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Topmanager wollen oder müssen die Credit Suisse verlassen: Nun geht auch die Compliance-Chefin – nach nur 4 Monaten

Die Grossbank steckt im Umbruch – das Personalkarussell dreht sich merklich schneller, wie auch die Häufung von Managementwechseln zeigt.

Daniel Zulauf
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Nach wenigen Monaten schon wieder weg: Floriana Scarlato, die Leiterin der Compliance-Abteilung bei Schweizer Universalbank der CS.

Nach wenigen Monaten schon wieder weg: Floriana Scarlato, die Leiterin der Compliance-Abteilung bei Schweizer Universalbank der CS.

Zvg / Aargauer Zeitung

In der Credit Suisse dreht das Personalkarussell schneller. Am Montag gab die Bank den Austritt von Floriana Scarlato bekannt, die erst auf Anfang März zur Leiterin der Compliance-Abteilung im Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft berufen worden war.

«Mit sofortiger Wirkung zurückgetreten»

Scarlato ist laut Medienmitteilung «mit sofortiger Wirkung» von ihrer Funktion «zurückgetreten». Diese arbeitsrechtliche etwas eigenartig klingende Formulierung deutet darauf hin, dass die Bank die Managerin unmittelbar nach der Kündigung freigestellt hat. Über deren Nachfolge will die Credit Suisse «zu gegebener Zeit» informieren.

Scarlato war seit 2005 für die Grossbank tätig. Bis zu ihrem Wechsel in die Swiss Universal Bank leitete sie die Compliance-Abteilung des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäftes, das vom früheren Konzernchef Tidjane Thiam als eigene Division geschaffen und bis vor zwei Jahren von Iqbal Khan geleitet worden war, der zur UBS übergesiedelt ist.

Hintergrund der Kündigung dürften die Wechsel auf den obersten Managementstufen sein. Anfang April musste sich das konzernweit für ein regelkonformes Geschäftsgebaren (Compliance) zuständige Geschäftsleitungsmitglied Lara Warner verabschieden. Die Australierin war gleichzeitig oberste Risikochefin und musste in dieser Funktion die Verantwortung für die milliardenteuren Fehlinvestitionen der Investment Bank (Archegos) und der Asset-Management-Division (Greensill) übernehmen. Als Risikochef ad interim fungiert seither der Schweizer Joachim Oechslin.

Abgänge in der Investment Bank

Zeitgleich mit Warner verabschiedete die Credit Suisse auch den vormaligen Leiter der Investment Bank Brian Chin. Dessen Funktion wird jetzt vom Österreicher Christian Meissner wahrgenommen. Seit jenem Wechsel ist es in der Investment Bank vor allem in den USA zu einer auffallenden Häufung von Abgängen gekommen, welche in der Konzernleitung teilweise sehr bedauert würden, wie verschiedene Medien bereits berichtet haben.

Auch die Asset-Management-Division steht seit Anfang April unter der neuen Leitung des vormaligen UBS-Managers Ulrich Körner. Mit dem Auftrag, die entgleiste Division zurück in die Spur zu bringen trifft auch Körner personelle Entscheidungen.

Gemäss einer am Montag publik gewordenen internen Mitteilung hat er in der Person von Markus Ruetimann den richtigen Mann als rechte Hand gefunden. Der Schweizer war von 2004 bis 2016 Betriebschef (COO) des britischen Fondsanbieters Schroders gewesen. In dieser gleichen Funktion wird Ruetimann Körner jetzt auch bei der Credit Suisse unterstützten. Credit Suisse befindet sich derzeit in einem Prozess der Strategieüberprüfung. Konkrete Entscheidungen sind bis Ende Jahr zu erwarten.

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