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ABB-Chef Spiesshofer: «Wir sehen keine Nervosität bei den Stromnetzen»

Ab kommendem Jahr fasst die ABB ihre Aktivitäten im Bereich der Stromnetze in einer einzigen Division zusammen. Obwohl diese weltweit führend sein wird, wächst der Druck auf Konzernchef Spiesshofer. Dieser bleibt jedoch gelassen.

Fabian Hock, Neu Delhi
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ABB-Chef Ulrich Spiesshofer muss im dritten Quartal Einbussen bei Umsatz und Gewinn seines Konzerns hinnehmen. (Archiv)

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer muss im dritten Quartal Einbussen bei Umsatz und Gewinn seines Konzerns hinnehmen. (Archiv)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Herr Spiesshofer, trotz guter Aussichten wird immer wieder die Frage laut, ob ABB ohne die Stromnetzsparte nicht besser aufgestellt wäre. Wie passt das zusammen?
Zunächst einmal wird die ABB von der Konzernleitung unter der Aufsicht des Verwaltungsrats geführt. Wir schauen unsere Geschäfte an und entwickeln sie in der Weise, wie wir es für richtig halten. Wir haben Druck vom Wettbewerb und wir haben Kundenanforderungen, letztere sind uns am wichtigsten. Mit unseren Aktionären haben wir einen regen Austausch, das ist uns ebenfalls wichtig. Wenn jemand Ideen bringt, hören wir aufmerksam zu und bauen sie auch in unsere Überlegungen ein. Wir sehen aber überhaupt keine Nervosität im Bereich Stromnetze.

Trotzdem führen Sie eine Portfolioüberprüfung durch.
Die neue Konstellation ab 2016 mit der neuen Division Stromnetze wird uns ermöglichen, alles aus einer Hand zu liefern, was ein Kunde im Bereich Stromübertragung braucht. Wenn man so einen Bereich formt, muss man langfristig denken, deshalb machen wir die Portfolioüberprüfung, schauen uns Technologien an, die Endmärkte, die Geschäftsmodelle und die Eigentümerstruktur.

Am Ende steht also nicht zwingend der Verkauf?
Wir haben dasselbe 2009 mit der Robotersparte gemacht. Damals waren Viele nervös und forderten den Verkauf, weil Robotics ein Verlustgeschäft war. Wir sind ruhig geblieben und haben genau das gemacht, was wir jetzt mit der Stromnetzsparte machen. Auch damals lagen der Verkauf, ein Joint Venture und die Möglichkeit, die Sparte zu behalten auf dem Tisch. Heute ist Robotics einer unserer Ergebnisstars, die Sparte wächst und ist hochprofitabel.

Riskieren Sie nicht, dass jemand ein Angebot macht, das Sie nicht ablehnen können?
Wenn jemand kommt und ein Angebot macht, soll er das gerne tun. Wir werden dann auch das in unseren Überlegungen berücksichtigen. Den Prozess deswegen abbrechen werden wir jedoch nicht. Im Jahr 2016 wird die Entscheidung getroffen. Wir sind uns über den Fahrplan im Verwaltungsrat und in der Konzernleitung absolut einig.

Wie wichtig ist die Gleichstromübertragungstechnik, die derzeit in Indien eingesetzt wird, innerhalb der Stromnetzsparte?
Die Welt wird in Richtung erneuerbare Energien gehen. In diesem Markt gibt es explosionsartiges Wachstum und damit auch einen enormen Bedarf an dieser Technologie. Wir haben mit dem North-East-Agra-Projekt nicht nur bewiesen, dass wir die Technologie haben, sondern auch, dass wir solche Projekte umsetzen können.

Wichtige Elemente dafür werden im Aargau gefertigt. Wie steht es um die hiesigen Standorte?
Auf die ABB Schweiz und unser Team dort bin ich unglaublich stolz. Um die Leistungsfähigkeit weiter zu verbessern, haben wir das Prinzip der Leistungsachsen eingeführt, etwa zwischen Turgi und Polen. Wenn man diese Kooperationen intelligent führt, kann man Beschäftigung sichern. Ich bin zuversichtlich, dass es hier auch in Zukunft gut weiter geht.

Ist es auch noch in Zukunft sinnvoll, etwa die Halbleiter in Lenzburg herstellen zu lassen?
Die Halbleiter-Fertigung ist ein kapitalintensives, hochautomatisiertes Geschäft. Die Auslastung hat zeitweise Potenzial, wir müssen schauen, dass wir noch mehr Aufträge erhalten. In Lenzburg haben wir ein Kompetenzzentrum, das hervorragend positioniert ist, das werden wir nicht anfassen und ins Ausland verlegen nur um ein paar Franken zu sparen.

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