Vor 30 Jahren wurde der schweizerische Teletext ins Leben gerufen. Die Funktionen sind simpel, die Informationen haben wenig Tiefgang und das Design ist unattraktiv. Die oft beschworene Konvergenz von Bild, Text und Ton fehlt komplett. Trotzdem hält sich der Teletext hartnäckig in der Medienlandschaft. Über den traditionellen TV-Kanal hat Teletext eine tägliche Nettoreichweite von rund 900 000 Personen, hinzu kommen die Website und stark zunehmende Mobile-Nutzerzahlen. Auch die Jungen stehen auf die «schwarze Tafel»: Ein Drittel der Leser ist noch keine 35 Jahre alt. Das Schweizer Fernsehen kann von einem so jungen Publikum nur träumen.

Woher kommt die anhaltende Beliebtheit von Teletext? «Wir sind sofort verfügbar, haben eine hohe Glaubwürdigkeit und sind sehr übersichtlich», sagt Julien Kurt, Kommunikationsleiter der Schweizerischen Teletext AG. Viele Nutzer wüssten die Zahlen für ihre Lieblingsseiten auswendig – seien es die neuesten Auslandnews (130), die Wettervorhersagen (150) oder die Schweizer Fussballresultate (201).

Relativ gut ins neue Medienzeitalter

Spurlos gingen die Umwälzungen in der Medienbranche aber auch an der SRG-Tochter nicht vorbei. Kein Wunder: Mit dem Aufkommen von Internet-Newsportalen – die auch auf dem Smartphone jederzeit verfügbar sind – hat Teletext starke Konkurrenz erhalten. Die Zugriffe über den traditionellen TV-Kanal nahmen über die letzten sechs Jahre denn auch um rund ein Drittel ab. Die Online- und Mobile-Versionen von Teletext konnten diese Verluste nicht ganz kompensieren, auch wenn vor allem die Zugriffe via Smartphone jüngst stark zugenommen haben; im letzten Jahr um 62 Prozent. Bis Ende September 2013 ist die Teletext-App bereits 116 000 Mal heruntergeladen worden.

Insgesamt kann man sagen, dass es der antiquarisch anmutende Teletext-Service relativ gut ins moderne Medienzeitalter geschafft hat – zumindest was die Nutzerzahlen betrifft. Ertragsmässig musste Teletext dagegen deutlich grössere Verluste hinnehmen. Der Umsatz hat sich seit 2007 beinahe halbiert (siehe Grafik oben).

Zu wenig Geld aus Mobile-Werbung

Ein Grund für den überproportionalen Ertragseinbruch ist das allgemeine Werbeumfeld. Viele Unternehmen haben ihre Werbebudgets in den letzten Jahren zusammengestrichen. «Die übrig gebliebenen Gelder werden meist gebündelt in ein Hauptmedium investiert», sagt ein Werbefachmann. Komplementärmedien wie Teletext – auf denen eine Werbekampagne früher oft ergänzt wurde – würden dadurch vermehrt leer ausgehen. Zudem habe Teletext für Werbende den Nachteil, dass die visuellen Gestaltungsmöglichkeiten sehr begrenzt seien, so der Experte.

Was die Teletext-Verantwortlichen ebenfalls vor Probleme stellt, ist das Geldverdienen über den Mobile-Kanal. Die Werbeumsätze entwickeln sich in diesem Bereich nur sehr zögerlich. Mittlerweile gibt es zwei Teletext-Apps: Die eine kostet vier Franken, die andere ist gratis. Wer zahlt, bekommt eine werbefreie Version – mit Ausnahme der typischen Teletext-Werbung, die auch auf dem TV-Kanal eingebaut ist. Teletext verdient einmalig vier Franken pro Download und an der klassischen Werbung. Auf der kostenlosen App können wie bei anderen Mobile-Newsportalen Anzeigen geschaltet werden. «Die Werbeumsätze auf diesem Gebiet müssen weiter ausgebaut werden», sagt Teletext-Sprecher Julien Kurt.

Als Tochter der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) ist die Teletext AG zwar in erster Linie dem Service public und nicht der Gewinnmaximierung verpflichtet. Die Gelder aus dem Gebührentopf seien aber beschränkt, so Kurt. Momentan kann sich die Teletext AG zu einem Viertel selbst finanzieren, der Rest kommt von der SRG.