ABB

ABB schnallt Gürtel noch enger

CEO Joe Hogan: «Die Hälfte der Einsparungen konnten wir im Einkauf erzielen».

ABB schnallt Gürtel noch enger

CEO Joe Hogan: «Die Hälfte der Einsparungen konnten wir im Einkauf erzielen».

ABB machte 2009 weniger Umsatz und Gewinn: Nur dank eiserner Kostendisziplin konnte der Industriekonzern die Betriebsmarge halten. Und das Sparen geht weiter. Der Industriekonzern will in diesem Jahr weitere drei Milliarden Dollar Kosten einsparen.

Sven Millischer

Über 1000 Projekte sind derzeit bei ABB weltweit am Laufen. Jede Geschäftseinheit und jede Abteilung wird durchleuchtet. Das Ziel: Strukturen zu optimieren und Kosten einzusparen. Allein 2009 ist so die Summe von 1,5 Milliarden Dollar zusammengekommen. Und für das laufende Jahr sollen weitere 3 Milliarden eingespart werden, eine mehr als bisher geplant. Dies, weil das Sparprogramm besser angelaufen ist als erwartet.

«Die Projektteams haben einen sehr guten Job gemacht», sagt UIrich Spiesshofer stolz. Der neue Leiter Discrete Automation and Motion und ehemalige Consultant bei Roland Berger gilt als treibende Kraft hinter dem rigorosen Sparprogramm, das verschiedene Standbeine hat.

Dorthin, wo die Kunden sind

Da ist zum einen der Fokus auf die Schwellenländer. Von dort kamen im vierten Quartal 2009 erstmals mehr Bestellungen als aus den Industrieländern. Für ABB bedeutet dies, die Kapazitäten in China, Indien oder Brasillien weiter zu erhöhen: «Wir müssen unsere Wertschöpfung dorthin verlagern, wo unsere Kunden sind», sagt Spiesshofer dezidiert. Neben der Produktion vor Ort bedeutet dies: Der Energie- und Automationskonzern kauft bei lokalen Zulieferern ein, statt die Rohwaren teuer zu importieren.

So lassen sich die Währungsschwankungen verringern und der Aufwand entspricht den Marktgegebenheiten. Zum anderen setzt ABB auf «Global Sourcing», eine reorganisierte Beschaffung. Denn allein in der Sparte Energietechniksysteme entfallen rund 70 Prozent der Kosten auf den Einkauf. Im Sandwich zwischen Margendruck und Einkaufsvolumen spielt der Industriekonzern neu seine Trümpfe konsequent aus: Nämlich über alle Divisionen hinweg die Beschaffung so zu koordinieren, dass ABB weltweit die besten Konditionen erzielt. Gleichzeitig hat der Industriekonzern die Zahl der Zulieferer drastisch verringert, was die Komplexität reduziert hat. Insgesamt konnte ABB so im vergangenen Jahr 800 Millionen Dollar einsparen und im laufenden Jahr sollen es nochmals 1,5 Milliarden werden.

Zentralisierte Administration

Daneben hat Spiesshofer auch im Konzern die Kostendisziplin weiter gestärkt: Um 8 Prozent haben sich die Administrativkosten verringert. Die IT-Systeme wurden vereinheitlicht, die Finanzbuchhaltung auf Länderebene konzentriert und statt auf teuere Reisen hat der kostenbewusste Manager seine Kader vermehrt in den Videokonferenz-Raum beordert. All dies seien Kostenreduktionen, die erhalten blieben, sagt der 45-jährige Deutsche: «Auch wenn der Aufschwung wieder einsetzt.»

Bis dahin bleibt ABB in Lauerstellung: Die Kriegskasse für mögliche Übernahmen wird gefüllt. Man heuert mehr Verkäufer an, erhöht die Dividende um 6 Prozent und gibt 5 Prozent mehr für Forschung und Entwicklung aus: «Wir wollten schliesslich nicht in jene Muskeln schneiden, die uns Wachstum sicherstellen», bekräftigt Spiesshofer zum Schluss.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1