Während des vergangenen Jahres habe man alle Möglichkeiten geprüft, sagte Ulrich Spiesshofer vor den Medien. Am Dienstag gab der ABB-Chef nun seinen Entscheid bekannt. "Das beste ist, wenn wir diese Sparte behalten und selber weiterentwickeln."

Spiesshofer sieht grosses Potenzial in der Sparte "Power Grids". Die Strom-Branche mache gegenwärtig grosse Veränderungen durch. Dies biete ABB grossartige Möglichkeiten - und Profit für die Aktionäre.

Das Geschäft mit Stromnetzen erwirtschaftet gegenwärtig rund ein Drittel des Konzernumsatzes. Kürzlich verkaufte ABB bereits einen kleinen Teil dieser Division.

Die schwedische Investmentgesellschaft Cevian, die 6 Prozent von ABB besitzt, hatte jedoch die Abspaltung des ganzen Stromnetz-Geschäftes gefordert. ABB sei ein verzetteltes, kompliziertes Konglomerat, das schwierig zu führen sei, begründete Cevian diese Forderung.

"Lange Zeit zu wenig geliefert"

Der Entscheid, das Stromnetz-Geschäft zu behalten, kommt bei Cevian deshalb nicht gut an. Das sei eine schlechte Entscheidung, teilte die Investmentgesellschaft mit. Die Komplexität des Konzerns sei ein Hindernis. Statt der möglichen 35 Franken liege der Aktienkurs gegenwärtig nur bei 22 Franken. Man erwarte nun baldige Fortschritte. "ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert."

Der grösste Aktionär, Investor AB, stärkt Spiesshofer jedoch den Rücken. Die Sparte zu behalten sei die richtige Entscheidung für Unternehmen und Aktionäre, erklärte die Anlagegesellschaft der schwedischen Familie Wallenberg, die 10 Prozent von ABB besitzt. "ABB ist zusammen mehr Wert ist als in Teilen."

"Ein Feuerwerk an Taten"

Statt mit einer Zerlegung will die Konzernspitze die Aktionäre nun mit einem "Feuerwerk an Taten" zufriedenstellen, wie es Spiesshofer ausdrückte. Wichtigster Teil dieses Feuerwerks ist es, die Stromnetz-Sparte umzubauen und profitabler zu machen.

Dazu geht ABB unter anderem zwei neue Partnerschaften ein: mit dem US-Unternehmen Fluor bei den Umspannwerken und mit dem Norweger Unternehmen Aibel, die Offshore-Windanlagen baut.

Auch eine dritte Partnerschaft soll mehr Profit bringen. ABB baut zusammen mit Microsoft ein neues Digitalgeschäft auf: ABB Ability. "Darin sehen wir riesiges Wachstumspotenzial. Viele unserer Kunden sind erst am Beginn der Digitalisierung", sagte Spiesshofer.

Das neue Geschäft soll etwa Betreibern von Offshore-Gasplattformen ermöglichen, direkt mit ihren Anlagen zu kommunizieren. Kurz: Ist die Anlage defekt, meldet sie sich selber.

"Fett und ineffizient"

Um profitabler zu werden, dreht ABB gleichzeitig weiter an der Sparschraube. Bereits 2013 habe man gemerkt, dass man fett und ineffizient geworden sei, sagte Spiesshofer. Seither habe man viel eingespart, sogar mehr als ursprünglich geplant. Statt nur einer Milliarde Dollar will ABB deshalb neu 1,3 Milliarden sparen.

In den kommenden zwei Jahren will der Konzern zudem seine Marke stärken. Die rund 1000 Unternehmensmarken sollen vereinheitlicht werden, so dass alle künftig unter dem ABB-Logo arbeiten.

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, kündigte der Konzern am Dienstag auch ein zweites Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 3 Milliarden Dollar für 2017 bis 2019 an. Im September hatte der Konzern ein erstes Rückkaufprogramm abgeschlossen.

In den letzten drei Jahren verteilte ABB gemäss eigenen Angaben 8,7 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner.