"Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt - und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren", sagte Ackermann bei einem Besuch der Zentrale der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

"Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden", erklärte der Schweizer.

Nach den bisherigen Plänen sollen private Gläubiger wie Banken und Versicherer auf 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Im Gespräch sind nun aber bis zu 70 Prozent, die Verhandlungen laufen.

"Die Beteiligung privater Gläubiger war aus politischen Gründen notwendig. Anders hätte es im Deutschen Bundestag keine Mehrheit für das Rettungspaket gegeben", sagte Ackermann. "Aber klar ist auch, dass dies eine historische Trendwende markiert: Europäische Staatsanleihen waren bisher mündelsicher."

"Schwerer Fehler"

Irlands Finanzminister Michael Noonan bezeichnete die Beteiligung privater Gläubiger an dem Rettungspaket für Griechenland als einen schweren Fehler.

Durch den Entscheid der Euro-Staaten, auch Banken, Versicherungen und Investmentfonds an dem Schuldenschnitt zu beteiligen, sei die Schuldenkrise weiter verschärft worden, sagte Noonan der "Süddeutschen Zeitung".

"Wenn Sie Geld verleihen, lautet die erste Frage: Kriege ich es zurück?", sagte der Minister. "Vor diesem Hintergrund war es tödlich, eine Debatte über Schuldenschnitte zu Lasten der privaten Gläubiger anzufangen. Das hat die Märkte verrückt gemacht." Spekulationen, dass auch in Irland ein Schuldenschnitt notwendig werden könnte, wies Noonan in dem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zurück.