Kloten-Konflikt

Abzug aus Zürich? So kontert der Flughafen-Chef die Drohung der Swiss

Die Lufthansa-Tochter stellt eine Verlagerung ihrer Flüge nach München zur Debatte. Ernsthafte Drohung oder einfach nur ein Bluff? Der Chef des Flughafens Zürich hat eine klare Meinung – aber auch ein neues Problem.

Swiss-Chef Thomas Klühr sprach Klartext: „Wenn’s nicht geht, geht’s halt einfach nicht“, sagte der Airline-Chef Anfang November im Interview mit dieser Zeitung. Er bezog sich auf die Situation am Flughafen Zürich, der zunehmend an seine Kapazitätsengpässe stösst – was die Swiss und ihre Passagiere in Form von Verspätungen zu spüren bekommen. Klühr weiter: „Machen wir uns nichts vor: Wenn Zürich über kurz oder lang die Situation hier nicht in den Griff bekommt und nicht nachfragegerecht wachsen kann, wird das Wachstum anderswo stattfinden müssen.“ Nicht, weil die Muttergesellschaft, die deutsche Lufthansa, das so wolle. Aber eben: Wenn es nicht gehe, gehe es halt einfach nicht. Als Alternative für weiteres Wachstum brachte Klühr den Flughafen München ins Spiel.

Droht Kloten also ein Exodus von Swiss-Maschinen? Stephan Widrig, Chef des Flughafens Zürich, glaubt nicht an ein solches Szenario, wie er dem „Südkurier“ sagt. „Die Swiss wird Zürich kaum den Rücken kehren.“ Im Gegenteil. Der Standort Zürich sei für die Swiss sehr attraktiv, weil sie hier höchste Qualität vorfinde und erfolgreich unterwegs sei, sagt Widrig gegenüber der Zeitung aus Süddeutschland. Tatsächlich stellte Klühr im selben Interview ein neues Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2018 in Aussicht.

Von 224 auf 176 Franken

Vorerst hat Flughafen-Chef Widrig ein anderes Problem. So hat die US-Bank Goldman Sachs heute Morgen das Kursziel der Flughafen-Aktie massiv gesenkt, von 224 auf 176 Franken. Der zuständige Experte der Bank schreibt, dass er die Gewinnschätzungen für 2018 bis 2022 um durchschnittlich 9 Prozent reduziere. Grund für die Senkung ist ein Entscheid des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Dieses hat kürzlich eine neue Gebührenordnung präsentiert. So will das Bazl, dass der Flughafen den Flugbetrieb stärker mit den Einnahmen aus den anderen Geschäftsfeldern subventioniert.

Swiss-Chef Thomas Klühr. (Archiv)

Swiss-Chef Thomas Klühr. (Archiv)

Der Flughafen Zürich hat sich im Rahmen der Vernehmlassung allerdings klar gegen diesen Vorschlag ausgesprochen. Neu sollen 50 Prozent der Einnahmen in den Flugbetrieb fliessen, die der Flughafen mit dem kommerziellen Angebot im Transitbereich erwirtschaftet. Bisher waren es nur 30 Prozent. Von den Parkhaus-Einnahmen sollen gar 75 Prozent statt wie bisher 30 Prozent an den Flugbetrieb gehen.

Auch die Börse reagiert

Gegen diesen Vorschlag protestiert der Flughafen Zürich heftig und bezeichnet die vorgeschlagene Änderung als „nicht nachvollziehbar“. Er taxiert sie als „Quersubventionierung der Flughafengebühren“. Käme es tatsächlich so weit, würden die Erträge auf der Luftseite des Flughafens in der nächsten Gebührenperiode ab 2020 um 25 Prozent oder 150 Millionen Franken tiefer ausfallen – so die Prognose der börsenkotierten Flughafenbetreiberin. In dem Fall seien auch künftige Investitionen in die Flughafeninfrastruktur gefährdet. Das Bazl hingegen entgegnet, der Flughafen operiere mit zu hoch gegriffenen Zahlen.

Fakt ist: Die Börse hat auf den Zwist reagiert – und das nicht erst seit der Herabstufung von Goldman Sachs. Lag die Flughafen-Aktie am 9. November noch bei einem Wert von rund 200 Franken, so sind es heute nur noch 170.

Flughafen-Zürich-CEO Stephan Widrig.

Flughafen-Zürich-CEO Stephan Widrig.

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