Jeder Flugunfall ist einer zu viel – diesem Leitspruch hat sich der Branchenverband, die International Air Transport Association (Iata), seit Jahren verschrieben. Mit Erfolg. Die Unfallquote geht zurück, die Zahl der Flugunfallopfer sinkt. Die Zahl der Toten ist mit 268 im vergangenen Jahr nicht mehr so tief wie im Vorjahr, als 136 Tote registriert wurden. Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass 2016 auf 40 Millionen Flügen 3,8 Milliarden Passagiere unterwegs waren. Und dass im Vorjahr mit nur vier Unfällen (2016: 10) mit Todesopfern ein ungewöhnlich gutes Jahr war.

Die Unfallquote pro Million Flüge sank von 1,79 auf 1,61. Das heisst, es braucht über 620'000 Flüge, bis es zu einem grösseren oder kleineren Schaden kommt. Die Iata registriert in ihrer Statistik nur kommerzielle Flüge mit Flugzeugen über einem maximalen Startgewicht von 5,7 Tonnen. Zudem muss der Schaden am Flugzeug über einer Million Dollar oder 10 Prozent des Flugzeugwertes betragen, um in die Statistik einzugehen.

 Sicherheit in Afrika verbessert

Mit ein Grund für die guten Zahlen ist die starke Verbesserung der Flugsicherheit in Afrika. Dort erlitt beispielsweise im vergangenen Jahr kein einziger Jet Totalschaden (2011 – 2015: 2,5 Jets pro Million Flüge). Auch die Quote bei Turboprops verbesserte sich. Sie sank von  10,5 Verlusten pro Million Flüge auf 1,56.

Die Iata will sich aber trotz den Erfolgen nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Auf dem Radar sind nach wie vor die häufigsten Flugunfälle, der sogenannte „Kontrollverlust während des Fluges“ und das „kontrollierte Fliegen in den Boden“ (was oft auf Desorientierung der Piloten wegen schlechten Wetters zurückzuführen ist). Die dritte Kategorie betrifft Pistenunfälle (Verfehlen der Piste, von der Piste geraten, darüber hinausschiessen). Die ersten beiden sind sehr selten, aber wenn solche Unfälle geschehen, sind sie meist tödlich. Die „Runway Excusions“ sind viel häufiger, verlaufen aber weniger dramatisch.

Ein weiterer Grund für die Verbesserung der Sicherheit ist das für Iata-Mitglieder obligatorische, strenge Zertifizierungsprogramm Iosa. Iosa-zertifizierte Fluggesellschaften haben eine halb so grosse Unfallrate wie nicht-zertifizierte.

Anlässlich einer Medientagung der Iata im Dezember sagte Iata-Sicherheitsbeauftragter Gilberto Lopez Meyer gegenüber der Nordwestschweiz, dass die Iata ihr Sicherheitsprogramm jetzt sogar noch verschärfen werde. Hinter vorgehaltener Hand monieren Verantwortliche von Fluggesellschaften zwar, dass das Iosa-Programm sehr teuer sei. Nur: Unter dem Strich sparen sie, weil weniger Schäden (auch kleine!) auftreten. Und es werden damit überdies die Management- und Ausbildungsprozesse verbessert. Schliesslich sorgen solche Programme für die Akzeptanz des Transportmittels. Immer mehr lassen sich übrigens auch nicht-Iata-Mitglieder Iosa-zertifizieren.

Gilberto Lopez Meyer, Abteilungsleiter für Flugsicherheit bei der Linienluftfahrtorganisation Iata, im Interview

Gilberto Lopez Meyer, Abteilungsleiter für Flugsicherheit bei der Linienluftfahrtorganisation Iata, im Interview

 

Hohe Bussen für fehlbare Drohnenpiloten gefordert

Lopez Meyer sagt im obigen Online-Interview auch, dass es neue Herausforderungen gibt, so etwa die Problematik der Lithium-Batterien, die sich heute in jedem Laptop und Handy befinden. Oder die Bedrohung des Luftverkehrs durch Drohnen. „Man muss die Probleme angehen, bevor sie zu Unfällen führen“, sagt Lopez Meyer. In diesem Sinn ist die Iata auch für hohe Bussen, wenn in Flughäfennähe mit Drohnen geflogen wird.