Im Zuge der Aufarbeitung rund um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Motoren in den USA sind übers Wochenende Tests bekannt geworden, welche im Namen von VW, Daimler und BMW in den USA im Jahr 2014 durchgeführt worden sind. Demnach wurden im Wüstenstaat New Mexico zehn Affen während mehrerer Stunden in einem Testlabor in eine luftdichte Kammer gesteckt. Mit der Studie wollten Daimler, BMW und VW laut Presseberichten die angebliche Sauberkeit des modernen Diesels aus deutscher Autoproduktion beweisen und aufzeigen, dass die Schadstoffbelastung im Gegensatz zu früheren Modellen erheblich abgenommen hat. Die Absicht der Autobauer war klar: Den Ruf des Diesels als sauberen Antrieb retten.

Allerdings: Die zu Testzwecken verwendete Autos waren schon damals mit der manipulierten Software ausgestattet. Die den Affen zugeführten Stickoxidwerte entsprachen also nicht den realen Ausstosswerten im Strassenverbrauch. Zum Zeitpunkt der Studie genoss der Selbstzünder einen zweifelhaften Ruf, nachdem der Diesel von der Weltgesundheitsorganisation WHO 2012 als krebserregend eingestuft worden war. Perfid: Die in den USA an den Tieren durchgeführten Untersuchungen wurden – unter dem Deckmantel einer angeblich wissenschaftlichen Institution – von einer reinen Auto-Lobby-Organisation in Auftrag gegeben. Die «Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT)» ist nicht, wie der Name suggerieren könnte, eine unabhängige Forschungsstelle, sondern ein von Daimler, VW und BMW finanziertes Institut mit dem Auftrag, Forschungsergebnisse im Sinne der Autoindustrie zu veröffentlichen. Federführend soll der in Wolfsburg beheimatete VW-Konzern gewesen sein.

Tests an 25 jungen Menschen

Damit nicht genug: Wie unter anderem die «Stuttgarter Zeitung» am Montag publik machte, finanzierte die EUGT Tests mit Stickstoffdioxiden auch an Menschen. An der Universität Aachen sollen demnach 25 gesunde Menschen entsprechenden Belastungen ausgesetzt worden sein, die Ethikkommission soll die Studie allerdings als vertretbar bewertet haben. Die jungen Menschen atmeten das Gas in unterschiedlicher Konzentration ein, danach wurden die Probanden medizinisch untersucht.

Geharnischte Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Tests an Affen und Menschen via ihren Sprecher Steffen Seibert als «ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen». Die Empörung vieler Menschen sei «absolut verständlich». Auf Distanz zu den Versuchen gingen auch die abermals in den Fokus der Kritik geratenen Autokonzerne selbst. Sowohl Daimler als auch BMW und der Volkswagenkonzern distanzierten sich von den Abgas-Tests an lebenden Probanden, VW entschuldigte sich für die Affen-Versuche bereits am Wochenende. Daimler verurteilte Abgasversuche an Affen und Menschen «auf das Schärfste». Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks betonte in einer Stellungnahme, Stickoxide seien für den Menschen nachweislich gesundheitsschädigend. «Dass eine ganze Branche anscheinend versucht hat, sich mit dreisten und unseriösen Methoden wissenschaftlicher Fakten zu entledigen, macht das Ganze noch ungeheuerlicher», sagte sie und sprach von «widerwärtigen Experimenten».