechfirma Idorsia in Allschwil BL.Ken Lennox

Getrieben wurde die Verdoppelung des Kurses vor allem durch Jean-Paul und Martine Clozel, die in den letzten zwei Wochen massiv Aktien gekauft haben. Das französische Ehepaar gründete 1997 die Firma Actelion zusammen mit Walter Fischli. Nach der Übernahme des Unternehmens durch Johnson & Johnson leiten die beiden zusammen mit zwei weiteren Managern Idorsia. Die Biotechfirma wurde von Johnson & Johnson mit rund einer Milliarde Franken ausgestattet, um neue Medikamente zu entwickeln.

Die Aktionäre von Actelion erhielten von Johnson & Johnson neben 280 Dollar pro Titel zusätzlich eine Aktie der neuen Idorsia. Die Clozels kassierten damit knapp 1,3 Milliarden Dollar, zusätzlich bekamen sie knapp 4,6 Millionen Aktien von Idorsia. Zum Börsenstart der neuen Biotechfirma waren sie dadurch mit 3,9 Prozent am Unternehmen beteiligt.

Wollen Clozels mehr Einfluss?

Diesen Anteil haben sie in Rekordzeit zunächst auf 15,1 und danach auf 22,8 Prozent aufgestockt. Dies wurde bereits letzte Woche kommuniziert. Was bislang noch nicht bekannt war, ist der Betrag, den das Ehepaar für den Ausbau seiner Beteiligung bezahlt hat. Laut Berechnungen der «Nordwestschweiz» haben die Clozels rund 324 Millionen Franken dafür ausgegeben. Werden die Meldungen der Schweizer Börse herangezogen, so dürfte das Ehepaar rund 22,6 Millionen Aktien gekauft haben, um seine Beteiligung auf 22,8 Prozent aufzustocken. Der volumengewichtete Durchschnittskurs beträgt im betreffenden Zeitraum rund Fr. 14.31.

Seit der Meldung der Beteiligung hat das Management von Idorsia nochmals 1,1 Millionen Aktien gekauft. Ob dies ebenfalls Jean-Paul und Martine Clozel waren, ist offen. Der Börse muss nur gemeldet werden, ob es sich um Mitglieder der Geschäftsleitung sowie exekutive Verwaltungsratsmitglieder handelt oder um übrige Verwaltungsräte.

Über die Motive der Clozels kann nur gerätselt werden. Ein Idorsia-Sprecher wollte dazu keine Stellung nehmen, auch nicht zur Verdoppelung des Aktienkurses innert gut zwei Wochen.

Theoretisch hätte das Ehepaar seine Beteiligung auch über einen längeren Zeitraum aufbauen können. Vermutlich wären sie so etwas günstiger zu ihren Aktien gekommen, da der Kurs ohne die massiven Käufe der Clozels nicht so rasch gestiegen wäre. Beobachter gehen davon aus, dass es dem Ehepaar aber weniger um das Geld gegangen sein dürfte, sondern vielmehr um ihren Einfluss.

Mit einem Anteil von knapp 23 Prozent haben die beiden zwar keine echte Sperrminorität, faktisch aber schon. Da durchschnittlich nur rund 70 Prozent aller Aktionäre an einer Generalversammlung teilnehmen, wird man an den Clozels kaum vorbeikommen. Johnson & Johnson mit einem Anteil von knapp 10 Prozent dürfte den beiden kaum in die Quere kommen, selbst wenn sie ihre Option einlösen, mit der die Amerikaner weitere 22 Prozent kaufen könnten.

Das Engagement der Clozels ist aber auch eine grosse Wette. Die Entwicklung neuer Medikamente ist mit hohen Risiken behaftet, die Absturzgefahr gross.

Allerdings unterscheidet sich Idorsia von einer gewöhnlichen Biotechfirma. Neben dem Startkapital von 1 Milliarde Franken startet das Unternehmen mit 650 Forschern, die zuvor bei Actelion gearbeitet haben. Zudem verfügt Idorsia über neun Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung, jedoch befindet sich noch keiner in der letzten entscheidenden Phase III. Die Firma forscht an Medikamenten gegen therapieresistenten Bluthochdruck, Schlaflosigkeit und mehrere seltene Krankheiten wie Lupus.

Empfehlung: Verkaufen

Während die Clozels beim aktuellen Aktienkurs von Fr. 20.40 zu den grossen Gewinnern gehören, haben sich andere ziemlich verschätzt. Der Analyst der Privatbank Notenstein La Roche gab bereits am zweiten Handelstag die Empfehlung «Verkaufen» an seine Kunden heraus. An diesem Tag schloss die Aktie bei Fr. 14.45.

Aktuelle Nachrichten