Im ersten Halbjahr 2013 waren in der Schweiz bei Unfällen auf Strassen 113 Menschen ums Leben gekommen. Im gleichen Zeitraum wurden 1617 Menschen schwer verletzt, wie eine Auswertung des Strassenverkehrsunfall-Registers des Bundesamtes für Strassen (Astra) ergab.

Die Risiken sind in der Gesamtbevölkerung nicht gleich verteilt. «Junglenker verursachen viermal mehr Schäden als der Durchschnitt», sagte Andreas Krümmel, Leiter Schadenversicherung von AXA-Winterthur, an einer Präsentation im zürcherischen Volketswil am Donnerstag. In der Schweiz zahlen diese Junglenker deutlich mehr; in Ländern wie Grossbritannien finden sie gar kaum eine Autohaftpflichtversicherung.

Es sei denn, sie fahren mit einem Drive Recorder, einem Fahrtenschreiber, der das Fahrverhalten inklusive Beschleunigung, Bremsmanövern, riskanter Fahrweise in Kurven und Zeitpunkt der Fahrt laufend ermittelt und über eine mobile Datenverbindung an eine Zentrale übermittelt. Junglenker, die eine solche Box installiert haben, fahren vorsichtiger, denn sie bekommen über spezielle Internet-Portale Rückmeldungen zu ihrer Fahrweise. So zeigt es zumindest die Erfahrung in Grossbritannien.

Handlich: Die AXA-Black-Box.

Handlich: Die AXA-Black-Box.

Nur für die Junglenker

AXA-Winterthur kündigt jetzt als erste Versicherung in der Schweiz einen solchen Drive Recorder an. Die Versicherung baut einerseits auf den fünfjährigen Erfahrungen mit dem hauseigenen Crash Recorder auf, mit dem bereits vier Fünftel der rund 100 000 versicherten Junglenker in der Schweiz fahren.

Andererseits erhofft man sich bei der Versicherung eine sicherere Fahrweise bei dieser unfallträchtigen Zielgruppe durch die Rückmeldungen via Internet. Apps für Rückmeldungen via Smartphone sollen folgen. Junglenker, die sich die smartphonegrosse Box einbauen lassen, erhalten von Beginn an 20 Prozent Prämienrabatt. Das besonders vorsichtig fahrende Drittel der Fahrer erhält nach einem Jahr Vertragslaufzeit 25 Prozent Rabatt, das riskant fahrende Drittel lediglich 15 Prozent.

Wirtschaftlich attraktiv

Auf ältere Lenkerinnen und Lenker soll das Angebot (noch) nicht ausgeweitet werden, wie Krümmel sagte. Versicherungen haben bereits mit den ihnen zur Verfügung stehenden Daten wie Geschlecht, Alter, Herkunft und Autotyp hinreichend gute Daten, um risikogerechte Tarife berechnen zu können.

Ebenfalls nicht berücksichtigt werden kurze Wechsel am Steuer – die Box sammelt Fahrverhaltensdaten, aber nicht Fahrerdaten. Und eine Erweiterung um Kameras, die die Fahrt aus der Sicht des Lenkers aufzeichnen, wird nicht erwogen. «Wir sammeln noch Daten und Erfahrungen», sagte Bettina Zahnd, Leiterin der Unfallforschung und Prävention von AXA-Winterthur.

Wirtschaftlich dürfte die Rechnung für AXA-Winterthur aufgehen. «Grundsätzlich wählen nur Autofahrer eine Blackbox, die regelkonform fahren», sagt Stefan Schürmann, Versicherungsanalyst bei der Bank Vontobel, «und das sollte sich auf die Schadenfrequenz positiv auswirken.»

Konkurrenten wie Helvetia und Bâloise planen derzeit laut eigenen Angaben keine Fahrtenschreiber.