Die Wand vor den Entwicklungsbüros ist voll bespickt mit Auftragszetteln: «Tea Cups Ride, Sochi Park», «Suspended Coaster, Europa Park», «Boat Blaster, Le Pal», «Launch Coaster, Galadari» und «Launch Coaster, Sochi Park». Es sind die Namen der Verkaufsschlager von Mack Rides und die Lieferdestinationen. Trotz der sommerlichen Hitze läuft die Produktion beim zweitgrössten Achterbahnbauer der Welt also auf Hochtouren. «Wenn das Jahr so weiterläuft, werden wir 2013 das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielen», sagt Christian von Elverfeldt, CEO von Mack Rides, anlässlich eines Firmenbesuchs in Waldkirch (Baden-Württemberg).

Überall auf dem rund fünf Hektaren grossen Firmengelände am Fusse des Schwarzwald-Gebirges stapeln sich Schienenteile. Früher, als man die Bahnen noch von Hand entwarf, baute die Firma die Modelle auf dem Platz vor der Montagehalle vor der Auslieferung noch zusammen. Es kam vor, dass man ein Schraubenloch noch versetzen musste.

Heute, wo mit Computern und Präzisionsmaschinen gearbeitet wird, sind Adjustierungen am Endmodell in der Regel nicht mehr nötig. Dem Chef solls recht sein: So bleibt mehr Platz zum Zwischenlagern der Fertigungsteile. Das ist derzeit auch nötig. «Der externe Lackierer kommt kaum nach mit der Arbeit», sagt von Elverfeldt.

Selbst über Mittag schweissen die Arbeiter an den Metallverstrebungen. Und trotzdem brauchen Kunden viel Geduld: Wer eine neue Bahn will – eine grosse Anlage kostet zwischen 8 und 10 Millionen Euro –, müsse bis zur Auslieferung schon bis im Frühjahr 2015 warten, sagt Elverfeldt.

Der Wachstumstreiber ist dabei nicht das krisengeplagte Europa. Vor allem Kunden aus Asien sorgen beim 1780 gegründeten Stahlbau-Unternehmen für Hochkonjunktur. «Die Chinesen haben einen grossen Aufholbedarf», so der 52-jährige Betriebswirt, der vor acht Jahren das Ruder bei Mack Rides übernommen hat. Zudem liefert man auch nach Dubai. Und nicht zu vergessen nach Russland: Die Schwarzmeer-Stadt Sotschi rüstet das Vergnügungsangebot für die Olympischen Winterspiele von 2014 auf. Der Bürgermeister von Sotschi und der Gouverneur der Schwarzmeer-Region Krasnodar seien höchstpersönlich in der badensischen Kleinstadt vorbeigekommen.

Den Show-Room vor der Tür

Dass die Waldkircher Firma zum Imperium der Familie Mack gehört, ist für den Achterbahnbauer ein Vorteil. Die Familie Mack betreibt in der wenige Kilometer entfernten Stadt Rust seit 1975 den Europa-Park, den grössten Vergnügungspark Deutschlands. «Wir haben den Show-Room quasi vor der Tür und können unsere Produkte in voller Aktion vorführen», sagt von Elverfeldt.

Über 90 Prozent der Fahrattraktionen in Rust stammen aus Waldkirch. Darunter das Hightech-Modell «Blue Fire Megacoaster». Sie ist das innovativste Produkt aus dem Mack-Rides-Portfolio. Starke Magnete katapultieren die Wagen auf die Rundreise. Die Bahn beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer – so schnell wie keine andere Achterbahn im Europa-Park.

Obwohl die Stahlbau-Dépendance in Waldkirch Teil des Mack-Imperiums ist, wird sie als rechtlich eigenständige Firma mit beschränkter Haftung geführt. Aus Haftungsüberlegungen, wie Michael Mack betont: «So können wir verhindern, dass in einem Haftungsfall ein Kläger Regress auf die Betreibergesellschaften des Europa-Parks nehmen kann.» Er ist gemeinsam mit seinem Bruder Thomas in achter Generation in der Geschäftsführung des Familienunternehmens tätig.

Die Vorsicht ist berechtigt. Erst am 19. Juli kam es in einem Vergnügungspark von Six Flags in Texas zu einem tödlichen Achterbahn-Unfall. Die Bahn stammte zwar nicht von Mack Rides, aber von Elverfeldt weiss, dass Parkbetreiber das Thema Sicherheit nicht ernst genug nehmen können. «Statistisch gesehen sind Achterbahnen aber das sicherste Transportmittel der Welt», sagt der ehemalige PwC-Berater.

Die Zahlen der Branchenvereinigung für Vergnügungsparks IAAPA zeigen, dass es 10 bis 100 Mal wahrscheinlicher ist, dass Menschen beim Fischen, Skaten oder Golfen in gefährliche Unfälle verwickelt werden, als beim Besuch eines Vergnügungsparks.

Ein Markt für 200 Millionen Euro

Mack Rides legt bei der Herstellung viel Gewicht auf Sicherheit. «Wir arbeiten mit der Münchner Prüfgesellschaft TÜV und alle Anlagen werden nach dem Aufbau von uns gemäss der EU-Sicherheitsnorm geprüft», so von Elverfeldt. Für die Wartungsarbeiten würden die Käufer zudem genaustens instruiert.

Insgesamt verarbeitet Mack Rides jährlich 3000 bis 4000 Tonnen Stahl. Der weltweite Markt für grosse Achterbahnen wird auf 150 bis 200 Millionen Euro Jahresumsatz geschätzt. Mit einem Jahresumsatz von 32 Millionen Euro 2012 ist Mack Rides einer der Top-Player. Die Umsatzzahlen des grössten Konkurrenten sind nicht bekannt. Doch gemessen an der produzierten Schienenlänge dürfte der Westschweizer Achterbahn-Entwickler Bolliger & Mabillard die Nase vorne haben. Mack Rides produziert nämlich auch Kinderachterbahnen, die kürzer sind als Bahnen für Erwachsene.

Wie auch immer: «Wer einen Park bauen will, kommt an uns nicht vorbei», sagt von Elverfeldt. Auch nicht die Amerikaner, die die grössten Vergnügungsparks der Welt betreiben. Auch sie kaufen viele Bahnen in Europa ein. Das war schon in den Fünfzigerjahren so, als die starke Zunahme der US-Exporte Mack Rides ein hohes Wachstum bescherte. So ist es gut vorstellbar, dass demnächst auch ein Auftragszettel aus den USA auf der Wand vor den Entwicklungsbüros in Waldkirch landet.