Ein cleverer Schachzug: Auf Anfang 2016 lancierte der Winterthurer Krankenversicherer Swica in der Deutschschweiz das neue Grundversicherungsmodell Medpharm. Weil sich damit unnötige Behandlungskosten einsparen lassen, erhalten die Versicherten einen Prämienrabatt von bis zu 19 Prozent. Wer es wählt, muss sich im Krankheitsfall erst an eine der 118 Top-Pharm-Apotheken oder die telefonische Gesundheitsberatung Sante24 wenden.

Dieses sogenannte «Managed Care»-Angebot schlug ein. Die Swica legt in der Grundversicherung um 52000 Kunden zu, wie Sprecherin Silvia Schnidrig bestätigt: «Grund für diese erfreuliche Entwicklung ist insbesondere die gute Nachfrage nach dem Modell Medpharm.» Damit gewinnt die Swica auf 2016 am meisten neue Grundversicherte.

Dahinter folgen die beiden Luzerner Versicherer: Die CSS-Gruppe legt in der Grundversicherung um rund 30000 Kunden zu, wie Sprecherin Carole Sunier bestätigt. Die Concordia rechnet gemäss Sprecherin Esther Schmid mit einem Wachstum von 10000 Versicherten.

Wachstum der Assura gestoppt

Dies ergab eine Umfrage der «Nordwestschweiz» unter den grössten Krankenversicherern sowie denjenigen im Kanton Aargau. Die Angaben sind noch provisorisch. Definitive Zahlen stehen erst Ende Januar fest. Wechseln darf nämlich nur, wer beim alten Versicherer nicht in der Kreide steht; das heisst alle Prämien sowie Kostenbeteiligungen bezahlt hat. Aus diesem Grund mag Sprecher Christian Feldhausen die Zunahme der Walliser Groupe Mutuel noch nicht genau beziffern.

Vorderhand gestoppt ist das ungestüme Wachstum der Assura mit 914000 Grundversicherten. Dank Tiefstprämien zog die Lausanner Billigkasse in den vergangenen zwei Jahren mehr als 200000 Grundversicherte an. Das blieb nicht folgenlos. Die Assura muss ihre Grundversicherungsprämien im Schnitt auf 2016 um 9,3 Prozent anheben.

Dennoch blieben die Waadtländer relativ günstig. Daher rechnen sie mit einer «Stabilisierung» der Versichertenzahl. Ihre Kundenzahl halten konnten auch die Helsana-Gruppe sowie die in Baden domizilierte Aquilana.

Höhere Rabatte für neue Modelle

Eigentlich wären grössere Verschiebungen zu erwarten gewesen. Denn der Anstieg der Prämien mit der Minimalfranchise von 300 Franken inklusive Unfalleinschluss beläuft sich im Schnitt auf vier Prozent. Zudem werden Hausarztmodelle oder andere sogenannte «Managed Care»-Angebote überdurchschnittlich teurer. Denn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) liess nur noch Rabatte zu, welche den durch die eingeschränkte Arztwahl erzielten Kosteneinsparungen entsprechen.

Daher sind die Rabatte bestehender Modelle in der Regel tiefer als diejenigen von neuen. Das ist mit ein Grund, warum Neulancierungen wie Medpharm der Swica bei wechselwilligen Kunden so beliebt sind.

Spitzenwert für KK Birchmeier

Insgesamt konnte die Mehrzahl der grössten Grundversicherer neue Kunden anziehen. Weggenommen haben sie diese wohl weitgehend kleineren Kassen. Davon nicht betroffen sind einmal mehr die beiden Aargauer Anbieter. Die in Künten domizilierte kleine KK Birchmeier konnte gar 2000 neue Grundversicherte anlocken. Das entspricht einem stolzen Wachstum von rund 20 Prozent – ein absoluter Spitzenwert.

Auf der Verliererseite liegt die EGK. Verlassen haben sie 7000 Grundversicherte. Trösten können sich die Laufener damit, dass dies der geringste Verlust seit 2012 ist. Damals musste der Versicherer wegen einer spektakulär gescheiterten Wachstumsstrategie eine unterjährige Prämienerhöhung durchführen. Daher sagt Sprecherin Ursula Vogt: «Wir betrachten die deutlich verlangsamte Bestandesreduktion als weiteren Schritt auf dem Weg der Gesundung.»

Von einem «leichten Rückgang» geht gemäss Sprecherin Jacqueline Perregaux auch der Basler Krankenversicherer Sympany aus. Die Visana-Gruppe hofft, dass sie ihren Bestand «knapp halten» kann. Sprecher David Müller schliesst aber auch einen «marginalen Verlust» nicht aus. Klarheit bestehe erst gegen Ende Januar.