Hochgeschwindigkeit

Ab April 32 Minuten schneller mit dem TGV von Strassburg nach Paris

Der TGV-Est auf der 106 Kilometer langen Neubaustrecke von Strassburg nach Lothringen, hier zwischen Metz und Nancy, bei der ersten Probefahrt.

Der TGV-Est auf der 106 Kilometer langen Neubaustrecke von Strassburg nach Lothringen, hier zwischen Metz und Nancy, bei der ersten Probefahrt.

Die fehlenden 106 Kilometer auf der neuen TGV-Strecke Strassburg–Paris wurden für 2 Milliarden Euro fertiggestellt. Drei Monate lang werden Testfahrten stattfinden, dann wird die Strecke an SNCF übergeben. Ab April wird sie in Betrieb genommen.

Die Testfahrten auf der neuen TGV-Strecke zwischen Strassburg und Paris haben diese Woche begonnen. Die fehlenden 106 Kilometer zwischen der elsässischen Hauptstadt und Lothringen wurden für 2 Milliarden Euro fertig gestellt. Darin enthalten sind 129 Brücken und ein vier Kilometer langer Tunnel durch die Vogesen, der aus zwei Tunnelröhren besteht.

Mit den Arbeiten war im Sommer 2010 begonnen worden. Bei den Tests werden die Hochgeschwindigkeitszüge am Anfang 160 Stundenkilometer schnell fahren, später sollen sie 352 Stundenkilometer erreichen. Der Zug ist mit einem extra Laborwagen ausgestattet. Die Tests werden drei Monate dauern und meistens am Tag stattfinden. Es sind 200 Hin- und Retourfahrten zwischen Vendenheim bei Strassburg und dem lothringischen Baudrecourt geplant. Ziel ist es, die Strecke Mitte Januar an den Betreiber SNCF zu übergeben.

32 Minuten schneller in Paris

Die Neubaustrecke verkürzt die 406 Kilometer lange Fahrt von Strassburg nach Paris von derzeit 2 Stunden und 12 Minuten auf eineinhalb Stunden; es gibt also einen Zeitgewinn von 32 Minuten. Die Verbindung, bei der der Zug im normalen Betrieb bis zu 320 Stundenkilometer fährt, soll am 3. April 2016 in Betrieb genommen werden. Vorgesehen sind täglich 16 Fahrten zwischen Strassburg und Paris. Vier Züge werden bis nach Colmar verlängert.

Ausserdem gibt es mehr Züge nach Deutschland und pro Tag zwei TGVs von Strassburg nach Brüssel. Da die Zugverbindung von Basel nach Strassburg ausgesprochen gut ausgebaut ist, ergeben sich für Bahnkunden aus dem Raum Basel mit einmal Umsteigen zusätzliche Möglichkeiten für Reisen nach Paris. TGV Lyria bietet derzeit von Basel über Dijon zum Gare de Lyon täglich sechs umsteigefreie Fahrten von und nach Paris an, die drei Stunden dauern.

Mehr Offerten, mehr Verkehr

«Generell ist Konkurrenz immer gut: Mehr Offerten führen zu mehr Verkehr», antwortet Andreas Bergmann, Geschäftsführer von TGV Lyria, der bz auf die Frage, ob er sich Sorgen mache, durch den Ausbau des TGV-Est Kunden zu verlieren. Er zeigt sich überzeugt vom Produkt Lyria, das sich durch zusätzliche Serviceangebote in der 1. Klasse, einer binationalen Zugbegleitung und bei einer Toleranz von 15 Minuten mit einer Pünktlichkeit von 94 Prozent auszeichne. «Wir beobachten die Situation natürlich», präzisiert er.

Bergmann fährt fort: «Der Wachstum auf unserer Strecke liegt im zweistelligen Bereich und wir wollen die Achse weiter entwickeln.» Die Einrichtung eines zusätzlichen Frühzuges um 6.30 Uhr ab Basel SBB, der um 9.30 Uhr in Paris wäre, werde weiterverfolgt.

Wenig begeistert dürfte man im Südelsass von der Entwicklung des TGV-Est sein. So ist der Ausbau der fehlenden 50 Kilometer des Ost-Astes des TGV Rhin-Rhône zwischen Mulhouse und Belfort und vor Dijon wegen Finanzierungsproblemen frühestens ab 2030 denkbar. Dabei hatte sich allein das Elsass mit immerhin 236 Millionen Euro am Ausbau des TGV-Est beteiligt. Der TGV Rhin-Rhône aber muss warten.

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