«Der Kanton Aargau hat die Weichen in den letzten Jahren richtig gestellt«, freut sich Peter Bühlmann, Chef der Neuen Aargauer Bank (NAB). «Das zeigt der erstmals erreichte Podestplatz in unserem Standort-Ranking eindrücklich.»

Tatsächlich: Als Wirtschaftsstandort hat sich der Kanton Aargau in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert und rangiert aktuell auf dem dritten Platz. Dies nach Rang 7 im Jahr 2008 und Rang 6 im Jahr 2009. Das zeigt die gestern publizierte NAB-Regionalstudie Aargau 2010.

Das von den Ökonomen der NAB-Mutter Credit Suisse erarbeitete Kantons-Ranking umfasst fünf harte und weiche Kriterien. Konkret die Steuerbelastung für Private, die Steuerbelastung für Unternehmen und die Verkehrsanbindung als harte Standortfaktoren. Als weiche Faktoren fliessen der Ausbildungsstand der Bevölkerung und die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Arbeitskräften in die Rangliste ein.

Auf den dieses Jahr erstmals erreichten Podestplatz kann der Kanton gemäss CS-Ökonom Thomas Rühl stolz sein: «Der Aargau ist ein attraktiver Standort, weit weg vom Klischee des Rüeblikantons.» Was der Kanton in Sachen Standortqualität habe beeinflussen können, das habe er auch gemacht. «Jetzt gilt es noch, den Ruf des Kantons im Rest der Schweiz zu verbessern.»

Was aber macht denn genau die besondere Stärke des Aargaus aus? Für die Credit Suisse sind in erster Linie drei Faktoren entscheidend:

Erreichbarkeit: Durch den Aargau führen drei Autobahnen, weite Teile des Kantons sind an das Zürcher S-Bahn-Netz angeschlossen und seit der Eröffnung des Üetlibergtunnels profitiert die Region Mutschellen von deutlich kürzeren Reisezeiten nach Luzern und nach Zürich. Zudem liegt der Kanton Aargau optimal zwischen den Wirtschaftszentren Zürich und Basel. Auch die Hauptstadt Bern ist nicht weit. Kurz: Verkehrstechnisch ist der Kanton fast optimal aufgestellt. Die Anbindung ist der grosse Trumpf des Aargaus. «Wenn der öffentliche Verkehr in der Region Freiamt noch verbessert wird, könnte sich der Kanton sogar weiter verbessern», kommentiert Rühl.

Steuern: Für Unternehmen ist die fiskalische Belastung im Vergleich mit den meisten anderen Schweizer Kantonen tief. Ähnliches gilt auch für private Personen: Im Aargau müssen sie den Steuerbehörden weniger abliefern als sonst wo. Besonders ausgeprägt gilt das in der Region Mutschellen. Die Gemeinden dort gehören punkto Standortqualität nicht nur im Aargau, sondern schweizweit zur absoluten Spitze.

Branchenmix: Zwar ist der Kanton Aargau verglichen mit dem Rest der Schweiz nach wie vor industriell geprägt. Während schweizweit bloss 29 Prozent der Wirtschaftsleistung von Firmen im zweiten Sektor erwirtschaftet werden, sind es im Aargau 38 Prozent. Aber: Es geht hier nicht mehr um traditionelle Industriebetriebe, sondern um High-Tech-Industrie. In gewissen Regionen haben diese High-Tech-Betriebe in den letzten Jahren deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als das Sozialwesen oder der Staat. Letztere sind im Schnitt die grössten Treiber des Beschäftigungswachstums. Folge des Strukturwandels: Die Regionen des Kantons haben verglichen mit dem Schweizer Schnitt die besseren Aussichten, auch in den kommenden Jahren überdurchschnittlich zu wachsen (siehe Grafik). Spitzenreiter hier ist das Fricktal – vor allem dank dem Basler Pharma- und Bio-Tech-Cluster.