Ex-Konzernchef

7 Jahre Freiheitsstrafe: Pleitier Rolf Erb steht vor dem Gang ins Gefängnis

Rolf Erb, einstiger Präsident der Erb Gruppe, versucht immer noch mit allen juristischen Mitteln, dass Schloss Eugensberg im Thurgau nicht in die Konkursmasse fliesst. Abgelehnte Beschwerden hat seine Lebenspartnerin vor das Bundesgericht weitergezogen.

Feudaler gehts kaum: Mittendrin im 894'000 Quadratmeter umfassenden Grundbesitz steht Schloss Eugensberg. Seit 1991 residiert hier Rolf Erb, einst «Präsident der Konzernleitung» der Winterthurer Erb Gruppe. Das im Autohandel gross gewordene Firmenkonglomerat kollabierte im Dezember 2003. Seither machten der Pleitier und seine Lebenspartnerin eine Einsprache nach der anderen, um das Schloss dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen.

Die letzte machte Erbs Lebenspartnerin kurz vor Weihnachten: Sie zog einen Beschluss des Obergerichts des Kantons Thurgaus vom 7. Dezember vor Bundesgericht. Dies bestätigt der Anwalt der Gläubiger, Matthias Hotz, gegenüber der «Nordwestschweiz».

Die Oberrichter lehnten die zwei Beschwerden von Rolf Erb und seiner Lebenspartnerin gegen die Auszugsverfügung des Thurgauer Konkursamts ab. Es verlangte, dass der Pleitier und seine Angehörigen bis Ende Januar ihren Wohnsitz ob Salenstein verlassen müssen.

Offen ist, ob die Beschwerde aufschiebende Wirkung hat. Bejaht dies das Bundesgericht, dauert es wohl noch einige Monate, bis sich Erbs Lebenspartnerin und seine Zwillinge eine neue Unterkunft suchen müssen. Letzteren hatte Rolf Erb das Schloss im Frühjahr 2003 überschrieben.

Sieben Jahre Freiheitsstrafe

Der einstige Konzernchef muss seine Bleibe möglicherweise schneller verlassen. Er werde «bald» seine Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen gewerbsmässigem Betrug, mehrfacher Urkundenfälschung sowie Gläubigerschädigung antreten müssen, sagen gut unterrichtete Kreise. Dieses Urteil des Zürcher Obergerichts hatte das Bundesgericht im September 2015 bestätigt.

Rolf Erb war für die «Nordwestschweiz« nicht zu sprechen. Das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürichs darf gemäss einer Sprecherin aus «Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nichts zu Einzelpersonen» sagen. Einer rechtskräftig verurteilten Person wird ein Termin mitgeteilt, wann sie die Strafe anzutreten hat. Diese Verfügung kann beispielsweise wegen mangelnder Hafterstehungsfähigkeit angefochten werden. Dritte und letzte Instanz ist das Bundesgericht. Das kann dauern, denn Rechtsmittelbeschwerden haben aufschiebende Wirkung.

Angeklagt wurde Rolf Erb, weil er die Zahlen des von seinem Vater Hugo Erb gegründeten Firmenimperiums geschönt hat. Mit den manipulierten Bilanzen beschaffte er sich bei Banken Kredite. Oder verhinderte so, dass Geldhäuser bereits gewährte zurückforderten. In Schieflage geriet die Erb Gruppe wegen kostspieliger Fehlinvestitionen, insbesondere in ein deutsches Immobilienunternehmen. Daraus resultierte die zweitgrösste Firmenpleite der Schweizer Geschichte. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Milliarden Franken. Verluste erlitten vorwiegend Banken, die der Erb Gruppe Darlehen gewährt hatten.

Vermögenswerte noch vor Kollaps überschrieben

Als sich der Kollaps der im Autohandel gross gewordenen Gruppe abzuzeichnen begann, überschrieb Erb eine Reihe von Vermögenswerten an seine Zwillinge und seine Lebenspartnerin. Dazu zählten Schloss Eugensberg, dessen Inventar, eine Oldtimersammlung, weitere Immobilien und Aktien, darunter diejenigen der Schlosshof Immobilien AG. Ihr gehören das Zentrum Töss in Winterthur und mehr als 100 Wohnungen in Seuzach. Im Oktober 2015 verfügte das Bundesgericht letztinstanzlich, dass diese Aktiven im Wert von Dutzenden von Millionen Franken den Gläubigern auszuhändigen seien.

Der Verwertungsprozess sei eingeleitet worden, sagt Matthias Hotz: «Bereits flossen namhafte Beträge in die Konkursmasse.» Noch nicht verkauft sind die Liegenschaften. «Mittlerweile haben sich zahlreiche Interessenten gemeldet, die das Schloss erwerben möchten», sagt der Gläubigeranwalt. Zusätzlich werde in Kürze ein spezialisierter Immobilienmakler beauftragt, den Markt auszuloten, um den für die Gläubiger bestmöglichen Ertrag zu erzielen.
Spannend ist, wie Rolf Erb die Übertragung des Schlosses an seine Zwillinge orchestriert hat.

Gekauft wurde die feudale Immobilie 1990 von der zur Erb Gruppe zählenden Hugo Erb AG. Diese verkaufte die Immobilie im Februar 2003 angeblich für 27 Millionen Franken an Rolf Erb. Er schenkte sie zwei Monate später seinen Zwillingen. Rolf Erb liess sich ein lebenslanges Nutzniessungsrecht einräumen. Ein Geldfluss für den Kauf liess sich nicht festgellen. Dazu kam: Die Hugo Erb AG berappte gemäss Obergerichtsurteil auch nach der Übertragung Unterhaltskosten für das Schloss.

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