Nie war Trevor Somerville arbeitslos. Bis der Elektroingeneur mit 59 die Kündigung erhielt. Es kam zu einem Führungswechsel und er wurde zur Geschäftsleitung zitiert. «Es hiess: Es tut uns leid, aber Sie sind nicht mehr vorgesehen in der neuen Struktur.» So ging es auch Heidi Joos: «Ich passte nicht mehr zur Chemie der neuen Führung.»

Heidi Joos war Verlagsmanagerin, Politikerin, hatte eine Führungsfunktion bei einer kantonalen Behörde inne. Heute ist sie Geschäftsführerin des Verbands Avenir50plus, der sich für die Interessen älterer Erwerbsloser einsetzt.

Trevor Somerville ist Elektroingenieur, ursprünglich aus Australien, die Managementausbildung MBA hat er in der Schweiz absolviert, 14 Jahre war er bei Nestle tätig, 16 Jahre bei einer grossen Maschinenbaufirma, wo er 2016 seine Stelle verlor.

180'000 Stellen sind unbesetzt in der Schweiz, und doch: Arbeitsuchende über 50 werden meist gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. So ist aktuell jeder fünfte Sozialhilfeempfänger über 50.

Was sind die Gründe und welche Massnahmen müssen getroffen werden, «gegen die tickende soziale Zeitbombe», wie es Moderator Markus Gilli in der Sendung «TalkTäglich» bei Tele Züri sagt. Somerville und Joos waren am Mittwochabend seine Gäste, um genau diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

«Keine Chance, für weniger Lohn zu arbeiten»

«Es wird immer wieder gesagt, wir sind zu teuer», sagt Heidi Joos. Vor allem wegen der Pensionskassenbeiträge, die bei älteren Arbeitnehmern im Vergleich bis zu zehn Prozent höher ausfallen als bei jungen. «Der Arbeitnehmer bekommt aber gar nicht die Chance, zu sagen, er würde die Arbeit auch für weniger Lohn machen», so Joos.

Oder für einen Job, in dem man vielleicht überqualifiziert wäre. Joos bewarb sich just beim Sozialamt für eine Stelle mit kleinerem Verantwortungsbereich. «Ja und?», fand sie dazu und fragte: «Wollen Sie denn warten, bis ich hier beim Sozialamt zur Türe reinkomme? Da lachte man nur.» Seine gute Qualifikation, die stand auch Trevor Somerville oft im Weg.

Avenir50Plus fordert Lösungen für ältere Arbeitslose

Avenir50Plus fordert Lösungen für ältere Arbeitslose

Der Verband «Avenir50plus» fordert vom Bundesrat konkrete Schritte zur Verbesserung der Situation von älteren Erwerbslosen. Der Bund versuche das Problem auszusitzen und tue zu wenig, lautet der Vorwurf. Der Verband bekräftigte am Montag seine Forderungen anlässlich eines Protests im Vorfeld einer Veranstaltung, die das Wirtschaftsdepartement Ende Woche organisierte.

Avenir50plus-Geschäftsführerin Heidi Joos berät Arbeitslose in dieser Situation. Sie sagt, ältere Arbeitsuchende würden systematisch diskriminiert – etwa durch Bewerbungsfilter. «Ich höre immer wieder von Betroffenen, dass sie ihre Bewerbung nach fünf Minuten bereits wieder zurück erhalten», sagt sie. Der Verband fordert deshalb mehr Schutz vor dieser Diskriminierung.

«Es ist ein Kampf, sich jeden Tag zu motivieren», sagt Trevor Somerville. Doch: «Die Zeit läuft ab. Was in vier, fünf Monaten ist, weiss ich nicht.» (smo)

Sehen Sie hier die Sendung in voller Länge:

Über 50 und arbeitslos

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Menschen über 50 ohne Arbeit landen fast direkt auf dem Sozialamt. In diesem Alter einen Job zu finden, ist praktisch unmöglich. Gibt es eine Lösung?